Lang lebe Österreich!

Über die deutsche Bürokratie habe ich hier ja schon häufig geschrieben – über die österreichische wenn überhaupt, dann nur im Vergleich.

Das ändert sich mit heute!

Letzte Woche, kurz vor der Eheschließung, habe ich mir gedacht, ich rufe aus Jux und Tollerei in Schärding auf der Bezirkshauptmannschaft an und frag mal welche Papiere sie zwecks Ausstellung der Ausweise fürs Baby + Staatsbürgerschaftsnachweis benötigen.

„De Ausweise kriagns bei uns. Owa für de Stootsbürgerschoft miassns nauch Münchn aufs Konsulat, des kaun eana in Österreich kana schreim.“

LOL. Are you fucking kidding me?!

Also beim Konsulat angerufen und einen wirklich netten Typen drangehabt der auf die Homepage der Botschaft verwiesen hat und meinte ich soll gleich alles in Muc machen – das geht schneller.

Heute war unser Termin für Pässe, Ausweise und den Nachweis. Ich brauche ja auch alles neu wegen der Namensänderung.

Die letzten Tage habe ich damit verbracht alle Dokumente zusammenzutragen, zu kopieren, neuausstellen zu lassen (Meldebescheinigung mit Familienstand und Staatsbürgerschaft).

Tagelang war mir jetzt unwohl ob wir auch wirklich an ALLES gedacht und jedes Formular ausgefüllt haben.

Ich war gestresst und nervös und völlig fix und foxi.

Heute in München war ich – nun ich kann es nicht anders formulieren – erstaunt. Ich hatte alle Papiere, die benötigt wurden, dabei. Es gab nur ein klitzekleines Problem. Die übersetzte Geburtsurkunde des Kindsvaters und Ehemanns wurde leider von der falschen deutschsprachigen Botschaft in Beirut beglaubigt:

„Ui…das könnte eventuell ein Problem werden. Die wurde ja auf der deutschen Botschaft beglaubigt…eventuell brauchen wir die von der österreichischen in Beirut beglaubigt…“

(„Are you kidding?“) „Oh… hm… na dann muss ich wohl den Schwiegerpapa nochmal über die Grenze schicken…(Zeigefinger und Daumen aneinander reibend)“

„Najo, kann auch sein, dass sie Glück haben und der Beamte in Wien schaut nicht so genau…wart ma mal ab. Eventuell schreib ma ihnen wenn mas brauchen.“

„Also kein Pass für mein Kind?“

„Naaaaa. Da brauchens keine Sorgen haben. Den Pass bekommen Sie auch so, das mit dem Nachweis könnt je nachdem wie schnell die Kollegen arbeiten wollen bis zu drei, vier Wochen dauern..oder länger.“

(„????“)

„Schauns, ich begleite sie gleich rüber zur Kollegin.“

(Der Papa murmelt mir ins Ohr: „Hab ich das jetzt richtig verstanden?“ – Ich schlug ihn auf den Oberarm damit er aufhört zu fragen und nickte.)

„Wollen Sie in den nächsten 14 Tagen verreisen? Weil so lange kanns dauern mit den Pässen…“

„Nein. Ich müsst mich halt nur hier ausweisen können…. wissens eh Ausweispflicht und so…“

„Ah ja genau…na ich stempel ihnen einfach einen Monat Gültigkeit in den alten… wenns den neuen haben könnens damit machen was sie wollen.“

(Kindsvater zu mir murmelnd:“she is joking, right?“ – Dafür gabs einen Kick und ein Kopfschütteln.)

Als wir aus dem Konsulat draußen waren, konnten wir uns vor lauter Unglauben bis Plattling nicht mehr einkriegen… Pass ja – Staatsbürgerschaft schaun ma mal….

