Fasttag 3

Wie geht es und mit dem Fasten?

Erstaunlich gut, muss ich sagen.

Ich dachte eigentlich, dass das plastikfrei einkaufen im normalen Supermarkt schwerer sein würde. Es ist aber nur mehr Denkarbeit.

Wenn ich zu Hause überlege was gekocht werden soll, muss ich zuerst überlegen ob es die Zutaten überhaupt ohne Plastik zu kaufen gibt. Dann muss noch die richtige Anzahl an Stofftaschen mitgenommen werden und das war es dann auch schon. Brot landet im Wäschenetz (das an Waschtagen wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt wird). Obst und Gemüse wird passender Weise in der Werbestofftasche der (österreichischen) Grünen gekauft. Da ich die Transportbänder an der Supermarktkasse supergrindig finde, zahl ich die fünf Deka Sackerl gerne drauf.

Gestern gab es Kartoffel-Lauch-Gratin. Heute wird es Kürbissuppe geben.

Seltsame Blüten treibt allerdings der „wir müssen alles Plastik das wir besitzen loswerden“-Wahn vom Göttergatten:

Wir haben ja nicht schleichend unseren Plastikkonsum reduziert, sondern „von jetzt auf gleich“. Also gibt es in unserer Küche noch einige in Plastik eingepackte Lebensmittel. Ich dachte, wir können diese so aufbrauchen, wie wir sie benötigen. Der Göttergatte sieht das anders. Natürlich wäre wegschmeissen haram. Aber er möchte die Dinge SOFORT loswerden – also aufessen. Somit gab es heute trockenes Pitabrot mit Pecorino und einem Liter Wasser mit einer Menge Sirup für jeden als Jause – bei der stolz verkündet wurde, dass wir wieder vier leere Packungen entsorgen konnten. Wir haben in den letzten drei Tagen nur „alte“ Plastikpackungen entsorgt. Neuer Plastikmüll besteht momentan aus einer Banderole vom Saatgut-Adventskalender und dem doofen Sticker von einem Apfel. Beides ärgert mich schon sehr – weil es so unnötig ist.

Apropos unnötiger Müll: Wir haben schon überlegt ob wir den an die Hersteller zurückschicken sollten, damit die sich selbst um die Entsorgung kümmern können… 🤔

W.W.G.D.

What would grandmother do?

Mit dieser Frage beschäftigen wir uns oft.

Meine Antwort wäre, wäre diese Frage wirklich auf meine Großmütter bezogen: Mütterlicherseits hätte ich keine Ahnung, wahrscheinlich hätte sie Angst vorm Großvater. Fragen kann ich sie leider nicht mehr, da sie mit Demenz und nach mehreren Schlaganfällen ohne Reaktionsfähigkeit in einem Pflegeheim liegt. Väterlicherseits, sie ist gestorben als ich zehn war, wir lebten allerdings im selben Haus und sahen uns täglich, wäre die Antwort wohl: Sie hätte gewartet bis es jemand für sie getan hätte – nicht aus Faulheit oder Bequemlichkeit, sondern einfach weil sie keinen blassen Schimmer hatte (mein Gefühl als Kind) oder weil sie einfach nicht wollte (meine objektivere Vermutung als Erwachsene, nachdem ich etwas mehr Tau über meine Großeltern gesammelt habe).

Also denke ich, wenn wir uns das fragen, immer an imaginäre Großmütter. Meine imaginären Lieblingsgroßeltern waren übrigens immer die aus dem Buch „Brav sein ist schwer“.

Warum stellen wir uns diese Frage überhaupt?

Wir wollen uns damit in Erinnerung rufen, dass unser Leben so bequem ist, dass wir total vergessen (haben), dass es nicht immer so war.

Das was früher Mühsal war, ist jetzt eine Leichtigkeit über die wir gar nicht nachdenken und für die wir einen hohen Preis zahlen (in Landeswährung und Gesundheit).

Alles muss schnell und vor allem immer verfügbar sein.

Wir wollten aber schon lange nicht mehr industrielle Scheiße konsumieren. Wenn ich Inhaltsangaben von Produkten lese, die uns so „zum Fraß hingeworfen werden“ – kommt mir regelmäßig das Speiben. Und das ganz besonders bei Lebensmitteln.

Beim Einkauf gehe ich schon seit Jahren nach dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“ vor. Finde ich auf einer Packungsangabe Wörter die ich nicht herleiten und/oder aussprechen kann oder Nummern oder Dinge (meistens Zucker) die nicht darin vorkommen würden, würde ich das Produkt selbst herstellen, kaufe ich sie nicht. Aus diesem Grund landen in meinem Einkaufskorb äusserst selten Convenience-Sackerln und -Packerln. An dieser Stelle gebe ich auch gerne zu, dass ich auf manche – nach obiger Ausführung – böse Produkte dennoch nicht verzichte(te) (das TE in Klammer, weil das alles in Plastik verpackt ist und somit in Zukunft wohl flach fällt), einfach weil sie mit einem nostalgischen, heimeligen Gefühl (Essen wie bei Muttern) verbunden sind.

