Mein Horror – Lampenkauf

Gestern stand am Plan zu einem Bauhaus zu gehen und dort nach Lampen zu sehen – oh Gott. 

Ich hatte schon weit vor der Zeit bevor wir das Zusammenziehen finalisiert haben, mitgeteilt, dass Lampen kaufen für mich nicht in Frage kommt. Gestern wurde ich damit quasi überrumpelt – mein persönlicher Sexshop sind Baumärkte. Ich liiiiiebe es durch die riesigen Gänge zu schlurfen und all diese Männlichkeit schweren Geräts zu begutachten. Die Gänge die ich aber immer auslasse sind: Farben und Lampen. Es gibt keinen größeren Turn-Off für mich als Beleuchtungsmaterialien.

 Nicht ohne Grund habe ich 4 Jahre lang mit russischen Lustern gelebt – eine nackte Glühbirne ist für mich, nach der Sonne, das einzig wahre Leuchtmittel. Sie enttäuscht einfach nicht. Das Licht wird gleichmäßig verteilt und alle Schatten kommen von den Dingen die herumstehen und nicht von einem schlecht verklebten Lampenschirm oder Spots die man nicht so ausrichten kann wie man sie tatsächlich braucht. 

Lampengeschäfte sind für mich auch absolut unlogisch. Warum zum Teufel brennen  alle verfügbaren Luster? Woher soll ich daher wissen welcher davon das schönste Licht abgibt? Warum ist das Zeug so hoch oben montiert, dass ich nicht nachsehen kann ob das Teil in alle erdenklichen Richtungen so schwenkbar ist, wie ich es eventuell benötige?  Da hat meine andere Hälfte noch gelacht und gemeint ich sei herzig…. LOL

Dann habe ich gesagt, nimm irgendeine Lampe  und ich schau mir zu Hause,wenn sie hängt, an ob mir das Licht taugt, notfalls bringen wir den Scheiß zurück. Da war das Lachen schon verhaltener. 

Gleich nachdem eine Lampe im Einkaufswagen war, habe ich mal so gefragt wie das Teil an die Decke kommt? – Durch bohren!!!!! (War eigentlich klar, ich wollte nur sicher gehen) Ich fing an mit: „Du bohrst aber nicht einfach ein Loch, oder?“ „Wir brauchen ein Loch dafür, hallo?!“ „Na aber du schaust schon vorher ob eventuell da die Leitung liegt?“ – Stille – „Na du bohrst kein Loch einfach so in die Decke, oder?“ – Stille – „Das ist ein Neubau.“ – „Da gibts ja einen Plan wo die Kabel liegen, oder?“ – „Na nicht für uns.“ – Stille – „Wir brauchen so ein Kabelsuchgerät. Und ausserdem brauchen wir eine Bohrmaschine.“ – „Ahso… Schau, die Lampe sieht gut aus.“ – „Die schaut nicht aus als ob sie Licht gibt.“ – „Was ist mit der?“ – „Weiß nicht.“ – „Und die?“ – „Na sicher keine blimblimblim-Neonröhre.“ – „Die machen nicht mehr blimblim – das ist ausserdem LED.“ – „Beweise.“ – „Glaub mir einfach.“ – „Nein,“ – „Und die? Gefällt dir die?“ – „Schaut aus wie in einem Puff.“ – „War ein Scherz.“ – „Haha.“ – „Ich könnt dir jetzt die weltbeste teuerste Lampe überhaupt zeigen und sie würde dir nicht gefallen.“ – „Richtig erkannt.“ – „Ich glaube, ich gehe alleine Lampen kaufen und setze dir einfach welche vor.“ – „Wunderbar.“ 

ICH HASSE LAMPEN KAUFEN! Das kommt sogar noch vor Schuhe kaufen. Ich habe Salar das so erklärt: Würden wir seit 10 Tagen tatsächlich im Finstern sitzen wäre ich eventuell dazu in der Lage eine Lampe zu kaufen – da wir aber durch die ganzen Stehlampen sowieso genügend Licht haben, finde ich keine die passen könnte. Ausserdem sehe ich in den Scheiß-Lampengeschäften sowieso nicht ob die passt. Schuhe kaufe ich auch nur dann wenn ich welche benötige – und das auch nur unter Qualen. Die alten sind IMMER, IMMER, IMMER die besseren. Also das Paar Sneakers, das ich mir 2007 gekauft habe war 10x besser als die, die ich mir dieses Jahr gekauft hätte (letzter Sneakerkauf war 2016, Flipflops habe ich dieses Jahr gekauft – die waren auch nicht so gut wie die aus dem Jahr 2015).

Salar hat 2 Lampen mitgenommen – eine fürs Badezimmer und eine für die Ankleide. Dieses Kabelsuchgerät haben wir auch gekauft.

