10 Dinge, die ich bei Schwangerschaft 2.0 anders machen werde

Jetzt ist meine Erstpressung gerade mal drei Wochen alt und ich denke schon über wieder schwanger werden nach. Ha! Das tat ich schon im Kreißsaal! Als die PDA endlich wirkte (ich erzähl die Horrorstory dazu nicht) musste ich dem zweiten Anästhesisten (der erste gab auf) versprechen im nächsten Jahr wieder zu kommen, damit er mir zeigen kann, dass man auch ohne Qualen schmerzfrei werden kann. Außerdem werde ich ja auch nicht jünger.

Seither sehe ich überall optimierungsbedarf:

1. Ich werde die SS 2.0 mehr genießen. Bei dieser hatte ich viel zu viel Angst vor allem und war so extrem unsicher.

2. Ich werde einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen. Der Crash-Kurs „meiner“ Hebamme zwischen den Wehen war super und a la minute aber nun interessiert es mich doch ein bisschen mehr.

3. Ich werde tatsächlich vorkochen fürs Wochenbett 2.0. In den letzten drei Wochen war der Papa schon sehr häufig beim Fastfood-Restaurant und auch jeder Lieferdienst kennt uns hier mittlerweile. Das geht ins Geld.

4. Die Tasche fürs Krankenhaus wird ein Täschchen: ein paar Nachthemden, warme Socken, Shampoo, Duschgel, Zahnpasta, -bürste, Ladekabel, Flipflops, Schokolade. Ende. Mehr habe ich nicht benötigt.

5. Ich werde im Wochenbett tatsächlich nichts anderes machen als im Bett bleiben. In der ersten Woche musste ich so viele Ämter heimsuchen und Besorgungen machen, das hat mich – obwohl top vorbereitet – ziemlich geschlaucht und war auch körperlich nicht gut (Blutung stoppte, starke Schmerzen, Fieber > zurück ins Krankenhaus). Jetzt liege ich tatsächlich nur herum, kuschel und kümmere mich ums Küken und mich und es geht allen besser.

6. Ich werde darauf bestehen, dass der Papa zumindest eine Woche frei hat. Sofort alleine zu sein ist wirklich eine Herausforderung.

7. Keine Besuche in den ersten drei Wochen. Ich habe mich über jeden Besuch sehr gefreut und sie auch genossen – aber rückblickend waren sie zu viel.

8. Ich werde mich mit squats vorbereiten. Ich habe total unterschätzt wie oft ich ohne freier Hand von Sitzgelegenheiten aufstehen muss. Das geht ganz schön in die Oberschenkel.

9. Ich werde von Anfang an daran denken, dass nur eine ausgeglichene Frau eine ausgeglichene Mutter sein kann. Die Betonung liegt auf Frau. Denn ich muss gestehen, ich vergesse noch immer hin und wieder, dass ich genauso wichtig bin wie mein Baby.

10. Wir werden von Anfang an Stoffwindeln verwenden. Diese Müllberge sind irre.

Zu guter Letzt ein Bonuspunkt: Sechs Wochen auf diverse wichtige Dinge verzichten zu müssen, über die man davor nicht nachdenkt, bringen mich zu der Überzeugung man kann während der Schwangerschaft nicht genug schwimmen, Vollbäder nehmen oder Sex haben. 😁

Des Babys neue Wohnung

Vor kurzem sah ich im Mittags-TV eine Reportage darüber, wieviel Geld Erstlingseltern für die Babyausstattung ausgeben – oder salopper formuliert, rausschmeißen. Ich war etwas entsetzt, habe die ganze Zeit den Kopf geschüttelt und bei jedem Interview mit einer berliner Hipster-Mama mit Markenkinderwagen laut aufgelacht. What the fuck. 3000 Euro plus.

Das könnte ich mir gar nicht leisten! Mal abgesehen davon, dass mir der Wunsch danach völlig fehlt.