Letzte Woche, als mein Baby starkes Bauchweh hatte und bitterlich weinen musste, erinnerte ich mich an die Tropfen, die ihr ohne ersichtlichem Grund (mit der dummen, überforderten und nicht klar denkenden Mutter kann man es ja machen) im Spital vorm Haare waschen (!) verabreicht wurden und die gegen Koliken sein sollten. Ich war schon kurz davor, die zu kaufen, wollte aber vorher recherchieren woraus die eigentlich bestehen und fing beim Lesen der „weiteren Inhaltsstoffe“ zu weinen an. Man hat meinem Kind ALUMINIUM (!!!) in den Mund getröpfelt! What the fuck. In meiner Wut habe ich dann gleich alle anderen Tropfen gegen Koliken gecheckt und in ALLEN ist Aluminium enthalten. Alle Tropfen gibt es auch für Nicht-Babies in Tabletten ohne Alu drinnen. Danke. What would granny do? Kümmeltee. Daraufhin habe ich Baby-Fläschchen (aus Glas) gegoogelt, in der Hoffnung welche mit Sauger ohne Silikon und den ganzen hormonellen Stoffen zu finden, bin fündig geworden und das gab es sogar beim Drogeriemarkt vis a vis. Während der Tee durchzog waren wir einkaufen und als wir zurück waren, konnten wir auch das Bauchweh bekämpfen. Ohne Chemiekeule. Eventuell etwas langsamer – dafür tatsächlich magenschonend.

Es gibt übrigens auch Zahnpasta mit Aluminium drinnen. Wenn man da beim Einkaufen nicht aufpasst wie ein Haftlmacher landet das Deo mit „Jetzt neu ohne Aluminium“-Sticker mit der Zahnpasta gemeinsam im Einkaufskorb. Warum sollte ich was auf meinen Schleimhäuten wollen, was ich nicht auf meiner Haut will???

Aus diesen Gründen fragen wir uns die Überschrift fast täglich und machen viele Produkte selbst, die andere kaufen.

In unserem Haushalt wird mit Kernseife gewaschen (uns selbst (pur) und alles was schmutzig ist (in Kombination mit anderen Inhaltsstoffen) ), die meine Urgroßmutter (!) im 2. Weltkrieg hergestellt hat und Kistenweise bei meinem Vater am Dachboden rumgammelt. Es gibt keinen Fleck den die nicht rauskriegt. Meine Haare wasche ich mit Roggenmehl – eine Supersauerei, aber die Haare werden so schööööööööön. Den Popsch unserer Tochter reinigen wir mit Wasser und Waschlappen. Unseren eigenen reinigen wir nach dem großen Geschäft auch mit reinem Wasser – allerdings aus der Podusche mit ein bisserl Wasserdruck. Feuchttücher sind bei uns schon seit Monaten aus. Zähne kann man zwar auch mit Kernseife putzen, aber ich wasch mir doch meinen Mund nicht selbst mit Seife aus. Also haben wir unsere eigene Zahnpasta hergestellt. Zum Abschminken (ich schminke mich vielleicht wenn es hoch kommt zwei Mal im Jahr) und zur Körperpflege verwende ich Kokosöl – seitdem hält sich meine Neurodermitis auch im Zaum. Zum Wäschewaschen verwenden wir biologisch abbaubares Waschmittel (gekauft) im Wechsel mit Kastanien. Ich freue mich schon darauf, wenn die mein Kind aufklaubt.

Wir pressen unseren eigenen Saft – heute gab es Apfel-Kiwi-Weintraube, die einzigen unverpackten Früchte im Supermarkt. Wir machen neuerdings unsere Nudeln selbst.

Der Göttergatte bäckt gerne Brot. Ich koche gerne ein. Allerdings haben wir uns im letzten Jahr dafür sehr selten Zeit genommen (einmal gab es Brot und ich habe Rhabarber-Kompott eingekocht – shame on us).

Das Take-Away hält sich bei uns in Grenzen – wir leben ja nicht in New York oder Wien sondern in Passau 😂. Bei uns wird an mindestens 29 Tagen im Monat frisch gekocht.

Wir haben kein Auto. Wir verfluchen diesen Umstand mehrmals pro Woche, werden ihn aber nicht ändern auch wenn wir den Garagenstellplatz um 50 Euro zur Wohnung dazumieten mussten. Wir machen alles per ÖPNV. Es ist eine Tortur und es glaubt uns hier in Deutschland keiner, dass wir SO überleben können- aber mei, unsere vier Großmütter hatten alle keinen Führerschein!

In der Wohnung in der wir wohnen ist es das ganze Jahr wohlig warm, da sie direkt über dem Heizraum liegt. Für unsere Prinzessin heizen wir punktuell wenn nötig ein bisserl zu (z.B. im Badezimmer wenn gebadet wird). Ich bin selbst in einer ebenerdigen undichten Wohnung ohne Keller und ohne Isolierung groß geworden und war sehr selten krank.

Heute ist mein Saat-Adventskalender (leider mit unnötiger Plastikbanderole) gekommen und ich freue mich schon darauf im Frühjahr mit dem Garteln zu beginnen. Erstmals in meinem Leben. Nachdem der Basilikum aus dem Supermarkt vier Monate überlebt hat (er steht noch immee lebend auf der Fensterbank), fühle ich mich reif dazu.

