Fasten bis Weihnachten

In den letzten paar Tagen haben wir uns einige – nennen wir sie mal – Öko-Dokumentationen im Streamingdienst angesehen, die ich meinen LeserInnen nur empfehlen kann, sollte sie das Thema „linkslinkes Weltverbessern“ interessieren.

All jene die es nicht interessiert > verschwendet eure Zeit nicht mit dem Lesen dieses Artikels.

Wir haben uns folgende angesehen:

  • Sustainable: haben wir, ehrlich gesagt, nicht zu Ende gesehen, weil wir von den Bedürfnissen des Babys mehrfach unterbrochen wurden und wir dieses Thema schon in mehreren anderen Dokus gesehen haben – es geht um nachhaltige Landwirtschaft.
  • Before the Flood: Leonardo DiCaprio für die, die so wie ich, der Ansicht sind, er scheine ein leiwander Kerl mit einem schlechten Frauengeschmack zu sein. Die augenfreundlichere Version von Al Gore.
  • Minimalism: Doku von zwei Typen übers basic-living. Lässt mich meine, im Vergleich zu anderen, eh schon kleine Kleidersauswahl nochmals überdenken. Auch über unseren vollgestopften Keller. Was uns besonders nachdenklich gemacht und eine Diskussion angeregt hat, war der Fakt, dass bei deren Vorträgen eigentlich nur alte Leute gesessen haben und kaum junge.
  • An Inconvenient Sequel: Truth to Power: Al Gore’s unbequeme Fortsetzung von An Inconvenient Truth. Wir haben echt nichts gelernt in den letzten Jahren.
  • A Plastic Ocean: Ja da sieht man mal, was wir täglich unserer Umwelt und uns selbst antun. Ein Augenöffner.

Letztgenannte Doku hat uns erschrocken und gefesselt und uns oft auf unser Kind in unseren Armen blicken lassen. Wir haben oft auf Pause gedrückt um über das soeben gesehene diskutiert. Was wollen wir unserer Tochter – unseren Kindern – beibringen?

Der Göttergatte meinte, unsere Kinder müssen solche Dokus sehen. Ich sagte: Ja natürlich. Aber was bringt eine Dokumentation im TV wenn wir gleichzeitig eine Plastikpackung Chips verdrücken und Saft aus der Plastikflasche trinken? Eine Doku nützt nichts, wenn man sein Verhalten nicht ändert.

Dann habe ich den Vorschlag gemacht, wir könnten doch ein kleines Projekt starten – Plastikfasten bis Weihnachten.

Der Gemahl war sofort angetan und wir haben es per Handschlag besiegelt.

Also werden wir nun versuchen, das bis Weihnachten durchzuziehen.

Hier die ersten 24h:

Ich habe gestern zum Abendessen Nudeln selbst gemacht. Ohne Nudelmaschine. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Nudeln gemacht, somit habe ich sowas nicht .(Okay, ich gebe an dieser Stelle zu, ich habe einen richtig guten und teuren Dörrautomaten seit sechs Jahren und dreimal gedörrt – shame on me.) Es war fast schon lächerlich wie einfach das ging – auch ohne Hartweizengrieß, weil wir nur in Plastik eingepackten finden konnten, oder einen in Papier mit Plastiksichtfenster – als ob man der Firma, die „Hartweizengrieß“ auf die Packung schreiben lässt, nicht trauen könnte….

Wir hatten keinen Pfeffer mehr. Man glaubt es kaum, doch es gibt weder im „normalen“  noch im „bio“ Supermarkt Pfeffer ohne Plastikpackung. Bio ist da fast noch schlimmer, weil der hat noch den green-washing Karton rundherum. Pffff. Ich war schon ganz schön frustriert.

Heute waren wir am Markt. Butter und Käse in Papier! Obst und Gemüse gänzlich unverpackt! Nur leider, alle Fleisch-Standler verpacken in Plastiksackerln. Mal abgesehen davon, dass die heute sowieso nur Schwein im Angebot hatten, müsste ich in Zukunft mein eigenes Gebinde mitnehmen. Was mir nichts ausmacht.