Auch wenn mir die Hormonumstellung einige Gehirnzellen gekostet hat, meine Fähigkeit rational zu denken, hat keinen Schaden davon getragen.

Meine Herangehensweise an das Thema Erstausstattung war von zwei Fragen beherrscht:

1. Was braucht das Küken?

2. Was brauchen/wollen/wünschen wir?

Definitiv habe ich mich nicht gefragt:

Welche Marke ist besonders hip und wie gebe ich vor anderen Müttern am besten an.

Die erste Frage war recht leicht zu beantworten: Kleidung, einen Schlafplatz und eine Futterstelle.

Die zweite Frage war schon schwieriger zu beantworten. Was will man eigentlich selbst? Hauptsache gesund – ist mir da mal gleich eingefallen. Nur wie stellt man das am besten an? Recherche war nötig: zuerst mal das persönliche Gespräch mit der erfahrendsten aller Mütter, meiner Mutter. Wie hat man das denn früher gehalten? Und dann mit der Lieblings-Co-Preggo mittlerweile -Jungmutti stundenlang telefoniert ob wir denn noch normal wären würden wir soweit gehen oder schon schwer öko. Darauf geschissen was andere denken und die Ökoschiene eingeschlagen: Das Bett soll nicht lackiert sein, die Matratze nicht aus Kunststoff, die Kleidung wenn schon neu dann Baumwolle und möglichst mit Biofarben bedruckt, die Futterstelle ist mir angeboren. Kein Schnuller! Ich habe das Teufelszeug selbst 6 Jahre benutzt und habe das mit 4 Jahren Zahnspange gebüßt. Und das Thema Windeln….. ich möchte Stoffwindeln. Und die sind tatsächlich noch nicht gekauft. Zum einen spekuliere ich damit, die kaum gebrauchten von wem anderen günstig zu erwerben und zum anderen denk ich mir will ich das dann direkt am Objekt ausprobieren. Was ich jetzt schon weiß, nachdem ich die erste Packung Wegwerfwindeln fürs home coming gekauft habe – bei aller Praktibilität, das ist mir zuviel Erdöl am Babypopo auf Dauer.

Ich habe versucht die Erstausstattung für möglichst lange Verwendbarkeit zu kaufen. Das Gitterbett ist zum Jugendbett umbaubar und auf die Kokos-Schafwolle-Matratze bin ich jetzt schon neidisch. Der neue Babyschale-Kinderwagen-Buggy hat uns kein Loch ins Börserl gerissen – hat rein gar nix ökologisches oder hippes an sich, es ging uns rein um die Funktionalität (z.B. einhändige Zusammenfaltmöglichkeit) und die Beständigkeit für mehrere Jahre.

Das einzige Hipsterteil, das ich mir gekauft habe, ist ein Tragetuch. Also eigentlich ein Trageloop. Und eigentlich braucht man davon zwei – das andere habe ich mir dann nach der Länge und Breite des gekauften aus einer viel zu dicken Pashmina genäht – ich Sparfuchs. Und da ich an der nichts geschnippelt habe, wird sie nach Ende der Tragezeit wieder zum Schal zerlegt.

Eine Babybadewanne – das gefühlt unnötigste überhaupt – haben wir uns leider anschaffen müssen da unsere Badewanne super barrierefrei für sieche und schwangere (also sehr niedrig zum Einsteigen) aber nix für kniende Mütter ist und unser Waschbecken leider zu flach ist um darin irgendwas anderes als Hände zu waschen. Ich gehe aber davon aus, dass die gekaufte Wanne nur anfänglich genutzt wird bis das Küken sitzen kann – dann wird gemeinsam gebadet und ich werde die Wanne fürs Fußbad benutzen.