Man wächst mit seinen Aufgaben.

Am Markt

Beim Standl von einem österreichischen Hofladen.

Es gab Milchprodukte und ein bissl Antipasti (Oliven, gefüllte Peperoni…).

Wir haben eingekauft und uns beraten lassen und die Dame wurde nicht müde zu betonen, dass alles aus dem guten Österreich kommt. Ja, sag ich, ich komm ja eh auch aus Österreich. Ja, sagt sie, deshalb sagt sie es mir ja, damit ich weiß, dass es von Dahoam kommt.

Wir haben gerade bezahlt und waren dabei unsere erworbenen Güter im Kinderwagen zu verstauen, als sich die Verkäuferin der nächsten Kundin zuwandte.

Das belauschte Gespräch, gebe ich hier als Gedächtnisprotokoll wieder.

Kundin (K): „Ich habe eine Reklamation zu machen.“ (kramt im Sackerl)

(Ui, denk ich, Reklamation? Ich hab gerade hier eingekauft!)

Verkäuferin (V): „Ohje, was hamma denn?“

K:“Ich war am Freitag hier bei ihrem Kollegen und habe Oliven gekauft.“ (zieht eine Plastikschale mit Deckel aus dem Sackerl)

V:“Jaaa?!“

K:“Ich muss sagen, ich bin zu tiefst enttäuscht, was mir ihr Kollege eingepackt hat. Ich habe es erst zu Hause gesehen.“

V:“Was ist denn mit den Oliven?“

K:“Der Kollege hat TATSÄCHLICH DREI SCHNITZER ZITRONE dazugepackt! Das ist Abfall! Ich zahle doch nicht für Abfall! Ich habe es schon drei Freundinnen erzählt! Das ist eine Frechheit! Das kann man doch nicht machen!“

An diesem Punkt bin ich in die Knie gegangen vor lauter Lachen und die Tränen liefen an meinen Wangen runter.  Die Verkäuferin sah mich dankbar an – die durfte ja nicht lachen.

V: (sehr professionell) „Nun, Abfall ist die Zitrone sicher nicht. Die meisten Kundinnen freuen sich darüber und essen sie mit.“

K:“Das ist echt ekelhaft. Eine Zitrone hat hierin nichts zu suchen.“

V:“Das tut mir leid, dass sie das so sehen. Ich gebe ihnen gerne drei Oliven im Austausch mit den Zitronenschnitzern.“

K:“Das ist das mindeste was sie tun können.“

Ich habe mich an dieser Stelle mit einem „OIDA! Ich kann es nicht glauben! Wie deppert sind die Leut da?!“ dem nächsten Standl zugewandt.

Wenn man nicht weiß, wie Oliven eingelegt werden (können), sollte man doch eher die im Supermarkt im schmalen hohen Glas mit „Paprika“ statt Kern um 59 Cent kaufen….. oder?!

Und dann ärgere ich mich über mich, dass ich nicht auf Zack reagieren kann. Im Nachhinein hätte ich nämlich gerne in ihr öliges Behältnis gegriffen und die Zitronenschnitzer mit den Fingern rausgegessen.

Meine Reaktion zeigt mir übrigens auch, dass ich für direkten Kundenkontakt Auge-in-Auge SOWAS VON ÜBERHAUPT NICHT geeignet bin. Am Telefon war ich doch immer gut aufgehoben…Augen rollen sieht man nicht und das Lachen kann man stumm schalten.

Respekt gegenüber allen, die im direkten Kundenkontakt stets die Fassung bewahren müssen.

 

 

Fasten bis Weihnachten

In den letzten paar Tagen haben wir uns einige – nennen wir sie mal – Öko-Dokumentationen im Streamingdienst angesehen, die ich meinen LeserInnen nur empfehlen kann, sollte sie das Thema „linkslinkes Weltverbessern“ interessieren.

All jene die es nicht interessiert > verschwendet eure Zeit nicht mit dem Lesen dieses Artikels.

Wir haben uns folgende angesehen:

  • Sustainable: haben wir, ehrlich gesagt, nicht zu Ende gesehen, weil wir von den Bedürfnissen des Babys mehrfach unterbrochen wurden und wir dieses Thema schon in mehreren anderen Dokus gesehen haben – es geht um nachhaltige Landwirtschaft.
  • Before the Flood: Leonardo DiCaprio für die, die so wie ich, der Ansicht sind, er scheine ein leiwander Kerl mit einem schlechten Frauengeschmack zu sein. Die augenfreundlichere Version von Al Gore.
  • Minimalism: Doku von zwei Typen übers basic-living. Lässt mich meine, im Vergleich zu anderen, eh schon kleine Kleidersauswahl nochmals überdenken. Auch über unseren vollgestopften Keller. Was uns besonders nachdenklich gemacht und eine Diskussion angeregt hat, war der Fakt, dass bei deren Vorträgen eigentlich nur alte Leute gesessen haben und kaum junge.
  • An Inconvenient Sequel: Truth to Power: Al Gore’s unbequeme Fortsetzung von An Inconvenient Truth. Wir haben echt nichts gelernt in den letzten Jahren.
  • A Plastic Ocean: Ja da sieht man mal, was wir täglich unserer Umwelt und uns selbst antun. Ein Augenöffner.