 Da Salar mir aber nicht glaubte, dass mein 9,90€ Akkuschrauber (hat er bisher nicht gesehen, kannte er nur vom Hörensagen) keine Bohrmaschine ist, wird es wohl noch länger dauern bis die Deckenbeleuchtung angebracht ist. Aber mir gefällts auch so ganz gut. Ist ja auch noch knapp elfeinhalb Stunden hell am Tag hier und so lange keine Stehlampe ausfällt, reicht es auch noch im Dunkeln. 

Beamte sind keine Menschen

Montags bin ich voller Elan und schmerzender Glieder aufgewacht und dachte mir: „Heute kann es nichts schöneres geben als mich anzumelden!“ 

Ich habe in den Wochen vor meinem Umzug zwei Ordner angelegt: einen mit allen Unterlagen, die ich in Wien benötigte und einen mit allen Unterlagen, die ich in Passau benötigen werde. Diese zwei Ordner lagen in der alten Wohnung bis zuletzt am Küchentisch neben der Espressomaschine und waren wirklich die letzten die ich schnappte als wir die Wohnung verließen – um sicher sein zu können, dass sie greifbar sind wenn ich sie brauche. 

Ein paar Tage bevor wir umgezogen sind, habe ich nochmals beim Bürgerservice in Passau angerufen und nachgefragt ob sie die Wohnungsgeberbescheinigung physisch benötigen oder ob es elektronisch – also auf meinem Smartphone – reicht. Man teilte mir mit, elektronisch sei völlig OK.

Frohen Mutes bin ich an diesem sonnigen Montag losgezogen in die Innenstadt. Am Weg zum Rathaus dachte ich mir, wenn ich schon mal hier bin kann ich auch gleich die Jahreskarte für den Bus beantragen. 

– „Grüß Gott,  ich möchte bitte eine Jahreskarte beantragen.“

– „Homma ned.“

-„Auf Ihrer Homepage habe ich eine andere Information erhalten.“

-„Joahreskoartn homma K-A-A-N-E.“

Okay, denke ich mir, probier es anders…

-„Ich würde gerne 12 Monate mit dem Bus fahren ohne jede Fahrt einzeln bezahlen zu müssen – haben sie da was im Angebot?“

-„Wia hom a 12-Monate-ABONNEMENT.“

-„Na wunderbar! Ich glaube das kommt nahe ran an eine Jahreskarte! Ich würde gerne ein 12-Monate-ABONNEMENT beantragen.“

-„Do. Füllens aus. Do sans eh scho knapp draun für November. Heit is da letzte Tog.“

-„Danke, sehr freundlich. Man kann sich nicht aussuchen, wann man umzieht.“

Ich dachte, die größte Hürde wäre geschafft.

Nope.

Rein ins Rathaus. Massive Traube vor der Türe. Nach mir mehr Leute. Dann große Diskussion wer nach wem an der Reihe ist. Ich sag „Wir könnten ja eine Schlange bilden, dann wäre es einfacher.“ Die schauen mich an als wäre ich geistesgestört. Ich: „Sorry, ich bin nicht von hier.“

Endlich. Ich bin dran. Meine Unterlagen in der Hand. Die Wohnungsgeberbescheinigung am Smartphone. 

-„Grüß Gott, ich möchte mich gerne anmelden. Hier sind alle Unterlagen.“

-„Was soll ich damit?“

-„Das weiß ich nicht. Ich würde gerne eine Anmeldung vornehmen lassen.“

-„Jo oba so geht des ned.“

-„Warum? Alle Unterlagen sind da. Ich habe mich mehrfach telefonisch und im Internet erkundigt.“ 

-„Na oba wos is des do?“  und deutet auf mein Telefon.

-„Na die Wohnungsgeberbescheinigung.“

-„Wie stellen Sie sich vor, dass das funktioniert?“

-„Ich denke, sie lesen die Daten ab?!?“

-„Hören Sie, die brauche ich.“

-„Okay, was genau wollen Sie jetzt von mir? Am Telefon hat man mir gesagt, das reicht so aus. Und ich habe HIER IN DIESEM BÜRO angerufen.“

-„Do. Mailnsas mia.“

-„Haben Sie hier W-Lan?“

-„Na.“

-„Wo gibt es denn das nächste W-Lan?“

-„Waß i ned. Mochns es afoch vun dahoam.“

-„Schauns. Ich bin gestern aus Österreich umgezogen. Glauben S‘ im Ernst, dass wir schon ein Internet haben?“

-„No dann druckens es aus.“

-„Ich ergänze um:und den Drucker ausgepackt?“

-„Dann kommens halt wann anders wieder. Sie haben zwei Wochen Zeit.“ 

-„Guter Mann, ich komme aus Österreich, wie Sie meinem Pass entnehmen können. Ich bin seit 5 Tagen offiziell obdachlos. Ich habe von ihrem Arbeitsplatz die Info bekommen es funktioniert so.“

-„Nein. – NÄCHSTER!“

Ich habe das Büro mit einem „Scheiß Piefke!“ verlassen. Sehr lange war ich schon nicht mehr so angefressen wie an dem Tag. 