Nachdem ich mir im ersten Drittel der Schwangerschaft gedacht habe, ich bräuchte einen Stubenwagen, im zweiten Drittel glaubte, ich läge mein Kind einfach auf die Couch, habe ich mir zuletzt eine Wippe angeschaft, die in Kleinkinderjahren als Schaukelstuhl verwendet werden kann.

Von der Bald-Oma gabs dann noch einen Lammfellsack für die winterliche Ausfahrt und zwei Schlafsäcke.

Am meisten Kopfschmerzen hat mir übrigens die Wickelmöglichkeit bereitet. Zuerst dachte ich, die Waschmaschine wäre am geeignetsten. Unsere ist an drei Seiten ummauert und ich halte es bisher noch immer für den besten Sturzschutz, allerdings gibt es dort keinerlei Möglichkeit an irgendeiner der drei Wände ein Regal anzubohren, da in allen was drinnensteckt was du einfach nicht anbohren willst (Wasserleitung, Lüftungsschacht). Somit haben wir uns ein Wickelbrett fürs Gitterbett gegönnt und werden im kombinierten Schlaf-Kinder-Zimmer wickeln. Für diesen Zweck habe ich vom Papa noch eine LED-Leiste (die hatten wir schon) als Unterbettbeleuchtung anbringen lassen, ich denke der Babypopo wird auch nächtens gewickelt werden wollen und dazu müssen ja nicht beide Elternteile durch unnötiges Licht aufgeweckt werden müssen. Ausserdem glaube ich, dass wir alle besser mit indirekter Beleuchtung nächtlichen Aktivitäten nachgehen können, die uns nicht putzmunter macht.

Ich denke wir sind gut aufgestellt mit dem was wir jetzt haben. Dennoch überkommen mich an meinen langen faden Tagen daheim auf der Couch Zweifel ob wir denn auch wirklich ALLES haben. Besonders bei der Kleidungsfrage bin ich äußerst unsicher. Gut, dass der Papa auch noch da ist, der mich dann am Abend beruhigt mit „wenn was fehlt, dann kaufen wir das mit dem Küken gemeinsam ein“.

Der ganze Spaß hat uns übrigens knapp unter 1000 Euro gekostet (davon haben aber Kinderwagen (400€) und Bett mit Matratze (300€) am meisten verschlungen)- und es ist alles neu gekauft. Was noch fehlt, sind, wie gesagt, die Stoffwindeln, die nochmals ca 300€ kosten werden – die lassen sich aber als einmalige Anschaffung verschmerzen, denn die kann im Gegensatz zu Wegwerfwindeln auch noch ein Geschwisterchen auftragen 😉.

Der Bald-Opa hat übrigens damals beim Bald-Onkel auf den damaligen Badezimmerfliesen oberhalb des Wickeltisches den Windelverbrauch notiert. Nach drei Jahren waren das 18.000 Schillinge. Falls jemand nachrechnen möchte, der Wechselkurs zum Euro war im Jahr 2002 1EUR= 13.7603 ÖS – heute streicht man der Inflation geschuldet nur noch die letzte Stelle weg. Und soweit ich mich erinnere war mein Bruder nie ein großer Esser und somit wahrscheinlich auch kein großer Schei*er.

Was bisher geschah…und was passieren wird…

Laut Berechnung soll das Küken in vier Tagen schlüpfen und ich bin gespannt ob es wie seine Mama eventuell doch überpünktlich sein könnte, was mir nix ausmachen würde.

Ich bin mittlerweile seit Anfang Mai zu Hause (Urlaub, zehn Tage Krankenstand, vier Tage arbeiten, Urlaub und nun Mutterschutz). Dank Fußball-WM habe ich mich zwischenzeitlich mal einen Monat nicht gelangweilt, da seit Anfang Juni alles kükenfertig ist. Seitdem ist „Es ist soooooo langweilig!“ mein Dauermantra.

Eine Woche war es im Juli weniger langweilig, da hatte der Kindsvater Urlaub und er hat wirklich keine Gelegenheit ausgelassen meinen Alltag spannender zu gestalten.