Letztgenannte Doku hat uns erschrocken und gefesselt und uns oft auf unser Kind in unseren Armen blicken lassen. Wir haben oft auf Pause gedrückt um über das soeben gesehene diskutiert. Was wollen wir unserer Tochter – unseren Kindern – beibringen?

Der Göttergatte meinte, unsere Kinder müssen solche Dokus sehen. Ich sagte: Ja natürlich. Aber was bringt eine Dokumentation im TV wenn wir gleichzeitig eine Plastikpackung Chips verdrücken und Saft aus der Plastikflasche trinken? Eine Doku nützt nichts, wenn man sein Verhalten nicht ändert.

Dann habe ich den Vorschlag gemacht, wir könnten doch ein kleines Projekt starten – Plastikfasten bis Weihnachten.

Der Gemahl war sofort angetan und wir haben es per Handschlag besiegelt.

Also werden wir nun versuchen, das bis Weihnachten durchzuziehen.

Hier die ersten 24h:

Ich habe gestern zum Abendessen Nudeln selbst gemacht. Ohne Nudelmaschine. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Nudeln gemacht, somit habe ich sowas nicht .(Okay, ich gebe an dieser Stelle zu, ich habe einen richtig guten und teuren Dörrautomaten seit sechs Jahren und dreimal gedörrt – shame on me.) Es war fast schon lächerlich wie einfach das ging – auch ohne Hartweizengrieß, weil wir nur in Plastik eingepackten finden konnten, oder einen in Papier mit Plastiksichtfenster – als ob man der Firma, die „Hartweizengrieß“ auf die Packung schreiben lässt, nicht trauen könnte….

Wir hatten keinen Pfeffer mehr. Man glaubt es kaum, doch es gibt weder im „normalen“  noch im „bio“ Supermarkt Pfeffer ohne Plastikpackung. Bio ist da fast noch schlimmer, weil der hat noch den green-washing Karton rundherum. Pffff. Ich war schon ganz schön frustriert.

Heute waren wir am Markt. Butter und Käse in Papier! Obst und Gemüse gänzlich unverpackt! Nur leider, alle Fleisch-Standler verpacken in Plastiksackerln. Mal abgesehen davon, dass die heute sowieso nur Schwein im Angebot hatten, müsste ich in Zukunft mein eigenes Gebinde mitnehmen. Was mir nichts ausmacht.

Danach waren wir noch beim Türken. Ich sag Türke, weil ich mein ganzes Leben lang schon „zum Türken“ einkaufen gehe. Auch wenn der schon mal Rumäne oder Grieche war und hier in Passau ist es ein Araber. Ich liebe die „türkischen“ Gemischtwaren-Handlungen, wo man in schlechtem Deutsch super bedient wird. Der arabische Türke hier hat 90% arabische Produkte. Das macht mich als Kundin zur Exotin. Ich kann nur 10% lesen. Der Rest der zum Kauf dargebotenen Waren erschließt sich mir durch Begutachtung. Heute hatte ich aber meinen Einkaufsjoker mit, der mir dann auch die „Sichtware“ bestätigen konnte. Und – Allah sei Dank – es gab dort doch tatsächlich ALLE Gewürze im Glas! Sogar die, die es in Deutschland nach meinen Recherchen im konventionellen Supermarkt eigentlich gar nicht geben sollte (plus das Pizza-Gewürz). Zu meiner schieren Begeisterung werden alle Gewürze unabhängig der Füllmenge zusätzlich noch in Gläsern gleicher Größe und Art verkauft. Das bedeutet: irgendwann in ferner Zukunft, wenn ich alle schon im Haushalt vorhandenen Gewürze aufgebraucht haben werde, werden alle Gewürze in gleichen Gebinden vorhanden sein. Das freut das Auge. Wir haben uns mit fünf Gewürzen eingedeckt (zwei davon MUSS man angeblich haben, wenn man arabisch kocht, laut Göttergatte). Der Pfeffer war auch dabei.

Am Abend habe ich meiner Mama von unserem Projekt erzählt. Obwohl sie meinen Weltretter-Projekten immer skeptisch gegenübersteht, war sie von diesem fast schon angetan. „Da kannst ja gar nix mehr im Supermarkt kaufen! Bei euch gibt es ja noch mehr in Plastik als hier!“ Ja, da hat sie Recht. Im Supermarkt ist abgesehen von ausgewählten Stücken Obst und Gemüse, alles in Plastik. ALLES.

Was gar nicht plastikfrei zu haben ist, ist Klopapier. Blöd, dass wir das genau heute kaufen mussten. Egal. Wie meine beste Freundin meinte, man müsse ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Das Klopapier-Kondom wird als Müllsack einer zweiten Bestimmung zugeführt.

Unser Küken macht übrigens nicht mit bei dem Projekt.

Wir wollten zwar von Anfang an mit Stoffwindeln arbeiten, doch dieses Projekt liegt aus einem Grund auf Eis: Die Stoffwindeln sind einfach so dick, dass unser Mädchen mit Hohlkreuz daliegt, wenn sie eine trägt. Nicht einmal der Umwelt zu liebe möchte ich ihr das antun. Wir probieren es alle paar Wochen wieder, allerdings gehen wir mittlerweile davon aus, dass wir sie erst verwenden werden, wenn sie nicht mehr nur noch am Rücken liegt. Der Windelmüll macht uns übrigens am meisten zu schaffen.