Unter diesen Umständen ist mir jetzt auch sonnenklar warum die Ämter in Deutschland von österreichischen Passinhabern auch den Staatsbürgerschaftsnachweis sehen wollen… ich liebe mein Herkunftsland – so unprätentiös…

Nachtrag: Der syrische Pass meines Göttergattens wurde mit „Oarg, einen syrischen Pass hatte ich noch nicht in den Händen!“ durchs ganze Konsulat durchgereicht. Bei meinem „normalerweise kommens ja ohne“ wußten die anwesenden aber nicht ob sie lachen oder weinen sollten.

Der deutsche Amtsschimmel und seine Sporen

Wenn ich vor einem Jahr gewußt hätte, dass mein größter Themenblock die Bürokratie umfassen würde, wäre die heutige Überschrift mein Blogname geworden.

Nachdem ich mich auf der wichtigsten Homepage für alles was man von einem österreichischen Amt benötigen könnte, darüber informiert habe was man so als neugeborene Auslandsösterreicherin für die Passerstausstellung braucht, habe ich es gewagt beim Meldeamt in Passau anzurufen.

Nach 25 Minuten und beim 4. Anruf – dreimal läutete es bis zu „der angerufene Teilnehmer ist momentan nicht verfügbar“ durch – hob eine tatsächlich kompetente Dame ab, die mich und mein Kind im Computer fand und meinte, um eine Meldebescheinigung fürs Küken zu erhalten, reiche es aus mit meinem Ausweis vorbeizukommen und ja, das ginge auch in der Dependance an der Peripherie.

Da in unserem Wohnhaus noch immer gebohrt und gehämmert wird, nutzte ich den Krach und das schöne Wetter für einen kleinen Ausflug mit Kinderwagen zum Amt.

Zehn Minuten und zwei Wartenummern später waren wir auch schon dran. Man stelle sich das Büro vor wie eine Sportstätte – am Rand sitzen die Beamten wie entnervte „Fans“ der ewigen Losermannschaft die schon wieder tut was sie am besten kann, nämlich verlieren, man selbst kommt gerade nach der Halbzeit als Spieler wieder am Platz. Ich habe meinen größten Fan mit der Platznummer sechs gleich entdeckt – einer mit Beisitzer. „Juhuu Einschulung,“ dachte ich und bemühte mich der Sachlage offen gegenüber zu sein.

„Hallo. Ich benötige eine Meldebescheinigung für meine in Passau geborene Tochter,“ sagte ich und übergab meinen Reisepass.

„Sie meinen Geburtsurkunde?“ fragten die zwei.

„Äh. Nein. Eine Meldebescheinigung.“

„Aber sie sind Österreicherin.“

„Ist das ein Problem für sie? Soweit ich weiß, darf ich innerhalb der EU wohnen wo ich möchte.“

„Ja aber ihre Tochter wurde in Passau geboren?“

„Und seit diesem Moment vor knapp sechs Wochen hat sie die Stadt auch noch nicht verlassen.“

„Na dann brauchen sie eine Geburtsurkunde.“

„Noch einmal: Ich benötige eine Meldebescheinigung. Ihre Kollegin am Telefon meinte, ich müsse „einfach nur meinen Ausweis vorlegen“. Wollens ned vielleicht amoi Daten daraus eintippen und wir spoan uns de Diskussion?“

„Ah jo.“

Tipp, tipp, tipp.

„Ich find Sie nicht.“

„Dann gehe ich davon aus, dass sie sich vertippt haben. Löschens die Felder und gebens alles nochmal ein.“

Beide Weiber starren mich an. Die Ältere blickt der Jüngeren über die Schulter.

„Die Frau hat Recht. Du hast sie 10 Jahre jünger gemacht.“

„Ahso. Hihihi.“

„xxxstraße? San des Sie?“

„Davon gehe ich aus.“ (Manchmal glaub ich echt die Ämter in Passau gehören alle der Versteckten Kamera.)