Es gibt allerdings Neues von der „Mission: Ehe„. Also: Nachdem die syrische Geburtsurkunde vom richtigen übersetzt wurde, wurde sie auch von der deutschen Botschaft in Beirut beglaubigt und mein zukünftiger Schwiegerpapa hat sie auch gleich abgeschickt. Das war an einem Montag. Naja, wie lange könnte so ein Brief aus Damaskus nach Passau brauchen, sollte er denn überhaupt ankommen, fragten wir uns… Wir rechneten mit einem Monat +/- 2 Wochen. Denn, meine Überlegung war, meine Mama hat am vorweihnachtlichen Montag letzten Jahres ein Packerl mit Schokoschirmchen für den österreichischen Weihnachtsaufputz nach Passau geschickt und das kam pünktlich zu Silvester an. Da wirds ja aus dem Kriegsgebiet das nochdazu nicht mal mehr im geographischen Europa liegt länger dauern. LMFAO. Am darauffolgenden Freitag klingelte es an unserer Tür – kurz nachdem der Göttergatte das Haus verlassen hatte und ich „nur noch ein bisserl“ weiterschlafen wollte. Also blieb ich liegen. Als Salar am Abend heimkam berichtete ich von dem Geklingel und er meinte er habe einen Anruf von einer „seltsamen“ Nummer erhalten – cirka zeitgleich. Und dann rief auch schon der Papa an und fragte ob die Unterlagen angekommen sind. WHAT? Also haben wir versucht zu recherchieren ob es denn tatsächlich die Post gewesen sein könnte… natürlich nicht. Wir haben aber die Trackingnummer erhalten und dann mal spaßeshalber den Brief verfolgt: What the fuck. „Empfänger nicht angetroffen – nächster Zustellversuch am folgenden Werktag.“ Wir haben dann den äußerst netten Typen der Lieferfirma angerufen und der meinte wir können es auch am Montag einfach bei ihm im Büro abholen.

Also der Brief ging von Damaskus nach Dubai, von Dubai nach London, von London nach Frankfurt und von Frankfurt nach Passau – in vier Tagen!!!!! Und das ganze zum Preis von 25 Euro (kein Bemmerl für Syrer, aber ich finde es ganz günstig).

Wir konnten es nicht glauben….besonders ich nicht. Somit sind wir am darauffolgenden Montag den Brief abholen gegangen und volée weiter zum Standesamt. Natürlich hatte ich mich nicht um die von mir verlangte neu ausgestellte Geburtsurkunde gekümmert weil ich es weiterhin schwer lächerlich fand. Aber ich habe jeden offiziellen Wisch, den ich im Laufe meines Lebens vom Staat Österreich erhalten habe, mitgenommen. Einschließlich meines ersten Meldezettels vom 27.5.1982. Das Konvolut im Gesamten dürfte dann auch dem Standesbeamten in Passau gereicht haben um meine österreichische Herkunft als gegeben zu betrachten. Salar musste dann noch eidesstattlich erklären, dass er „weder in Syrien noch auf den Fidschis“ mit wem anderen verheiratet ist. Ich wurde nicht gefragt „weil die Info holen wir uns aus Österreich“. Gott sei Dank hatte ich aus Wien auch noch meine Abmeldebestätigung dabei, da das letzte Magistrat dafür zuständig ist. Hat auch nur 21 Tage gedauert bis man mich für ehefähig erklärt hat – Sarkasmus off.