Danach waren wir noch beim Türken. Ich sag Türke, weil ich mein ganzes Leben lang schon „zum Türken“ einkaufen gehe. Auch wenn der schon mal Rumäne oder Grieche war und hier in Passau ist es ein Araber. Ich liebe die „türkischen“ Gemischtwaren-Handlungen, wo man in schlechtem Deutsch super bedient wird. Der arabische Türke hier hat 90% arabische Produkte. Das macht mich als Kundin zur Exotin. Ich kann nur 10% lesen. Der Rest der zum Kauf dargebotenen Waren erschließt sich mir durch Begutachtung. Heute hatte ich aber meinen Einkaufsjoker mit, der mir dann auch die „Sichtware“ bestätigen konnte. Und – Allah sei Dank – es gab dort doch tatsächlich ALLE Gewürze im Glas! Sogar die, die es in Deutschland nach meinen Recherchen im konventionellen Supermarkt eigentlich gar nicht geben sollte (plus das Pizza-Gewürz). Zu meiner schieren Begeisterung werden alle Gewürze unabhängig der Füllmenge zusätzlich noch in Gläsern gleicher Größe und Art verkauft. Das bedeutet: irgendwann in ferner Zukunft, wenn ich alle schon im Haushalt vorhandenen Gewürze aufgebraucht haben werde, werden alle Gewürze in gleichen Gebinden vorhanden sein. Das freut das Auge. Wir haben uns mit fünf Gewürzen eingedeckt (zwei davon MUSS man angeblich haben, wenn man arabisch kocht, laut Göttergatte). Der Pfeffer war auch dabei.

Am Abend habe ich meiner Mama von unserem Projekt erzählt. Obwohl sie meinen Weltretter-Projekten immer skeptisch gegenübersteht, war sie von diesem fast schon angetan. „Da kannst ja gar nix mehr im Supermarkt kaufen! Bei euch gibt es ja noch mehr in Plastik als hier!“ Ja, da hat sie Recht. Im Supermarkt ist abgesehen von ausgewählten Stücken Obst und Gemüse, alles in Plastik. ALLES.

Was gar nicht plastikfrei zu haben ist, ist Klopapier. Blöd, dass wir das genau heute kaufen mussten. Egal. Wie meine beste Freundin meinte, man müsse ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Das Klopapier-Kondom wird als Müllsack einer zweiten Bestimmung zugeführt.

Unser Küken macht übrigens nicht mit bei dem Projekt.

Wir wollten zwar von Anfang an mit Stoffwindeln arbeiten, doch dieses Projekt liegt aus einem Grund auf Eis: Die Stoffwindeln sind einfach so dick, dass unser Mädchen mit Hohlkreuz daliegt, wenn sie eine trägt. Nicht einmal der Umwelt zu liebe möchte ich ihr das antun. Wir probieren es alle paar Wochen wieder, allerdings gehen wir mittlerweile davon aus, dass wir sie erst verwenden werden, wenn sie nicht mehr nur noch am Rücken liegt. Der Windelmüll macht uns übrigens am meisten zu schaffen.

Wir haben mittlerweile auf der Plastikbank (einfach googlen) unsere Plastikneutralität gerne bezahlt. Es gibt schon geile Projekte wenn man mal googelt. Ich liebe es während ich Dokumentationen sehe, die erhaltenen Informationen zeitgleich einem Backgroundcheck zu unterziehen. Die Plastikbank kommt in „A Plastic Ocean“ vor.

 

 

 

Trennung in Passau

Die Lügenpresse hat bei uns im Haus zugeschlagen. Alle Hausbewohner haben die Nachricht bekommen, dass in der mikrigen Biomülltonne angeblich Styropor und Plastikdosen gefunden wurden – mit Foto. Das regt mich seit Tagen auf. Denn der abgebildete Mist ist unserer. Wir wissen ganz genau, dass wir das Plastik in den Restmüll geworfen haben. Zu allem Übel wissen wir auch, dass die 5-Liter Gebinde und das TV-Verpackung-Styropor so groß waren, dass die gar nicht in die Biomülltonne gepasst hätten – schon gar nicht, so wie auf dem Foto abgebildet, nebeneinander. LÜGENPRESSE!!!! Ich bin ziemlich nahe dran, den Hausmeister anzurufen und ihn zu fragen ob er komplett deppert ist und ob er so zur Welt kam oder es erst nachträglich wurde. Es ist eine Frechheit. Leider fehlt mir aber die Beweiskraft, dass wir es richtig entsorgt haben – hab mir ja nicht gedacht, dass ich davon ein Foto machen muss. Ich fühle mich zu tiefst beleidigt und in meiner Trenner-Ehre gekränkt. What the fuck.