„Und wozu brauchen Sie jetzt eine Meldebescheinigung?“

Ab dieser Stelle war ich mir zu hundert Prozent sicher, dass man mir hier geistig nicht folgen kann und ich drehte richtig auf:

„Erstens möchte ich eine Bestätigung darüber, dass meine Tochter hier gemeldet ist, nicht dass das hier verschludert wurde, was man sich ja ganz gut vorstellen kann, wenn man hier als Partei erscheint. Und zweitens benötigt meine Tochter diese um einen Reisepass beantragen zu können – in Österreich.“

„Das Konsulat braucht das nicht.“

„Bitte überschreiten Sie nicht Ihre Kompetenzen, Sie tun sich ja mit Ihrem eigenen Aufgabenbereich schon schwer genug und stellen Sie mir EINFACH DIE MELDEBESCHEINIGUNG aus!“

Die Ältere murmelt zur Jüngeren:

„Eigentlich kostet sowas 5 Euro. Es scheint die Dame hat noch keine. Die Erstausstellung ist gratis.“

„Was soll ich draufschreiben?“

„Was meinens jetzt damit?“

„Na für wen?“

„Für meine Tochter?!? Es tut mir Leid. aber ich kann ihrer Frage gerade nicht folgen.“

„Für wen brauchens die?“

„Hab ich schon erklärt. Der Einfachheit halber schreibens bitte: Zur Vorlage bei den österreichischen Behörden.“

Als ich endlich wieder Tageslicht erblicken durfte, war ich mir nicht mehr sicher ob es sich um eine Einschulung, einen Probetag oder ein Amtsenthebungsverfahren gehandelt hatte und ob für die ältere oder die jüngere.

Ich bin jetzt auch schon schwer am Überlegen ob ich zu meiner Hochzeit in zwei Wochen nicht mit Gopro am Kopf auftauchen sollte um das alles mehr oder weniger heimlich mitzufilmen (ich gehe nämlich davon aus, dass die hier die cam für einen extravaganten Kopfschmuck halten würden). Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass die Eheschließung ohne Diskussion und ohne Fehler ablaufen wird und dabei denke ich gar nicht so sehr an meine Familie.

Am Standesamt….

Wir haben die Vaterschaft am Standesamt beglaubigen lassen und herausgefunden, dass wenn man als Syrer einen syrischen Pass hat, alles totaaaaal easy ist – während man als Österreicherin gefragt wird

-„und wo ist der Staatsbürgerschaftsnachweis?“

-„Bitte da steht: Nationalität:Österreich. Ein Reisepass ist ein Staatsbürgerschaftsnachweis, sonst bräucht ich den ja gar nicht!!“

-„Na von Ihnen brauchen wir schon das Original.“

-„Ich schwör bei Gott, dass ist ein original österreichisher Reisepass! Und dass ich die Mutter von der Kleinen sein werde, wird wohl auch klar sein, bei dem Bauch – bei der Hitze steck ich mir kein Kissen rein.“

– „Na haben’s einen Staatsbürgerschaftsnachweis daheim?“

-„Sicher, allerdings von 1995. Da habe ich das erste Mal einen Reisepass beantragt.“

-„Dann schicken’s mir davon ein Foto.“

-„Okidoki.“

-„Herr S, keine Angst, mit IHREN Dokumenten ist alles in Ordnung!“

WHAT THE FUCK. Ich hab mich natürlich schon gefreut dass in Zeiten der BAMF Skandale ein Beamter gleich sagt, es passt alles mit den syrischen Dokumenten. Aber ein bisserl diskriminiert hab ich mich ob der Entfernung von 500 Meter Luftlinie zu meinem Heimatland schon gefühlt und ausserdem hat mich Herr S schon ein bisserl eingebildet angegrinst. I man I tram.

Dann gings ums Sorgerecht, das ich geteilt haben möchte, weil ich nicht will, dass mein Kind ohne Vater aufwächst wenn mir was passieren sollte. Hashtag Asylant, Hashtag österreichisches Kind in Deutschland, Hashtag wer weiß was meiner Familie im Anlassfall einfällt.