Am Abend haben wir dann auf gut Glück mein österreichisches W-Lan angesteckt und es funktioniert einwandfrei. 

Am Dienstag hab ich dem Beamten-Heinzi meine Wohnungsgeberbescheinigung gemailt mit der Info diese im Bürgerzentrum Passavia verfügbar zu machen – ums Verrecken wollte ich nicht mehr ins Rathaus zu den Sautrotteln und ausserdem wollte ich auschecken ob das dort auch funktioniert.

– „Grüß Gott. Ich würde mich gerne Anmelden lassen. Hier sind alle meine Unterlagen.“

-„Wo ist die Wohnungsgeberbescheinigung?“

-„Die müssen Sie schon längstens haben, die habe ich heute morgen an Herrn XY gemailt.“

-„Wer ist das?“

-„Ihr Kollege.“

-„Wo?“

-„In der Arbeit.“

-„Kenne ich nicht. So geht das nicht.“

-„Hier ist die Visitenkarte. Also ich denke schon, dass der fürs Rathaus arbeitet.“ (immerhin ist der genausodrauf wie Sie)

-„Na.“

-„Wie bitte?“

-„Bringens mir das im Original.“

-„Das Original ist auf meinem Handy“

-„Na dann drucken S‘ es aus.“

Aus dem Off:

-„San Sie die Frau XY?“

-„Jaaaaaaaa!“

-„Do is wos kumman.“ und bringt ein Fax.

-„Nau do homs no amoi Glück ghabt.“

-„Oder Sie.“

– tipp tipp tipp

-„Können Sie die bitte gleich für meinen Lebensgefährten verfügbar halten? Der kommt in den nächsten Tagen.“

-„Den Zettl kennans mitnehmen. Den brauch I ned.“

WHAAAAAAAT THE FUCK?!?

-„Aha, danke.“ – „Wissen Sie vielleicht ob ich den Meldezettel immer bei mir haben muss? Wegen der Ausweispflicht? Auf dem deutschen Personalausweis steht ja die Adresse…“

-„Weiß ich nicht.“

-„Wissen Sie wer das wissen könnte?“

-„Nein.“

-„Danke.“

OIDA! Da frag ich mich ernsthaft was in deren Jobdescription drinnensteht! Ich meine, wer ist hier in Deutschland erste Ansprechsperson für bürokratische Fragen? Gibt es hier irgendjemanden der sich über den eigenen Tellerrand hinaus interessiert? Kennt hier irgendjemand mehrere Begriffe für ein und das selbe Ding? 

UND: Ich bete zu Gott, dass ich NIE NIE NIE so desinteressiert, einfältig und willenlos werde, wie die Menschen hier sind. 

Die erste Woche in der neuen Heimat

Unser Motto der ersten Woche war frei nach Mutti Merkel: Wir schaffen das!

Am Montag haben wir am Abend die Couch, den Kühlschrank und den TV ausgeladen, was für mich persönlich null Sinn machte – Salars Plan war aber die schweren Sachen auszuladen damit ich dann die leichten Dinge alleine ausladen kann am Dienstag. Couch und TV wurden auch gleich aufgebaut, dann noch das Bett. Ich bin recht schnell draufgekommen, dass die Küche nicht wirklich viel Stauraum aber dafür um so mehr Platz bietet. Also habe ich ein Bücherregal zum Gewürzregal umfunktioniert und noch eine Kiste „Bücher für den Keller“ angelegt. Am Dienstag haben wir am Morgen gleich mal ein bissi ausgeladen – den Tisch und die Stühle und den Tisch auch gleich aufgebaut. Tagsüber habe ich immer mal wieder was aus dem Auto mitgehenlassen wenn ich eine rauchen war oder vom Einkaufen gekommen bin. Am Abend hatten wir am Gang kein Licht, somit wurde nicht weiter ausgeladen und Salar hat wieder den Schachtelwirt vorgeschlagen, aber ich hatte die Schnauze echt voll von den Grindburgern und habe das erste Mal in der neuen Wohnung gekocht. Hendlschnitzel in Schlagoberssauce und Reis. Den Reis hab ich mal gleich zerkocht, aber egal, wir waren so hungrig, dass weniger kauen nur zu unserem Vorteil war. 