In der Zwischenzeit habe ich mir Gedanken über die Hochzeit gemacht und ich glaube nur wenige Ersttäterinnen interessiert der „schönste Tag im Leben“ so wenig wie mich – LOL. Ich habe beschlossen, dass bei der Eheschließung mal abgesehen von Salar und mir und dem Standesbeamten und dem Küken (na no na ned) eigentlich niemand dabei sein muss. Betonung auf „muss“. Da meine Mutter mir wohl nicht verzeihen würde wenn ich sag „ich heirate, aber das ziehen wir alleine durch“, sollen halt in Gottes Namen meine Eltern mit deren Anhang dabei sein und deshalb unseretwegen auch Salars Geschwister – wenn sie denn die lange Anreise dafür in Kauf nehmen wollen… wir meinen die zehn Minuten um jemanden beim Unterschreiben zuschauen sind acht bis zehn Stunden Anfahrt nicht wert (nicht einmal drei Stunden). Da meine Freunde in Wien leben und feiern mit relativ Neugeborenem so wie wir immer feierten sowieso nicht drinnen ist, lade ich aus oben genannten Grund auch die nicht ein. Ausserdem brauchen das Küken und ich sowieso neue Ausweise ASAP, da wir im Ausland wohnen und somit werden wir dann nach Wien fahren und dort dann mit den wichtigsten brunchen gehen. Weiters lege ich auf „teure Klamotten die ich nur einmal trage“ keinen Wert und werde ich in der Kleidung heiraten die ich am Morgen aus dem Schrank ziehen werde. Salar meinte schon, mit dem Geld, das wir alleine dadurch sparen könnten wir dann in Wien in einem gscheiten Hotel übernachten – am Ring – zumindest eine Nacht.

Die Meinungen hierzu reichen von Entsetzen über „du weißt, dass das der Brautvater zu zahlen hätt“ bis „Recht habts“.

Vielleicht für andere interessant ist auch die Auswahl des Datums: Wir nehmen den Wochentag in den ersten zwei Oktoberwochen der noch frei ist, vorzugsweise in der ersten Oktoberwoche. Salar hat da nämlich Urlaub.

Auch brauch ich keine Blumen. Nix symbolisiert rausgeschmissenes Geld für mich so sehr wie ein Blumenstrauß – no offense.

Und bezüglich Ehering….tja… ich hab gesagt ich brauch keinen, weil ich eh keinen Schmuck trage. Den Verlobungsring steck ich auch nur für Fotos an bei denen der Rezipient darauf Wert legen könnte den zu sehen (z.B. unsere Mütter).

Falls sich jetzt jemand fragen könnte, warum ich denn überhaupt heiraten will, wenn ich denn alles, was zu einer Hochzeit gehört, so rigoros ablehne, beantworte ich auch gerne diese Frage: Ich möchte, dass unsere Beziehung vom Staat anerkannt wird und ich möchte den selben Familiennamen haben wie der Papa und unser Kind. Das macht das Leben fürs Küken einfacher – und wenn es nur halb so viele Fragen hat wie seine Eltern, macht es auch unser Leben einfacher 😉.

Was tut sich sonst noch so?

Ich muss denjenigen, die meinen, unter der Dauerhitze zu leiden und nicht schwanger sind, leider mitteilen, dass ihr von Leiden keine Ahnung habt.

Gott hat mir bisweilen alle Wünsche erfüllt, die ich so geäußert habe, seitdem ich nach Passau gezogen bin und mit dem Sommer auch den im Dezember getätigten „Ich wette, das wird der heisseste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen – hahahaha“. Ich wünsche mir allerdings jetzt schon, dass der zweite Teil „und am Tag an dem das Kind kommt, fällt im Kreißsaal die Klimaanlage aus – hahahaha“ nicht erfüllt wird und überlege die ganze Zeit im Klinikum anzurufen um zu fragen ob die Klima eh regelmäßig gewartet wird…

Mein Gyn meinte, wenn ich fünf Tage drüber sein sollte, wird eingeleitet. Na. Vor nix gruselt mir mehr als vor gelegten Zugängen im Arm. Also hab ich beschlossen auf natürlichem Wege zu helfen das Oxytocin-Niveau zu erhöhen…. Ich wünsche, mein Kind ist neugieriger als ich und will doch mal wissen, wer da dauernd an die Tür klopft. Denn immerhin erzählen uns ungefragt uns mehr oder weniger unbekannte Personen, dass Sex Wehen einleitet – zuletzt die afrikanische Mama mit Baby, Kleinkind und Schulkind an der Bushaltestelle. Sollten die Recht behalten, werde ich definitiv davon berichten.