Wir haben mittlerweile auf der Plastikbank (einfach googlen) unsere Plastikneutralität gerne bezahlt. Es gibt schon geile Projekte wenn man mal googelt. Ich liebe es während ich Dokumentationen sehe, die erhaltenen Informationen zeitgleich einem Backgroundcheck zu unterziehen. Die Plastikbank kommt in „A Plastic Ocean“ vor.

 

 

 

Des Babys neue Wohnung

Vor kurzem sah ich im Mittags-TV eine Reportage darüber, wieviel Geld Erstlingseltern für die Babyausstattung ausgeben – oder salopper formuliert, rausschmeißen. Ich war etwas entsetzt, habe die ganze Zeit den Kopf geschüttelt und bei jedem Interview mit einer berliner Hipster-Mama mit Markenkinderwagen laut aufgelacht. What the fuck. 3000 Euro plus.

Das könnte ich mir gar nicht leisten! Mal abgesehen davon, dass mir der Wunsch danach völlig fehlt.

Auch wenn mir die Hormonumstellung einige Gehirnzellen gekostet hat, meine Fähigkeit rational zu denken, hat keinen Schaden davon getragen.

Meine Herangehensweise an das Thema Erstausstattung war von zwei Fragen beherrscht:

1. Was braucht das Küken?

2. Was brauchen/wollen/wünschen wir?

Definitiv habe ich mich nicht gefragt:

Welche Marke ist besonders hip und wie gebe ich vor anderen Müttern am besten an.

Die erste Frage war recht leicht zu beantworten: Kleidung, einen Schlafplatz und eine Futterstelle.

Die zweite Frage war schon schwieriger zu beantworten. Was will man eigentlich selbst? Hauptsache gesund – ist mir da mal gleich eingefallen. Nur wie stellt man das am besten an? Recherche war nötig: zuerst mal das persönliche Gespräch mit der erfahrendsten aller Mütter, meiner Mutter. Wie hat man das denn früher gehalten? Und dann mit der Lieblings-Co-Preggo mittlerweile -Jungmutti stundenlang telefoniert ob wir denn noch normal wären würden wir soweit gehen oder schon schwer öko. Darauf geschissen was andere denken und die Ökoschiene eingeschlagen: Das Bett soll nicht lackiert sein, die Matratze nicht aus Kunststoff, die Kleidung wenn schon neu dann Baumwolle und möglichst mit Biofarben bedruckt, die Futterstelle ist mir angeboren. Kein Schnuller! Ich habe das Teufelszeug selbst 6 Jahre benutzt und habe das mit 4 Jahren Zahnspange gebüßt. Und das Thema Windeln….. ich möchte Stoffwindeln. Und die sind tatsächlich noch nicht gekauft. Zum einen spekuliere ich damit, die kaum gebrauchten von wem anderen günstig zu erwerben und zum anderen denk ich mir will ich das dann direkt am Objekt ausprobieren. Was ich jetzt schon weiß, nachdem ich die erste Packung Wegwerfwindeln fürs home coming gekauft habe – bei aller Praktibilität, das ist mir zuviel Erdöl am Babypopo auf Dauer.

Ich habe versucht die Erstausstattung für möglichst lange Verwendbarkeit zu kaufen. Das Gitterbett ist zum Jugendbett umbaubar und auf die Kokos-Schafwolle-Matratze bin ich jetzt schon neidisch. Der neue Babyschale-Kinderwagen-Buggy hat uns kein Loch ins Börserl gerissen – hat rein gar nix ökologisches oder hippes an sich, es ging uns rein um die Funktionalität (z.B. einhändige Zusammenfaltmöglichkeit) und die Beständigkeit für mehrere Jahre.

Das einzige Hipsterteil, das ich mir gekauft habe, ist ein Tragetuch. Also eigentlich ein Trageloop. Und eigentlich braucht man davon zwei – das andere habe ich mir dann nach der Länge und Breite des gekauften aus einer viel zu dicken Pashmina genäht – ich Sparfuchs. Und da ich an der nichts geschnippelt habe, wird sie nach Ende der Tragezeit wieder zum Schal zerlegt.

Eine Babybadewanne – das gefühlt unnötigste überhaupt – haben wir uns leider anschaffen müssen da unsere Badewanne super barrierefrei für sieche und schwangere (also sehr niedrig zum Einsteigen) aber nix für kniende Mütter ist und unser Waschbecken leider zu flach ist um darin irgendwas anderes als Hände zu waschen. Ich gehe aber davon aus, dass die gekaufte Wanne nur anfänglich genutzt wird bis das Küken sitzen kann – dann wird gemeinsam gebadet und ich werde die Wanne fürs Fußbad benutzen.

Nachdem ich mir im ersten Drittel der Schwangerschaft gedacht habe, ich bräuchte einen Stubenwagen, im zweiten Drittel glaubte, ich läge mein Kind einfach auf die Couch, habe ich mir zuletzt eine Wippe angeschaft, die in Kleinkinderjahren als Schaukelstuhl verwendet werden kann.