-„Na I würd des ned teilen, an Ihrer Stelle. Des könnens nie wieder aufheben – wissen’S wenn Die sich trennen wolln’S des vielleicht ned.“

– „Ungeachtet dessen was in Deutschland so abgeht bei Trennungen, wächst mein Kind nicht ohne Vater auf und damit basta.“

-„Na wartens doch mal ab.“

-„Worauf? Dass es zu spät ist? Ausserdem würden wir ja sowieso heiraten wenn das gehen würde. Zu dem Ring gehört ein zweiter.“ Grinser ausgepackt.

-„Na sie können ja eh heiraten… Er gilt ja eh als Deutscher, vom Recht her.“

-„Ahsooooo? Und was ist mit dem Nachweis, dass er nicht noch 4 Frauen in Syrien hat?“

-„Na des brauch ma nicht, bei dem Pass. Der Herr S unterschreibt uns das dann hier. Von IHNEN brauchen wir allerdings eine Geburtsurkunde, nicht älter als 6 Monate.“

-„Aber so eine Geburtsurkunde läuft doch nicht ab?!?!“

-„Nicht älter als 6 Monate. Und dann könnens einen Termin ausmachen. Herr S. sie bringen dann ihre einfach mit.“

Problem: Herr S hat keine, kann die auch nicht auf der Botschaft beantragen, er ist ja nicht ohne Grund geflüchtet und offiziell weiß ja niemand in Syrien wo er ist.

Egal, meinte Herr S., der Papa kann’s besorgen, und macht die Bakshish-Handbewegung.

-„Jo die muss dann halt von der Botschaft in Damaskus beglaubigt sein.“

Herr S. lacht:

-„Welche Botschaft in Damaskus?“

-„Na die deutsche!“ sag ich Augenzwinkernd.

-„Aber es gibt keine Botschaft in Damaskus.“ sagt Herr S.

-„Na muss ja nicht in Damaskus sein,“ meint der Standesbeamte.

Meine ich:

-„Ahso In Aleppo oder Palmyra oder doch Homs? Wo meinen Sie, dass die ist?“

-„Na ich schau mal nach.“

-„Es gibt keine Botschaft in Syrien. Keine Deutsche, Schwedische, Italienische oder sonst eine,“ meint Herr S. frech.

Der Standesbeamte gutiert Klugscheisserei nicht.

-„Na lass den armen Mann doch mal googeln! Der wird das schon wissen!“

Der Standesbeamte googelt selbstbewusst mit dem Bildschirm in Richtung dummes ausländisches Päärchen gedreht…..

und dann haben Salar und ich ihn schon sehr dumm angegrinst als wir schneller mit lesen fertig waren als er.

-„Ja gut dann eben in Beirut!“

-„Syrer können nicht in den Libanon einreisen.“

-„Nicht?“

-„Nein.“

Dann haben Salar und ich das ganze mal in Englisch bequatscht, weil schneller und nicht das Problem des Standesbeamten und sind zu dem Entschluss gekommen mit ein bisserl Bakshish bringt der Schwiepa das Dokument auch noch ausser Landes und es gibt noch einen Onkel in Beirut.

Da wir an einem Freitag am Amt waren und Freitag in Syrien der Sonntag ist,hat sein Papa an unserem Sonntag die Geburtsurkunde erhalten, am Montag wars übersetzt und am Donnerstag in Beirut. Am Freitag wars auf der Botschaft (die hat am Freitag geöffnet) – Wartezeit 10 Werktage. Mittwochs allerdings kam die Geburtsurkunde wieder retour zum Onkel. Problem: Das syrische Übersetzungsbüro wird von der Botschaft nicht akzeptiert.

Mittlerweile ist sie wieder in Damaskus und der Schwiepa lässt sie bereits von akzeptierter Stelle übersetzen.

Also momentan läufts noch ganz easy.

Ich muss halt noch meine Geburtsurkunde besorgen, aber dafür hab ich noch etwas Zeit.