Über die Geburt an sich mache ich mir keine Gedanken. Wird schon kommen. Wird es ein Kaiserschnitt, wäre das meine allererste Narbe und somit auch OP – wenn es denn sein muss.

Achja, meinen Instagram-Account habe ich gelöscht, da ich viel zu viel Zeit auf dieser Plattform verbracht habe und mir die Werbung schon gründlich auf den Senkel ging. Auch möchte ich mich nicht dazu verführen lassen, ein Bild meines Kindes mit Smiley vorm Gesicht zu posten. Bei mir gibts klassisch Fotos per Post und wer mein Kind live sehen will, muss es besuchen – die Türpolitik ist allerdings hart.

10 Dinge – aus gutem Grund ohne Fotos – die dir niemand übers Schwangersein erzählt.

1. Deine Schamlippen werden so groß wie die von einer Kuh. Ja, ich weiß wie Schamlippen von einer Kuh aussehen wenn sie trächtig ist – Kategorie: Urlaub-am-Bauernhof-Trauma.

Das Positive ist aber, ab einem gewissen Zeitpunkt siehst du sie ohne Hilfsmittel sowieso nicht mehr. Dann musst du dich auf deinen Tastsinn und auf das Urteil von demjenigen verlassen, der dir das angetan hat.

2. Schneller als du glaubst kommst du nicht mehr an deine Unterschenkel und Füße ran. Seit Monat Vier besitze ich Schlüpfschuhe…. also Schuhe ohne Schuhband oder Klett oder sonst irgendeinem Verschluss. Und im Monat Vierkommafünf ist ein extralanger Schuhlöffel eingezogen.

3. Du wirst zum Hobbit mit extraviel Haaren an den Beinen, weil deine Behaarung superdicht wird – überall – nur am Kopf bleibt sie – vorerst – gleich.

4. Versuche gar nicht erst an Hornhautentfernung in Eigenregie zu denken und mach dir rechtzeitig einen Pediküretermin aus. Ich habe meinen vor einem Monat beantragt – Termin ist nächste Woche, deshalb schreibe ich: rechtzeitig, denn zwischenzeitlich musste ich mir auf Grund des Sommers die Hornhaut an den großen Zehen entfernen und das geht mehr schlecht als recht.

5. „Schlaf vor, als Mama wird das dann nix mehr mit dem Ausschlafen. Hahahaha.“ Ich dachte immer das angefügte „Hahahaha“ gilt schadenfroh dem letzten Teil des Satzes. Scheint aber mittlerweile so als gelte es dem ersten. Schlafen ist die Königsdisziplin. Besonders wenn man Bauchschläferin ist. Die ersten drei Monate geht’s ja noch, da hast ja noch keinen Bauch. Im 2. Trimester funktioniert es auch noch – in mir kam aber der etwas kranke Gedanke „ich kann ja nicht auf meinem Kind einschlafen“ hoch. Und dann natürlich das schlechte Gewissen in der Früh beim am-Bauch-Aufwachen „shit, wie lange lag ich schon so da?“. Was natürlich kompletter Unfug ist, sich solche Gedanken zu machen, weil dem Baby passiert nix in seiner Blase und ausserdem gibts ja noch ausreichend Platz fürs Zwutschkerl um sich flach zu machen.

Aaaaaaber im dritten Trimester!!!! Da wo man Schlaf am bittersten nötig hat, weil jeder Schritt eine Höchstleistung ist – vergiss es.