Dieser Vorfall hat mir den letzten Anstoß gegeben, mich mit der Abfallentsorgung in Passau zu beschäftigen. 

Seit wir hier eingezogen sind überlege ich wo ich denn die zwei Wein- und eine Wodkaflasche aus Glas entsorgen soll… ich finde einfach keinen nahen Container – also stehen sie ausgewaschen in der Küche herum und ich habe die Sorge, dass wir vor lauter Altglassammelei bald keinen Platz mehr haben – immerhin wohnen wir erst seit zwei Wochen hier und es sind schon drei Flaschen….

Ausserdem bin ich äusserst irritiert ob des unendlichen Plastikmülls den ich hier tagtäglich vom Einkaufen mitheimnehme. Ich bräuchte hier im Haus einen Plastikcontainer, einen für Papier und einen für Biomüll. Dann wüsste ich nämlich nicht was wir im Restmüll noch zu entsorgen hätten…

Schon damals als ich vom Land nach Wien gezogen bin, hatte ich ein Problem damit, dass es keinen Plastikcontainer oder gelben Sack gab, wie ich es von meinem Elternhaus gewohnt war. Aber immerhin gab es mehrere Mistinseln im Umkreis von 500 Metern, so dass mir der Weg dorthin selten zu weit und es nie ein Umweg war. Ich möchte nicht behaupten, dass ich permanent strikt getrennt habe – das wäre zu idealistisch. Natürlich habe ich auch mal alles zusammen in den Restmüll geworfen – zur Arbeitserhaltung bei der MA48. Nochdazu gab es ja keine Biomülltonne und mit einem Apfelbutzen, den Erdäpfelaugen oder der Bananenschale zum Biocontainer fünfhundert Meter zu laufen war mir dann auch zu blöd.

Zurück nach Passau: ich habe einen Artikel aus dem Jahre 2012 gefunden, in dem berichtet wird, dass der Stadtrat kategorisch und aus haarsträubenden Gründen den gelben Sack ablehnt. Also habe ich weitergegoogelt – ich wollte wissen, ob es für die zuagraste Österreicherin mit Trennungswunsch eine Möglichkeit gibt dem nachzukommen. Die Antwort ist eher unbefriedigend ausgefallen: Ohne Auto ist es, wie im oben erwähnten Artikel aus dem Jahre Schnee, tatsächlich noch immer unmöglich den Wertstoffhof zu erreichen. Der ist irgendwo, man kann bei der Lage nicht mal mehr von Stadtrand sprechen. 

Aber ich habe einen Reststoffhof gefunden, der gar nicht mal so weit weg ist – also fußläufig. Leider hat der heute geschlossen und auch die nächsten Tage nicht geöffnet. Somit tu ich mir zeitnah etwas schwer dort zu recherchieren ob sie eigene Säcke haben für den Kunststoff – den würde ich dann nämlich wirklich sammeln und hinbringen. Einmal in der Woche kann man das ja machen und der Mist ist ja auch nicht gerade schwer zu tragen. Ansonsten muss ich uns halt große Säcke besorgen in dem wir den dann reinstecken können.

Ich würde gerne wissen, was Passau so mit dem ganzen ungetrennten Restmüll macht. Auch für diese Recherche würde ich ein Auto benötigen, der Müllhof ist irgendwo, und ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass im Rathaus keiner eine Ahnung hat. 

Auch einen Abfallabholkalender habe ich mir runtergeladen. Von den Abholzeiten bin ich schockiert. Unser 30-Parteien-Wohnkomplex hat eine kleine Biotonne (Leerung 2-wöchentlich, auch im Sommer), zwei Papiercontainer (Leerung ein Mal im Monat) und einen Restmüllcontainer (für den gibts wenigstens wöchentlich die Chance geleert zu werden). Bin ja gespannt ob wir da einen zweiten bekommen…. aber so wie ich das schon von Salars alter Wohnung kenne, warscheinlich nicht. Da gabs bei 70 Wohnungen zwei Container und am Wochenende vor und nach der Leerung stand der Mist schon davor herum. Ganz gschmackig.

Die näheste Wertstoffinsel habe ich übrigens mit Hilfe der Suchmaschine gefunden, ich Googlequeen. Da werde ich jetzt mal hinreisen – zur Entsorgung und zum Lokalaugenschein.