Von der Bald-Oma gabs dann noch einen Lammfellsack für die winterliche Ausfahrt und zwei Schlafsäcke.

Am meisten Kopfschmerzen hat mir übrigens die Wickelmöglichkeit bereitet. Zuerst dachte ich, die Waschmaschine wäre am geeignetsten. Unsere ist an drei Seiten ummauert und ich halte es bisher noch immer für den besten Sturzschutz, allerdings gibt es dort keinerlei Möglichkeit an irgendeiner der drei Wände ein Regal anzubohren, da in allen was drinnensteckt was du einfach nicht anbohren willst (Wasserleitung, Lüftungsschacht). Somit haben wir uns ein Wickelbrett fürs Gitterbett gegönnt und werden im kombinierten Schlaf-Kinder-Zimmer wickeln. Für diesen Zweck habe ich vom Papa noch eine LED-Leiste (die hatten wir schon) als Unterbettbeleuchtung anbringen lassen, ich denke der Babypopo wird auch nächtens gewickelt werden wollen und dazu müssen ja nicht beide Elternteile durch unnötiges Licht aufgeweckt werden müssen. Ausserdem glaube ich, dass wir alle besser mit indirekter Beleuchtung nächtlichen Aktivitäten nachgehen können, die uns nicht putzmunter macht.

Ich denke wir sind gut aufgestellt mit dem was wir jetzt haben. Dennoch überkommen mich an meinen langen faden Tagen daheim auf der Couch Zweifel ob wir denn auch wirklich ALLES haben. Besonders bei der Kleidungsfrage bin ich äußerst unsicher. Gut, dass der Papa auch noch da ist, der mich dann am Abend beruhigt mit „wenn was fehlt, dann kaufen wir das mit dem Küken gemeinsam ein“.

Der ganze Spaß hat uns übrigens knapp unter 1000 Euro gekostet (davon haben aber Kinderwagen (400€) und Bett mit Matratze (300€) am meisten verschlungen)- und es ist alles neu gekauft. Was noch fehlt, sind, wie gesagt, die Stoffwindeln, die nochmals ca 300€ kosten werden – die lassen sich aber als einmalige Anschaffung verschmerzen, denn die kann im Gegensatz zu Wegwerfwindeln auch noch ein Geschwisterchen auftragen 😉.

Der Bald-Opa hat übrigens damals beim Bald-Onkel auf den damaligen Badezimmerfliesen oberhalb des Wickeltisches den Windelverbrauch notiert. Nach drei Jahren waren das 18.000 Schillinge. Falls jemand nachrechnen möchte, der Wechselkurs zum Euro war im Jahr 2002 1EUR= 13.7603 ÖS – heute streicht man der Inflation geschuldet nur noch die letzte Stelle weg. Und soweit ich mich erinnere war mein Bruder nie ein großer Esser und somit wahrscheinlich auch kein großer Schei*er.

Requiem an meinen Lieblingsbaum

Seit wir letzten Oktober in unsere Wohnung eingezogen sind, erfreute ich mich über den fantastischen Ausblick auf den schönsten Baum den ich jemals gesehen habe. Er war PER-FEKT.

Das Farbenspiel im Herbst war von einzigartiger Schönheit. Bevor er all sein Laub verlor, verfärbten sich die Blätter genau so wie ich es im Biologieunterricht gelernt habe – von oben nach unten. Nicht so wie die verschreckten Großstadtbäume die überall braun-grün gescheckt sind. Nein. Die Blätter meines Lieblingsbaumes war oben rot, mittig gelb und unten noch grün gefärbt – ohne Ausnahme. Ich nannte ihn auf Grund dessen liebevoll Ampelbaum.

Dann im späten November verlor er sein Blattwerk und eine weitere Schönheit entpuppte sich darunter. Sein Astwerk. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, das war der schönste nackte Baum den ich je sehen durfte. Wenn ich auf der Couch „verkehrt herum“ lag und den Kopf runterhängen ließ, sah der Baum mit seinen Ästen aus wie ein Herz mit seinen Arterien. Ein Bilderbuchbaum. Wenn man den gezeichnet hätte, hätte man über das Bild gesagt, es sei so kitschig, das kann nicht der Realität entsprechen. Dank seiner exponierten Lage am Rande der Grundstücksgrenze eines Diskonters Süd, hatte ich die Möglichkeit mir den Baum von allen Seiten anzusehen – er war komplett symmetrisch. Auf keiner Seite stand ein Asterl weg. Aus jeder Perspektive sah dieser Baum im Winter aus wie ein umgedrehtes Herz. Somit hieß er dann im Winter auch Herzbaum.

Ich konnte es kaum erwarten ihn im Frühling zu beobachten, wenn er wieder Blätter bekommt. Und in der Tat, er war der erste der Knospen hatte und der erste bei dem sich Anfang März zartes Grün erkennen ließ. Und dann in der Karwoche ist sein Blätterkleid förmlich herausexplodiert und er stand da in all seiner Pracht im sattesten Grün.

Ich freute mich darüber wie ein kleines Kind. Und ich freute mich darauf meinem Kind anhand genau jenen Baumes die Jahreszeiten erklären zu können.