Aus meinem Mittwoch-Traum mit Shisha und Backgammon wurde nichts. Mittwochs hatten wir einen Akkordarbeitstag. Salar hatte frei, wir waren um 7 Uhr wach und haben nach dem Frühstück den Transporter in 3 Stunden geleert. Ich muss sagen wir sind ein tolles Team.  Während ich den Transporter retournierte und den Einkauf erledigte hat sich Salar um das „wichtigste“ Möbelstück gekümmert – die TV-Bank. LMFAO. Als ich dann wieder daheim war, war das Möbel noch nicht ganz fertig, weil „eine Rückwand fehlt“ – ich habe zwar schon vor dem Weggehen gesagt, dass es nur eine gibt, aber Salar war da schon durch mit geistigen Aufnahmekapazitäten – verständlich, in den Tagen seit Freitag haben wir beide nicht genug geschlafen und er musste ja auch noch arbeiten gehen. Also haben wir es gemeinsam vervollständigt und ich hab mich dann an die easy-peasy „alle gleich“ Regale aus Schweden gemacht während Salar sich ausruhte. Ein bissi habe ich ihn schon beneidet, weil ich kann das nicht – in einer Baustelle schlafen. Ich kann mich erst ausruhen wenn mein Tagessoll erfüllt ist und das habe ich mir doch recht hoch gesteckt in den letzten Tagen. Am Donnerstag haben wir zwei Schränke für die Ankleide und den Schreibtisch aufgebaut, am Freitag dann die letzten zwei Möbelstücke. Am Samstag habe ich alles eingeräumt was zum Einräumen geht. Es stehen keine Kisten herum, alles hat einen Platz. Mittlerweile haben wir auch schon drei Mal Wäsche gewaschen und jeden Tag wird gekocht.  Sonntag wurde endlich, endlich mal nichts gemacht – ausser der Fernseher programmiert. Salar hat den ganzen Tag geschlafen und ich eigentlich auch. 

Und unsere Terrasse wurde in dieser Woche auch fertig! 😊 Irgendwie auch ein kleinwenig schade, ich habe dem Baggermann so gerne zugesehen – schon bewundernswert was die mit einer Schaufel so drauf haben. Damit kann man soviel mehr machen als nur graben! Das war mir gar nicht bewusst – wann hat man denn auch schon direkt vor dem eigenen Panoramafenster eine Baustelle und ist immer daheim um das feststellen zu können… 

Für Montag steht am Plan Lampen und ettlichen Kleinscheiß zu kaufen, den wir in unserem Auseinanderleben nicht benötigten, von dem wir nie geglaubt haben, dass sich dessen Anschaffung lohnt, aber jetzt für ganz sinnvoll halten (Aschenbecher für die Terrasse, diese Filzaufkleber für Möbelbeine, Zahnbürstenhalterung,…).

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich noch hier und da etwas optimieren, wir werden uns einen Waschmaschinenoberschrank zulegen… aber sonst kann ich sagen: WIR HABEN FERTIG. 

UND: Ich war ja immer ein strikter Gegner von Vorhängen – braucht man im vierten Stock ohne vis à vis Nachbarn ja auch nicht. Aber jetzt, teilerdgeschossig mit Panoramafenster, sag ich JA zu einem Vorhang. Nicht jeder der beim Diskonter auf der anderen Straßenseite parkt muss sehen was wir so auf der Couch treiben. Entweder werde ich jetzt gerade alt, erwachsen oder gschamig.

Der Umzug – Tag 3: Waschmaschine holen, Fahrt nach Passau, 2. Wohnung ausräumen, Abendprogramm

Sonntagmorgen um 7 Uhr dachte ich, der größte Teil wäre geschafft – in Retrospektive denke ich mir, wie kann man nur so naiv sein?!

Wir hatten einen engen Zeitplan – um 9:30 Uhr würde meine Vermieterin kommen und die Wohnung abnehmen. Also waren wir ratzfatz beim Frühstücksbuffet mit unseren bereits gepackten Taschen und haben kräftig zugelangt. Ziel war es um 8 Uhr in der Wohnung zu sein und sie fertig zu machen. Es musste der Kleinscheiß ins Auto, die obersten Fenster geputzt und die Wohnung besenrein gemacht werden. 

Während Salar die Fenster putzte, habe ich zusammengekehrt und dabei entdeckt dass sich ein Pfosten von meinem gschissenen Bett mit dem Parkettboden vereinigt hatte – es war unmöglich das zu übersehen…. also musste ich das auch noch beseitigen – ich wollte ja meine Kaution retour. Salar hat in der Zwischenzeit das Klumpert ins Auto verfrachtet. Dann habe ich noch das Bad geputzt. 