Geheiratet wird übrigens im ganz ganz kleinen Kreis und in dem Gewand das mir passt und wenns nach mir ginge wär überhaupt niemand anderer anwesend ausser Salar und ich und der Standesbeamte. Aber das kannst ja auch nicht machen…. meine Mutter wär zu tiefst gekränkt. Also werdens dann ganz wenige sein – nicht mehr als 17 insgesamt. Das wird meinem Sparefroh-Papa sicher gefallen und nachher dann zum Mäci auf ein happy meal für jeden.

Beamte sind keine Menschen

Montags bin ich voller Elan und schmerzender Glieder aufgewacht und dachte mir: „Heute kann es nichts schöneres geben als mich anzumelden!“ 

Ich habe in den Wochen vor meinem Umzug zwei Ordner angelegt: einen mit allen Unterlagen, die ich in Wien benötigte und einen mit allen Unterlagen, die ich in Passau benötigen werde. Diese zwei Ordner lagen in der alten Wohnung bis zuletzt am Küchentisch neben der Espressomaschine und waren wirklich die letzten die ich schnappte als wir die Wohnung verließen – um sicher sein zu können, dass sie greifbar sind wenn ich sie brauche. 

Ein paar Tage bevor wir umgezogen sind, habe ich nochmals beim Bürgerservice in Passau angerufen und nachgefragt ob sie die Wohnungsgeberbescheinigung physisch benötigen oder ob es elektronisch – also auf meinem Smartphone – reicht. Man teilte mir mit, elektronisch sei völlig OK.

Frohen Mutes bin ich an diesem sonnigen Montag losgezogen in die Innenstadt. Am Weg zum Rathaus dachte ich mir, wenn ich schon mal hier bin kann ich auch gleich die Jahreskarte für den Bus beantragen. 

– „Grüß Gott,  ich möchte bitte eine Jahreskarte beantragen.“

– „Homma ned.“

-„Auf Ihrer Homepage habe ich eine andere Information erhalten.“

-„Joahreskoartn homma K-A-A-N-E.“

Okay, denke ich mir, probier es anders…

-„Ich würde gerne 12 Monate mit dem Bus fahren ohne jede Fahrt einzeln bezahlen zu müssen – haben sie da was im Angebot?“

-„Wia hom a 12-Monate-ABONNEMENT.“

-„Na wunderbar! Ich glaube das kommt nahe ran an eine Jahreskarte! Ich würde gerne ein 12-Monate-ABONNEMENT beantragen.“

-„Do. Füllens aus. Do sans eh scho knapp draun für November. Heit is da letzte Tog.“

-„Danke, sehr freundlich. Man kann sich nicht aussuchen, wann man umzieht.“

Ich dachte, die größte Hürde wäre geschafft.

Nope.

Rein ins Rathaus. Massive Traube vor der Türe. Nach mir mehr Leute. Dann große Diskussion wer nach wem an der Reihe ist. Ich sag „Wir könnten ja eine Schlange bilden, dann wäre es einfacher.“ Die schauen mich an als wäre ich geistesgestört. Ich: „Sorry, ich bin nicht von hier.“

Endlich. Ich bin dran. Meine Unterlagen in der Hand. Die Wohnungsgeberbescheinigung am Smartphone. 

-„Grüß Gott, ich möchte mich gerne anmelden. Hier sind alle Unterlagen.“

-„Was soll ich damit?“

-„Das weiß ich nicht. Ich würde gerne eine Anmeldung vornehmen lassen.“

-„Jo oba so geht des ned.“

-„Warum? Alle Unterlagen sind da. Ich habe mich mehrfach telefonisch und im Internet erkundigt.“ 

-„Na oba wos is des do?“  und deutet auf mein Telefon.

