Fasttag 3

Wie geht es und mit dem Fasten?

Erstaunlich gut, muss ich sagen.

Ich dachte eigentlich, dass das plastikfrei einkaufen im normalen Supermarkt schwerer sein würde. Es ist aber nur mehr Denkarbeit.

Wenn ich zu Hause überlege was gekocht werden soll, muss ich zuerst überlegen ob es die Zutaten überhaupt ohne Plastik zu kaufen gibt. Dann muss noch die richtige Anzahl an Stofftaschen mitgenommen werden und das war es dann auch schon. Brot landet im Wäschenetz (das an Waschtagen wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt wird). Obst und Gemüse wird passender Weise in der Werbestofftasche der (österreichischen) Grünen gekauft. Da ich die Transportbänder an der Supermarktkasse supergrindig finde, zahl ich die fünf Deka Sackerl gerne drauf.

Gestern gab es Kartoffel-Lauch-Gratin. Heute wird es Kürbissuppe geben.

Seltsame Blüten treibt allerdings der „wir müssen alles Plastik das wir besitzen loswerden“-Wahn vom Göttergatten:

Wir haben ja nicht schleichend unseren Plastikkonsum reduziert, sondern „von jetzt auf gleich“. Also gibt es in unserer Küche noch einige in Plastik eingepackte Lebensmittel. Ich dachte, wir können diese so aufbrauchen, wie wir sie benötigen. Der Göttergatte sieht das anders. Natürlich wäre wegschmeissen haram. Aber er möchte die Dinge SOFORT loswerden – also aufessen. Somit gab es heute trockenes Pitabrot mit Pecorino und einem Liter Wasser mit einer Menge Sirup für jeden als Jause – bei der stolz verkündet wurde, dass wir wieder vier leere Packungen entsorgen konnten. Wir haben in den letzten drei Tagen nur „alte“ Plastikpackungen entsorgt. Neuer Plastikmüll besteht momentan aus einer Banderole vom Saatgut-Adventskalender und dem doofen Sticker von einem Apfel. Beides ärgert mich schon sehr – weil es so unnötig ist.

Apropos unnötiger Müll: Wir haben schon überlegt ob wir den an die Hersteller zurückschicken sollten, damit die sich selbst um die Entsorgung kümmern können… 🤔

Fasten bis Weihnachten

In den letzten paar Tagen haben wir uns einige – nennen wir sie mal – Öko-Dokumentationen im Streamingdienst angesehen, die ich meinen LeserInnen nur empfehlen kann, sollte sie das Thema „linkslinkes Weltverbessern“ interessieren.

All jene die es nicht interessiert > verschwendet eure Zeit nicht mit dem Lesen dieses Artikels.

Wir haben uns folgende angesehen:

  • Sustainable: haben wir, ehrlich gesagt, nicht zu Ende gesehen, weil wir von den Bedürfnissen des Babys mehrfach unterbrochen wurden und wir dieses Thema schon in mehreren anderen Dokus gesehen haben – es geht um nachhaltige Landwirtschaft.
  • Before the Flood: Leonardo DiCaprio für die, die so wie ich, der Ansicht sind, er scheine ein leiwander Kerl mit einem schlechten Frauengeschmack zu sein. Die augenfreundlichere Version von Al Gore.
  • Minimalism: Doku von zwei Typen übers basic-living. Lässt mich meine, im Vergleich zu anderen, eh schon kleine Kleidersauswahl nochmals überdenken. Auch über unseren vollgestopften Keller. Was uns besonders nachdenklich gemacht und eine Diskussion angeregt hat, war der Fakt, dass bei deren Vorträgen eigentlich nur alte Leute gesessen haben und kaum junge.
  • An Inconvenient Sequel: Truth to Power: Al Gore’s unbequeme Fortsetzung von An Inconvenient Truth. Wir haben echt nichts gelernt in den letzten Jahren.
  • A Plastic Ocean: Ja da sieht man mal, was wir täglich unserer Umwelt und uns selbst antun. Ein Augenöffner.

Letztgenannte Doku hat uns erschrocken und gefesselt und uns oft auf unser Kind in unseren Armen blicken lassen. Wir haben oft auf Pause gedrückt um über das soeben gesehene diskutiert. Was wollen wir unserer Tochter – unseren Kindern – beibringen?

Der Göttergatte meinte, unsere Kinder müssen solche Dokus sehen. Ich sagte: Ja natürlich. Aber was bringt eine Dokumentation im TV wenn wir gleichzeitig eine Plastikpackung Chips verdrücken und Saft aus der Plastikflasche trinken? Eine Doku nützt nichts, wenn man sein Verhalten nicht ändert.

Dann habe ich den Vorschlag gemacht, wir könnten doch ein kleines Projekt starten – Plastikfasten bis Weihnachten.

Der Gemahl war sofort angetan und wir haben es per Handschlag besiegelt.