Um 9:25 waren wir mit allem fertig und ich wollte noch eine rauchen. Schmecks. In dem Moment wo die Zigarette im Mund war, läutete auch schon die Vermieterin. Auf der einen Seite freute ich mich, dass sie pünktlich war – auf der anderen hätte ich gerne noch eine geraucht. Wurscht. Zackizacki habe ich die Wohnung retourniert und hab mir schriftlich geben lassen, dass dies ordnungsgemäß passiert ist. Um 10 Uhr kamen die Nachmieter und wir haben uns gegenseitig den Zählerstand von Gas und Strom bestätigt – zum Ab- und Anmelden. 

Wir waren im Zeitplan, ich konnte noch eine rauchen und wir sind zu meinem Vater gefahren. Salar und mein Papa kannten sich noch nicht und ich habr beiden schon vorher erklärt, dass es keine Zeit zum Kennenlernen geben wird, wir stehen unter Zeitdruck. Meinem Papa war das Recht, er hatte sowieso „Tag der offenen Gallerietür“. Also kurz Hallo und Pfiati gesagt, Waschmaschine abmontiert und mit den Nachtkastln verladen. 

Ich freute mich so sehr als wir, noch immer voll im Zeitplan, endlich am Weg waren. 

Während der Fahrt beschlossen wir aufs Geld zu scheißen und den Transporter bis Mittwoch zu behalten, denn wir hatten keine Lust mehr den auszuräumen, ausserdem mussten wir ja noch Salars Sachen holen und seine Wohnung übergeben und Salar musste am Montag auch um 6:30 Uhr zu arbeiten beginnen. 

Als wir bei der Grenze ankamen, haben wir uns brav in die „>2.5 Tonnen-Spur“ eingeordnet:

Ich zu Polizist: „ Wo darf ich mich zur Kontrolle hinstellen?“

Polizist: „Fahren Sie weiter.“

Ich: „Aber wir haben alles so gut gesichert! Wollen Sie wirklich nicht mal reinschauen?“

Polizist: „Bitte! Fahren Sie einfach weiter!“

Ich muss zugeben, ich war enttäuscht.

Kaum waren wir durch, hab ich auf die Rückwand der Fahrerkabine geklopft und geschrien: „You can breath now! Welcome to Germany!“ Salar hat Tränen gelacht.
Ratzfatz waren wir bei unserer neuen Wohnung. Salar schrieb eine SMS an seinen Vermieter dass Sie um 19:30 kommen sollen. Salar hat sich ausgerechnet, dass wir eine Stunde Zeit zur Teilentladung haben und dann in seine Wohnung müssen. Im Akkord haben wir ausgeladen und sind weiter. Jetzt war das Zeug natürlich nur noch halb so gut gesichert – egal. 

In Salars Wohnung haben wir einfach nicht mehr gedacht, sondern nur noch funktioniert. Jedes Teil wurde so wie es war eingepackt und eingeladen – somit haben wir die Kaffeemaschine inklusive Wasser umgesiedelt – das Wasser schaffte es allerdings nicht ganz bis in die neue Wohnung 😉.

Den Kleiderkasten, das Regal und den Tisch haben wir zusammengebaut eingeladen – zur Stabilisierung der 1000 Kleinteile darunter. Drei Stühle hätten auch noch mitmüssen – Salar wollte sie einladen, ich habe mich durchgesetzt und wir haben sie entsorgt – Sonntag 18:45 in Passau ist kein Mensch mehr unterwegs. In diesem Fall war das recht praktisch.

Um 19 Uhr waren wir fertig – inklusive putzen. Dann sind wir 30 Minuten herumgehangen – ohne Sitzmöglichkeit.
Dann kamen der Vermieter und die Nachmieter gleichzeitig pünktlich an und nach 10 Minuten waren wir unterwegs in die neue Wohnung. 

Während Salar sich um das Porzellan meiner Oma und die Beleuchtung der Wohnung kümmerte – die Lade mit den Lampen und Verlängerungskabeln war bei den ersten Dingen dabei, die wir ausgeladen haben – natürlich war das kein Zufall – bin ich zum Schachtelwirt und habe einfach mal alles ohne Speck von der Speisekarte doppelt bestellt. Ich schwöre, noch nie waren lätscherte Burger und ungesalzene Pommes so lecker wie an diesem Abend. 

Natürlich haben wir das Bett nicht mehr aufgestellt, sondern sind einfach auf die entrollte Matratze gefallen und sofort eingeschlafen.

Noch drei Tage – eigentlich sind es nur noch zwei

und heute hatte ich eine Offenbarung. Jedes Brett und jede Kiste werde ich noch mindestens acht Mal in der Hand haben und zwar an zwei aufeinander folgenden Tagen – ohne Aufbau. Zuerst muss der Krempel von der Wohnung zum Lift, dann in den Lift, aus dem Lift, vor das Eingangstor, in den Transporter, aus dem Transporter, vor den Lift, aus dem Lift, in die Wohnung. Und das sind schon neun Mal – wenigstens sind wir hierbei zu zweit. Und dann an zwei weiteren Tagen habe ich jedes Brett noch ein paar Mal in der Hand bis es aufgebaut und am richtigen Platz ist. OH. MEIN. GOTT.  Aufbauen werde ich wohl zum größten Teil alleine, da Salar jetzt 40h arbeitet und natürlich nicht so viel Freizeit hat und da möchte ich ihn dann nicht auch noch Möbel zusammenbauen lassen.