-„Na die Wohnungsgeberbescheinigung.“

-„Wie stellen Sie sich vor, dass das funktioniert?“

-„Ich denke, sie lesen die Daten ab?!?“

-„Hören Sie, die brauche ich.“

-„Okay, was genau wollen Sie jetzt von mir? Am Telefon hat man mir gesagt, das reicht so aus. Und ich habe HIER IN DIESEM BÜRO angerufen.“

-„Do. Mailnsas mia.“

-„Haben Sie hier W-Lan?“

-„Na.“

-„Wo gibt es denn das nächste W-Lan?“

-„Waß i ned. Mochns es afoch vun dahoam.“

-„Schauns. Ich bin gestern aus Österreich umgezogen. Glauben S‘ im Ernst, dass wir schon ein Internet haben?“

-„No dann druckens es aus.“

-„Ich ergänze um:und den Drucker ausgepackt?“

-„Dann kommens halt wann anders wieder. Sie haben zwei Wochen Zeit.“ 

-„Guter Mann, ich komme aus Österreich, wie Sie meinem Pass entnehmen können. Ich bin seit 5 Tagen offiziell obdachlos. Ich habe von ihrem Arbeitsplatz die Info bekommen es funktioniert so.“

-„Nein. – NÄCHSTER!“

Ich habe das Büro mit einem „Scheiß Piefke!“ verlassen. Sehr lange war ich schon nicht mehr so angefressen wie an dem Tag. 

Am Abend haben wir dann auf gut Glück mein österreichisches W-Lan angesteckt und es funktioniert einwandfrei. 

Am Dienstag hab ich dem Beamten-Heinzi meine Wohnungsgeberbescheinigung gemailt mit der Info diese im Bürgerzentrum Passavia verfügbar zu machen – ums Verrecken wollte ich nicht mehr ins Rathaus zu den Sautrotteln und ausserdem wollte ich auschecken ob das dort auch funktioniert.

– „Grüß Gott. Ich würde mich gerne Anmelden lassen. Hier sind alle meine Unterlagen.“

-„Wo ist die Wohnungsgeberbescheinigung?“

-„Die müssen Sie schon längstens haben, die habe ich heute morgen an Herrn XY gemailt.“

-„Wer ist das?“

-„Ihr Kollege.“

-„Wo?“

-„In der Arbeit.“

-„Kenne ich nicht. So geht das nicht.“

-„Hier ist die Visitenkarte. Also ich denke schon, dass der fürs Rathaus arbeitet.“ (immerhin ist der genausodrauf wie Sie)

-„Na.“

-„Wie bitte?“

-„Bringens mir das im Original.“

-„Das Original ist auf meinem Handy“

-„Na dann drucken S‘ es aus.“

Aus dem Off:

-„San Sie die Frau XY?“

-„Jaaaaaaaa!“

-„Do is wos kumman.“ und bringt ein Fax.

-„Nau do homs no amoi Glück ghabt.“

-„Oder Sie.“

– tipp tipp tipp

-„Können Sie die bitte gleich für meinen Lebensgefährten verfügbar halten? Der kommt in den nächsten Tagen.“

-„Den Zettl kennans mitnehmen. Den brauch I ned.“

WHAAAAAAAT THE FUCK?!?

-„Aha, danke.“ – „Wissen Sie vielleicht ob ich den Meldezettel immer bei mir haben muss? Wegen der Ausweispflicht? Auf dem deutschen Personalausweis steht ja die Adresse…“

-„Weiß ich nicht.“

-„Wissen Sie wer das wissen könnte?“

-„Nein.“

-„Danke.“

OIDA! Da frag ich mich ernsthaft was in deren Jobdescription drinnensteht! Ich meine, wer ist hier in Deutschland erste Ansprechsperson für bürokratische Fragen? Gibt es hier irgendjemanden der sich über den eigenen Tellerrand hinaus interessiert? Kennt hier irgendjemand mehrere Begriffe für ein und das selbe Ding? 

UND: Ich bete zu Gott, dass ich NIE NIE NIE so desinteressiert, einfältig und willenlos werde, wie die Menschen hier sind.