Doch es sollte anders kommen.

Letzte Woche schloß mein Nachbar zwecks Neubaus die Pforten. Am Montag rollte der erste Bagger an und fing damit an die kleinen verreckten kaum blühenden Bäume am Parkplatz umzuschneiden. Okay – das lasse ich mir einreden, die neue Filiale soll größer werden und diese Bäume wurden von den Diskonter-Erbauern fix erst gepflanzt als der Supermarkt schon stand. Ich meinte zu Salar, wenn die die Bäume an der Grundstücksgrenze umsägen, hänge ich mich an „meinen“ Baum an. Salar beruhigte mich, er sehe keine Gefahr für den Baum, er stehe ausserhalb der Umzäunung und so wie da im Winter kein Schnee geräumt wurde auf dem Gehsteig, gehe er davon aus, dass dieser Baum auch nicht dem Diskonter gehört. Ausserdem ist dieser Baum weitaus älter als der Supermarkt und stünde schon viel länger da. Ich war zufrieden.

Dann kam am Mittwoch überraschend meine Mum zu Besuch und die Baustelle war auch schon soweit fortgeschritten, dass mit der Demolierung des Gebäudes begonnen wurde.

Am Donnerstag waren wir zu Mittag beim Fast-Food-Nahversorger. Nicht einmal eine Stunde waren wir weg, weil die golden arches keine drei Minuten zu Fuß entfernt liegen. Als wir zurückkamen führte mein erster Weg aufs Klo und der meiner Mum auf die Terrasse (jeder hat Grundbedürfnisse die befriedigt gehören). Da hör ich meine Mutter durch die Häusltür durch: „Stand da nicht ein Baum?“ und ich denk mir „Na. Die macht sich lustig, weil ich ihr gesagt habe, dass ich mich an den anketten würde.“ und komme nach getaner Arbeit auf die Terasse.

So schnell haben sich meine Augen schon sehr lange nicht mehr mit Tränen gefüllt. Haben Arschgeburten tatsächlich den schönsten Baum der Welt umgeschnitten der bis zum heutigen Tage keinem Baugerät im Wege gestanden hätte und das Drecksgebäude ist auch schon tutti kompletti abgerissen!!! Ich verstehe es nicht. Dieser Baum stand weder im Weg, noch war er krank, noch ging von diesem Baum irgendeine Gefahr aus.

Seitdem führe ich einen innerlichen Kreuzzug gegen diesen Neubau und die Diskonterkette Süd. Die sollen sich bloß in Acht nehmen, alles korrekt zu machen! Ich habe 24/7 nichts zu tun und meine Couch ist mein Lieblingsplatz. Genauso wie ich meinen Baum von dort aus sehen konnte, sehe ich jetzt jeden Handgriff auf der Baustelle. Wenn mir da was schwarz vorkäme, wär ich mit dem denunzieren ganz schön schnell.

Ich war seit meinem Umzug hierher kein Freund vom Diskonter Süd, weil es da drinnen immer so muffig roch und man als Österreicherin schon meinen konnte in der Filiale für die dritte Welt zu stehen. Aber zukünftig werde ich nicht mal mehr meine schwedischen Haferkekse dort kaufen. Die Baummörder haben mein Geld nicht verdient.

Ruhe in Frieden mein allerliebstes Lieblingsbäumchen. Ich denke an dich.

The struggle is real – auf der Suche nach passender Kleidung….

Ich habe ein Problem. Ein großes. Ich trage mittlerweile eine Halbkugel vor mir her, die das Tragen normaler Klamotten unmöglich macht. Seit einigen Wochen versuche ich krampfhaft im Einzelhandel in Passau schwangerschaftstaugliche Kleidung aka Umstandsmode zu erwerben und dabei wäre es mir sogar wurscht ob die Hose dann 200€ kosten würde, Hauptsache a Hos’n. Es ist unmöglich. Nicht, dass es hier keine Fetz’ng’schäfte gibt, das Problem liegt an der „Tut mir leid, wir führen keine Umstandswaren, probieren Sie es mal bei Zweibuchstaben oder Zweibuchstaben“-Politik. Ja, die zwei Zweibuchstabenläden haben je einen Ständer „Umstandsmoden“ – schneidern lassen dürften die beiden übrigens von den gleichen bangalesischen Kinderhänden, da die Hosen bei beiden EXAKT die gleiche beschissene Passform haben. In der Not frisst der Teufel Fliegen, deshalb hab ich eine. Der Reißverschluss vom offenen Hosentürl hat nämlich mit der Zeit zu scheuern angefangen.

Mit wachsendem Bauch wurde die Verzweiflung immer größer. Denn die Zweibuchstaben-Hose hat einen so niedrigen Bund, dass sie über Bauch und Po rutscht und ich immer öfter aussah wie ein übriggebliebener Skater der 90er Jahre.

Somit wurde Shopping-Saturday durch Research-Saturday ersetzt. Denn unser Trip nach Wien stand bereits seit Monaten fest (seitdem Mann meinte man könne im 7. Monat nicht mehr in die Toskana). Gefühlt hunderte Homepages hab ich durchforstet um Umstandsmodengeschäfte zu finden – und seien sie noch so weit in der Peripherie…. Schnell kristallisierte sich heraus, dass dieser „Urlaub“ für drei Dinge genutzt werden wird: Kleidung und Kinderwagen kaufen, den elterlichen Dachboden plündern und friends und family zu treffen.