Da ich mich ja ganz gut kenne und seit ein paar Jahren immer mehr der Aszendent Jungfrau durchkommt in meinem Zwilling, weiß ich, dass mich mittlerweile nichts mehr stört als Unvollendetes – meine Mama, die hier ja auch mitliest, denkt sich jetzt sicher „diese Seite kenn ich gar nicht.“ – ja, Mama, so ist es tatsächlich. 

In meiner Wohnung herrscht das Chaos wie so ein kleiner Diktator. Tagsüber sammeln sich x unvollendete Baustellen, weil ich, sobald ich einen Raum verlasse um aus einem anderen was zu holen, dort sofort was entdecke was auch noch gemacht gehört und dann fange ich an dort herumzufuhrwerken. Am Abend wenn ich dann schlafen gehen möchte, seh ich das Chaos in jedem einzelnen Raum (Schlafzimmer am einen Ende der Wohnung, Badezimmer am anderen) und dann beende ich alle Arbeiten, die ich tagsüber begonnen habe. Fürchterlich. Aber wenigstens gehe ich dann zufrieden ins Bett. Ja, ich habe schon probiert mich auf ein Ding nach dem anderen zu konzentrieren, aber das macht mich wahnsinnig, weil ich dann beim Beenden der einen Arbeit vergessen habe was ich machen wollte und dann was anderes tu und dann fällt mir am Abend im Bett ein was ich eigentlich angehen wollte und mach das dann noch im Pyjama und ohne Kontaktlinsen. Das finde ich noch viel schlimmer als die Baustellen. Deshalb fange  ich mit dem „ich gehe jetzt schlafen“-Prozess auch schon um 20 Uhr an, damit ich um 23 Uhr im Bett bin.

Achja, ich bin wie geplant schon wieder so halbwegs gesund und denke, dass ich nur noch huste weil ich soviel Staub aufwirble.

Am liebsten hätte ich jetzt einen Zeitsprung zum Ende der nächsten Woche. 

„Freust du dich noch oder bist du schon nervös?“

Das scheint die Frage zu sein, die meine Umwelt am meisten beschäftigt. Fast täglich werde ich genau so oder so ähnlich nach meinem Gemütszustand gefragt. Und jedes Mal wenn ich antworte „Mir dauert es zu lange. Es könnte schon der 13. sein.“ werde ich verdutzt angesehen. Und ich frage mich wieso glauben alle ich müsste nervös sein und vor allem wovor? Wenn ich die Fragenden danach frage, bekomme ich als Antwort alle möglichen Variationen von „Naja, zusammenziehen ist halt schon ein großer Schritt.“ Ist es das?

Für mich ist Zusammenziehen eine logische Konsequenz wenn man sich liebt. Wir ziehen nicht aus finanziellen Gründen zusammen oder weil wir nicht alleine leben können oder aus sonst irgendeinem Grund. Salar und ich ziehen zusammen weil wir uns lieben, respektieren und endlich ein gemeinsames Leben führen wollen. Also wovor sollten wir nervös sein und wovor haben andere Menschen Angst wenn sie mit ihrem Partner (!) zusammenziehen?

Da Salar genauso gefragt wird, haben wir uns ein Abendtelefonat lang damit beschäftigt und konnten uns keinen Reim darauf machen.

Ich habe schon vor einigen Jahren mit einem Mann zusammengelebt und damals war ich auch nicht nervös. Ich wußte von Anfang an, dass ich es nicht wollte – wir kannten uns gerade knapp ein Jahr und in der gesamten Beziehung wurden immer einseitig Beschlüsse gefasst und ich habe es geduldet.  Nach acht Monaten habe ich diesen Mann vor die Türe gesetzt und nie wieder etwas von ihm gehört (nachdem er vier Monate gebraucht hat um seinen Krempel abzuholen). Halleluja. Das einzige Mal als ich in dieser Beziehung nervös wurde, war als ich mich gefragt habe, ob ich sein Zeug einfach verbrennen sollte, sollte er es nicht bald abholen, und wo ich das machen könnte, da der Innenhof im Haus meines Vaters nicht der geeignete Platz gewesen wäre.

Ich habe eine geistige Liste von Sachen die mich nervös machen angelegt und bin zu der Feststellung gekommen, dass ich doch einen sehr nervösen Charakter habe.