Also werden wir nun versuchen, das bis Weihnachten durchzuziehen.

Hier die ersten 24h:

Ich habe gestern zum Abendessen Nudeln selbst gemacht. Ohne Nudelmaschine. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Nudeln gemacht, somit habe ich sowas nicht .(Okay, ich gebe an dieser Stelle zu, ich habe einen richtig guten und teuren Dörrautomaten seit sechs Jahren und dreimal gedörrt – shame on me.) Es war fast schon lächerlich wie einfach das ging – auch ohne Hartweizengrieß, weil wir nur in Plastik eingepackten finden konnten, oder einen in Papier mit Plastiksichtfenster – als ob man der Firma, die „Hartweizengrieß“ auf die Packung schreiben lässt, nicht trauen könnte….

Wir hatten keinen Pfeffer mehr. Man glaubt es kaum, doch es gibt weder im „normalen“  noch im „bio“ Supermarkt Pfeffer ohne Plastikpackung. Bio ist da fast noch schlimmer, weil der hat noch den green-washing Karton rundherum. Pffff. Ich war schon ganz schön frustriert.

Heute waren wir am Markt. Butter und Käse in Papier! Obst und Gemüse gänzlich unverpackt! Nur leider, alle Fleisch-Standler verpacken in Plastiksackerln. Mal abgesehen davon, dass die heute sowieso nur Schwein im Angebot hatten, müsste ich in Zukunft mein eigenes Gebinde mitnehmen. Was mir nichts ausmacht.

Danach waren wir noch beim Türken. Ich sag Türke, weil ich mein ganzes Leben lang schon „zum Türken“ einkaufen gehe. Auch wenn der schon mal Rumäne oder Grieche war und hier in Passau ist es ein Araber. Ich liebe die „türkischen“ Gemischtwaren-Handlungen, wo man in schlechtem Deutsch super bedient wird. Der arabische Türke hier hat 90% arabische Produkte. Das macht mich als Kundin zur Exotin. Ich kann nur 10% lesen. Der Rest der zum Kauf dargebotenen Waren erschließt sich mir durch Begutachtung. Heute hatte ich aber meinen Einkaufsjoker mit, der mir dann auch die „Sichtware“ bestätigen konnte. Und – Allah sei Dank – es gab dort doch tatsächlich ALLE Gewürze im Glas! Sogar die, die es in Deutschland nach meinen Recherchen im konventionellen Supermarkt eigentlich gar nicht geben sollte (plus das Pizza-Gewürz). Zu meiner schieren Begeisterung werden alle Gewürze unabhängig der Füllmenge zusätzlich noch in Gläsern gleicher Größe und Art verkauft. Das bedeutet: irgendwann in ferner Zukunft, wenn ich alle schon im Haushalt vorhandenen Gewürze aufgebraucht haben werde, werden alle Gewürze in gleichen Gebinden vorhanden sein. Das freut das Auge. Wir haben uns mit fünf Gewürzen eingedeckt (zwei davon MUSS man angeblich haben, wenn man arabisch kocht, laut Göttergatte). Der Pfeffer war auch dabei.

Am Abend habe ich meiner Mama von unserem Projekt erzählt. Obwohl sie meinen Weltretter-Projekten immer skeptisch gegenübersteht, war sie von diesem fast schon angetan. „Da kannst ja gar nix mehr im Supermarkt kaufen! Bei euch gibt es ja noch mehr in Plastik als hier!“ Ja, da hat sie Recht. Im Supermarkt ist abgesehen von ausgewählten Stücken Obst und Gemüse, alles in Plastik. ALLES.

Was gar nicht plastikfrei zu haben ist, ist Klopapier. Blöd, dass wir das genau heute kaufen mussten. Egal. Wie meine beste Freundin meinte, man müsse ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Das Klopapier-Kondom wird als Müllsack einer zweiten Bestimmung zugeführt.

Unser Küken macht übrigens nicht mit bei dem Projekt.

Wir wollten zwar von Anfang an mit Stoffwindeln arbeiten, doch dieses Projekt liegt aus einem Grund auf Eis: Die Stoffwindeln sind einfach so dick, dass unser Mädchen mit Hohlkreuz daliegt, wenn sie eine trägt. Nicht einmal der Umwelt zu liebe möchte ich ihr das antun. Wir probieren es alle paar Wochen wieder, allerdings gehen wir mittlerweile davon aus, dass wir sie erst verwenden werden, wenn sie nicht mehr nur noch am Rücken liegt. Der Windelmüll macht uns übrigens am meisten zu schaffen.

Wir haben mittlerweile auf der Plastikbank (einfach googlen) unsere Plastikneutralität gerne bezahlt. Es gibt schon geile Projekte wenn man mal googelt. Ich liebe es während ich Dokumentationen sehe, die erhaltenen Informationen zeitgleich einem Backgroundcheck zu unterziehen. Die Plastikbank kommt in „A Plastic Ocean“ vor.