Ich wache bei jedem Umdrehen auf, weil mein Hirn sich einschaltet: „Nicht übern Bauch! Nicht zu schnell! Laaaaaaangsam! Bisschen mehr Beinarbeit! Nicht zu weit! Haaaaalt oberes Bein nach hinten sonst kippst du nach vorne! Sooo jetzt ists gut! Schlaf weiter – hahahahahaha.“ Denn dann meldet sich nämlich die Blase und ich lieg mit dem Gesicht nach Innen im Bett und muss den Kraftakt wieder zurück machen + aufstehen.

Und seit circa zwei Wochen schmerzen auch noch die Hüftgelenke wenn ich zu lange auf einer Seite liege – muahahaha. Bei den ersten unsicheren Schritten zur Toilette, die man schneller erreichen sollte, ist das besonders aua.

6. There is no toilet close enough! Spätestens ab Monat sechs haben die Pantyliners ausgedient und du greifst auf die dünnsten Binden zurück. Gaaanz am Anfang im Monat 4 als ich meinte „ich spür mein Kind nicht, aber hab eine Blasenentzündung“ (hahaha das war das Kind, das auf der Blase herumgeturnt hat), konnte ich ja noch ganz gut zusammenzwicken, weil da gabs ja noch sowas wie Muskeln da unten, die mich noch zusammenzwicken ließen.

Dann im Monat Sieben habe ich gemerkt, dass das keine im Urintest nicht aufscheinende Blasenentzündung ist sondern, dass mein Kind meine Urinsammelstelle als Kopfpolster benutzt. Danke. Wann auch immer es für sie ungemütlich wird, drückt sie drauf herum. Und dabei muss die Blase gar nicht voll sein! Nein! Das geht auch kurz nach dem Urinieren. Hin und wieder habe ich auch das Gefühl sie zwickt die Leitung zusammen und lässt mich im 5 Minutentakt nur jeweils drei Tropferl pinkeln.

Vor kurzem hat das ganze noch eine Steigerung gefunden: Nießen ist gleich Lackerl machen. Lachen ist gleich Lackerl machen. Stiegensteigen ist gleich Lackerl machen. Einkäufe in Taschen und nicht am Rücken tragen ist gleich Lackerl machen. Okay, Lackerl ist vielleicht übertrieben aber ein Tropferl verlier ich. Und das obwohl ich jahrzehntelang meinen Beckenboden trainiert habe – aber ich kann einfach nicht die ganze Zeit meinen PC-Muskel anspannen, da bekomm ich fix einen Scheidenkrampf davon. Also die dicken Binden eingekauft.

7. Irgendwann kannst du einfach nimmer lange sitzen. Oder stehen. Oder gehen. Aber am Ottomanen liegen funktioniert. Also ich habe das nach meinem Urlaub gemerkt, in dem ich noch stundenlang Autofahren, bei Freunden sitzen und Einkaufsbummel machen konnte. Plötzlich war es aus. Nach zehn Schritten wurde der Bauch zu schwer, nach zehn Minuten aufrecht sitzen fing der Bauch zu krampfen an. Also ab zum Arzt. Der hat mich ausgelacht und gemeint, dass es jeder schwangeren so geht. Na aber warnen tut einem keiner. Die Krämpfe sind Übungswehen – und ja, da kann auch 20x am Tag deine Gebärmutter auf die Idee kommen üben zu müssen. Ist halt beim Arbeiten eher kontraproduktiv.

Mittlerweile bekomme ich den harten Bauch nur noch beim Stehen und Gehen, beim Sitzen meldet sich mein Kind nun mit einem beherzten Tritt in den Teil des Bauches der gerade stört. Und ich muss sagen, es ist schon total witzig wenn sich auf einmal eine Titte hebt weil die zu schwer am Bauch liegt oder dem Kind der Hosengummibund zu eng ist oder es nicht mehr deinen Oberschenkel spüren will auf dem der Bauch liegt.