Hier ist die definitiv unvollständige Version:

  • zu viele Menschen auf engem Raum
  • Körperfunktionen die nicht so sind wie immer
  • ein Knacksen in der Wohnung das ich nicht verursacht habe und auch sonst niemand anwesend sein sollte der dafür verantwortlich sein könnte
  • Post – egal ob elektronisch oder physisch.
  • Behördentermine
  • auf jemanden warten müssen, der nicht erreichbar ist.

Das einzige wovon ich in meinem Leben wirklich überzeugt bin, ist, dass der Entschluss mit Salar zusammenzuziehen der beste ist den ich je getroffen habe.

Seitdem das feststeht und ich hier Wohnung und Job gekündigt habe (Entschluss am Abend, Kündigung am nächsten Tag), läuft für uns alles wie am Schnürchen und wir können unser Glück kaum fassen. Das Universum unterstützt uns wo es kann. Ich habe nicht gedacht, dass ich – bei 3 geschriebenen Bewerbungen – beim ersten Vorstellungsgespräch sofort eine Zusage erhalte (und mit sofort meine ich „Können Sie nicht gleich anfangen, so Leute wie sie benötigen wir hier?!“ in der Mitte des Gesprächs) und bei 10 angeschriebenen Wohnungsinseraten, 4 Antworten und Besichtigungen eine Zusage bekommen (schon gar nicht in Deutschland, wo so viel von Interessenten erwartet wird) und die für eine Wohnung, die alles hat was wir uns gewünscht haben – wirklich alles.

Wir haben auch nicht geglaubt, dass Salar einen Job finden wird bis zu unserem day zero – und auch das hat funktioniert – beim 2. Vorstellungsgespräch. Auch glaubten wir nicht daran, dass Salar’s Wohnung einen Nachmieter innerhalb seiner dreimonatigen Kündigungsfrist (die haben wir erst gekündigt nachdem wir den Mietvertrag für die neue unterschrieben haben) finden wird – und auch das ist passiert.

Da fragen wir uns wirklich: Wovor zum Teufel sollten wir nervös sein?

Anscheinend sind die meisten nervös vor dem Zusammenleben an sich – für uns unerklärlich. Wir haben zwei Jahre lang jeden Abend mindestens 2 Stunden telefoniert, wir haben voreinander unsere Seele ausgebreitet wie einen Teppich. Ich wage zu behaupten, dass kein Freund und kein Familienmitglied so viel von einem von uns weiß wie der andere. Wir kennen unsere Unsicherheiten, unsere Sicherheiten, unsere Nervositäten, unsere Kuriositäten, unsere Leidenschaften, unsere Bequemlichkeiten und unsere Unbequemlichkeiten, unsere Vorlieben und was wir nicht so gerne leiden können, unseren (schwarzen) Humor und seine Grenzen, unsere kulturellen Gemeinsamkeiten und Eigenheiten, unsere Rituale. Wir wissen wann der andere gut gelaunt ist und wann nicht, wann der andere Ruhe braucht und wann Zeit zum Spielen ist, wann wir Hunger haben und wann wir müde sind, wann wir uns gemeinsam oder gegenseitig auf den Arm nehmen können und wann es eher unangebracht ist.

Ich weiß, dass Salar gerne alles technische auseinander nimmt aber eher ungern wieder zusammenbaut (an dieser Stelle einen Gruß and das Fahrrad im Vorraum – ich lasse mich gerne überraschen, gehe aber davon aus, dass wir es in seiner Gesamtheit in Einzelteilen umsiedeln werden). Salar weiß, dass ich gerne obsessiv plane (an dieser Stelle einen Gruß an die noch immer in Perfektion zu planende begehbare Garderobe) und diese Pläne dann genauso obsessiv ausführen möchte. Sollte das Universum auch hier seine Finger im Spiel haben: Wir bräuchten irgendwann mal ein Kind, das obsessiv gerne Dinge zusammenschraubt.

Das Einzige, was wir bisher noch nicht klären konnten, ist die „Schokoladen-Frage“ – ein Beziehungspolitikum… ich sage: wer sie kauft entscheidet über das letzte Stück. Salar sagt: wer das letzte Stück im Mund hat, bekommt es. Ich denke mal, wir werden uns darüber auch noch einig werden 😉

Aber das ist für mich kein Grund nervös zu sein – ich freue mich auf das Abenteuer das vor uns liegt und die schönen Jahrzehnte die wir miteinander teilen werden.

„Wenn es zu schwierig wird, sag einfach du bist Flüchtling.“

Man sollte meinen, ich sei nicht die erste Österreicherin die nach Passau zieht. Sollte man. Wenn es aber danach geht wieviel Personen auf deutschen Ämtern über einen Zuzug aus einem anderen EU-Staat wissen, scheint es so, als wäre ich Pionierin.
Als ich eine Liste von meinem zukünftigen Arbeitgeber erhalten habe, welche Daten er von mir benötigt, war ich schier überwältigt ob des bürokratischen Aufwands der dahinter steckt – und das war ja nicht mal eine „Ausländer-Liste“ sondern die ganz normalen Anforderungen!