Als wir dann letzte Woche Dienstag auf der Mahü standen und ich Anstalten machte einen Zweibuchstabenladen ansteuern zu wollen, meinte Salar „You can’t be serious. I don’t want you to get another mental breakdown.“ „I am already prepared for the worst. Let us have a look.“ Zum Einen war ich von der Auswahl extrem positiv überrascht: VIER Ständer UND VIER Wandpanele!!!! zum Anderen aber auch enttäuscht > wieder keine leichten Sommerhosen. Dann sagte Salar: „I know you hate dresses because of the rubbing legs….but try one with this (-eine leggings haltend-) and if you don’t look like „Bitteschön, dankeschön, alles Gute“ we buy it.“ Also bin ich Augen rollend damit in die Umkleide verschwunden und war entsetzt. Entsetzt darüber wie geil ich damit aussah! Ich hab mich gleich wieder umgezogen, hab das Outfit Salar in die Hand gedrückt. „We buy it.“ Salar hat dann ein arabisches Stoßgebet in den Himmel geschickt.

Vollends motiviert sind wir dann in den ersten richtigen Umstandsmodenshop reingerauscht. Salar findet den Markennamen „Mamalicious“ obszön und ich fand es Scheiße bei Größe L mit der Produktion von Umstandsmode aufzuhören, immerhin leben die meisten Schwangeren ja nicht mein Leben, bis ins dritte Trimester kein Gramm zugenommen zu haben. Also raus aus dem Laden und rein in den nächsten.

X-Mal bin ich als „Nie schwanger werdende“ an dem Geschäft schon vorbei und hab mich darüber gewundert wie man damit Geld machen kann und jetzt stand ich drinnen und dachte „verdammte Scheiße, werden nur Kleidergrößen 32-38 angebumst?!?“ Etwas verzweifelt stand ich da und dann kam die Hipster-Mittvierziger-Geschäftsbesitzerin mit „darf ich dir helfen?“ an. „Ja, du, ich suche was, was mir passt.“ „Dezent oder Auftragend?“ „Ich bin das erste Mal in meinem Leben auf meinen Bauch stolz, es darf schon weh tun in den Augen anderer.“ „Wieviel hast du denn bisher zugenommen?“ „Nix.“ „Okay…..“ und dann ist sie durch den Laden gewuselt und hat von jedem Ständer was runtergenommen und gesagt „du gehst in die Garderobe und ich häng dir die Sachen einfach rein.“ Sehr gut. Alleine in einem Geschäft zu sein zahlt sich aus. Salar nahm mit einem Grinsen am Sofa Platz und ich fing mit der Modenschau an. Preislich lagen die ganzen Teile überraschender Weise unter meiner Vorstellung und somit wechselten mehrere Kleider – auch von Mamalicious – den Besitzer und ich war in meinem Leben noch nie glücklicher und noch nie erstaunter, Kleider gekauft zu haben, die ich sogar nach dem Exodus des Küken noch tragen können werde.

Dennoch. The struggle stays real.

Wenn man nämlich bei 25+ Graden und Sonnenschein einkaufen geht und eine Frühjahr-Sommer-Schwangere ist, vergisst man nämlich ein wichtiges Kleidungsstück komplett: die Jacke.

Wurscht, dachte ich. Wir fahren eh nach Regensburg, da wirds ja wohl ein Umstandsmodengeschäft geben. Hahahahahahahahahahahahahaha! Manchmal bin ich schon sehr einfältig. Google, mein bester Freund in vermeintlich allen Lebenslagen, hat gestern auf mich geschissen. „Umstandsmode Regenburg“ und diverse andere Suchbegriffe führten nur zu „ähnlichen Treffern“…. LOL. Dann auf Seite drei ein Hoffnungsschimmer – ein Forumseintrag aus dem Jahr 2007 in dem ein Geschäft genannt wird. Das habe ich dann auch gegoogled und es spuckte Öffnungszeiten, Adresse und eine Telefonnummer aus…. dennoch, irgendwie blieb ich stutzig… Immerhin lieferte ja meine ursprüngliche Suche nur „ähnliche Ergebnisse“. Deshalb habe ich nach einem halben Jahr mal wieder mein Festnetztelefon verwendet und die angegebene Nummer angerufen. „Diese Nummer ist nicht vergeben.“ Salar lachte sich deppert. Ich: „Germany really has a problem with Digitalisierung. They don’t know how to use it – AT ALL.“ Salar: „Maybe it is like with the Scheiß-Telekom – 2 Jahres Abonnement. If you don’t quit it in the right second it stays on for another two years.“

Ich hasse es online Kleidung zu kaufen, da ich dieses Zurückschicken von nicht passendem urmühsam finde.

Also habe ich auch weiterhin keine Jacke die ich vorne schließen könnte – und auch kein Jackerl. Hätte ich vor drei Jahren ahnen können , dass ich mal eine Matroshka sein werde, ich hätte mir so eine bescheuert aussehende Übergrößen-simulierende Weste gekauft.