Über die Krankenkassensuche habe ich ja schon hier geschrieben. Es wird aber nicht nur nach meinen Versicherungsdaten verlangt, sondern auch nach einer Steuer-Identifikationsnummer… what the heck? Ich habe keine besondere Verbindungen zur Finanz – ausser mit meinem Lohnzettel. Eine Steuernummer haben eigentlich alle in Österreich, aber danach erkundigt man sich nur, wenn man selbst ein Problem mit dem Finanzamt hat oder die eines mit dir haben. Sonst behält man in Österreich eher ein „low profile“ – man fällt hier steuerrechtlich einfach nicht auf, wenn man die Goschen hält (und nie Selbstständig war). Also habe ich mir ein Herz gefasst und beim Finanzamt Passau angerufen.
„Hallo, mein Name ist blablabla und ich ziehe im Oktober von Wien nach Passau. Wie komme ich zu einer Steuer-ID-Nummer?“

„Einen Moment, ich verbinde….“

Nach 5 Minuten in der Schleife komme ich zur selben Dame:

„Wie war ihr Nachname?“

XXX. Sie müssen mich zu X verbinden.“

„Danke“

3 Minuten Schleife.

Finanzamt Passau.“

„Guten Tag, ich ziehe im Oktober von Wien nach Passau. Wie komme ich zu einer Steuer-ID-Nummer?“

„Postleitzahl von Wien?“

„In meinem Fall 1080.“

„Postleitzahlen sind 5-stellig.“

„Nicht in Österreich. Wien ist die Hauptstadt von Österreich.“

Mitarbeiter ins Off: „Du Susi, i hob do a Österreicherin dron, i verbinds da.“

Musik.

„Finanzamt Passau.“

„Guten Tag. Ich werde im Oktober von Österreich nach Passau auswandern. Wie komme ich zu einer Steuer-ID-Nummer?“ (Man lernt ja im Laufe der Warteschleifen dazu.)

„Do mödns eana beim Bürgerbüro o und wia schickens eana automatisch.“

„Herzlichen Dank.“

Für diese Info 3x verbunden zu werden und insgesamt 15 Minuten telefonieren zu müssen lässt den Schluss zu ich sei zumindest die erste Österreicherin die in Passau arbeiten und Steuern abgeben möchte.
Anruf beim Bürgerservice:

„Bürgerbüro Passau.“

„Guten Tag ich werde im Oktober von Wien – Österreich – nach Passau auswandern. Welche Dokumente benötigen Sie zur Anmeldung?“

„Da müssen Sie sich beim Ausländeramt melden.“

„Sind sie sich sicher? Ich bin EU-Staatsbürgerin und kein Flüchtling. Ich habe Freizügigkeitsrecht, ich brauche kein Asyl.“

„Ich kenne mich nicht aus. Ich verbinde Sie zur Kollegin.“

Mitarbeiterin ins Off: „Du i hob do a Österreicherin die meint sie muss ned zum Ausländeramt….i verbinds da.“

„Bürgeramt Passau.“

„Grüß Gott, ich werde meinen Wohnsitz im Oktober von Österreich nach Passau verlegen. Welche Unterlagen benötigen Sie von mir? Ihre Kollegin meinte ich müsse zum Ausländeramt….“

„Nein, müssens nicht. Wir benötigen die Abmeldebescheinigung aus Österreich, einen Ausweis und die Wohnungsgeberbescheinigung.“

„Also bis auf die Abmeldung alles gleich wie bei einem Deutschen?“

„Ja.“

„Danke.“

Ich bin mir da schon so vorgekommen wie Asterix und Obelix bei ihrem Versuch Passierschein A38 zu erhalten.

In Vergleich zu Österreich kommt man in Deutschland relativ schwer zu Antworten und Informationen – trotz gemeinsamer Sprache. Ich bin schon sehr stolz auf jeden der dort nicht Deutsch spricht und trotzdem alles richtig macht.

In Österreich habe ich natürlich auch einige Ämter angerufen und die Informationen die ich benötigt habe sofort von der ersten Person erhalten, die abgehoben hat.

Vielleicht ist der Tipp von meinem Vater – siehe Überschrift – gar nicht mal so deppert…. und ich sollte wirklich weniger Deutsch und mehr Englisch sprechen oder eben auf Arabisch fluchen – das kann ich schon. Wobei Englisch und Arabisch laut deutscher Schulbildung vom Verständnis her ziemlich nahe bei einander liegen.