8. Als Ersttrimester wurde mir von der damals endezweittrimestrigen Freundin der etwas verzweifelt klangende Tipp gegeben „mach ein Foto von deinen Brüsten, so schön werden sie nie wieder sein!… und von deinem Nabel!“ Ich habe gelacht und gemeint „klingt logisch“. Nimm so einen Ratschlag ernst wenn du ihn bekommst! Das weiß ich jetzt, im dritten Trimester angekommen – ohne solch Fotos zu besitzen. Meine Nippelhöfe sind riiiiiiesig und schwarz, meine Tutteln im Allgemeinen werden nur noch vom Bauch hochgehalten. Mein ehemals tiefer wunderschön geschwungener Nabel, der aussah wie ein Knoten in einem Stück Stoff von der Rückseite betrachtet, ist einfach nur noch flach – zumindest konnte ich jetzt mal bis zum letzten hinteren Winkel meinen Nabel inspizieren, aber das wird halt nach dem ersten Mal auch langweilig. Jedoch nicht so, das den verlorenen wunderschönen Titten nachtrauern. Allerdings ist das halt auch so eine Sache – ich kann mich erinnern, dass meine Mama nachdem wir zwei Kinder ausgesäugt waren auch wieder schöne Apfelbrüste bekommen hat. Deshalb versuche ich bei jedem Blick in den Spiegel rational an das in mir steckende Genmaterial zu denken und zu hoffen, dass ich nicht nur die Krampfadernneigung und das schlechte Bindegewebe sondern auch die Tuttelrückbildungschance geerbt habe.

9. Am Anfang ist dir eventuell sauübel aber am Ende kommt dir alles hoch. Schlecht war mir am Anfang meiner Schwangerschaft nur solange ich noch gar nicht wußte, dass ich schwanger bin – ich schätze mich glücklich. Jetzt, im letzten Viertel, kann es neben dem Tritt in die Blase nach einem leckeren Mahl und dem anschließendem Flätz auf der Couch schon vorkommen, dass das Kind voller neuer Energie beim Umdrehen mal in den Magen ausschlägt. Da muss man halt dann mit dem Schlucken schnell sein.

10. Irgendwann kommt jede schwangere zu dem Punkt der Gewichtszunahme und dem Wasser in den Beinen. Ich habe bei der letzten Wiegung genau zwei Kilo mehr gehabt als bei der ersten und die kamen erst zwischen vorletzter und letzter Wiegung dazu. Meine Mutter kommentierte das mit „Gott sei Dank“. Ich denk mir halt „Lieber Gott, ich will nicht drei Stellen vorm Komma haben wenn ich gebäre.“Zumindest sollte es danach dann wieder zweistellig sein.

Seit zwei oder drei Wochen lege ich tagsüber schon ein kleines Wasserdepot in meinen Beinen an, könnte ja mal eine Durststrecke kommen. Aber ich muss sagen, im Gegensatz zu dem was ich so im Wartezimmer beim Gyn erblicke, kann ich mich wirklich nicht beschweren.

Zu guter Letzt muss ich natürlich sagen, das ist das was mir in meiner – ersten – Schwangerschaft so aufgefallen ist. Jede Schwangerschaft ist anders. Jede Frau ist anders. Mit diesem Wissen im Hintergrund höre ich auf keinerlei gut gemeinte Ratschläge von (Ex-) Schwangeren. Die einzigen Personen die ich um Infos bitte sind: mein Gyn, meine Mutter und Salar’s Mutter – in dieser Reihenfolge. Erstens, mein Gyn hat wohl schon mehrere Schwangere vor mir betreut. Zweitens, meine Mama hat zur Hälfte meine Gene und da könnte es ja eventuell der Fall sein, dass es ähnlich läuft (superdankbar war ich bei meinem ersten Nervenzusammenbruch ganz am Anfang für „Ach Weibi, frag mal deinen Vater was er mit mir alles durchmachen musste als ich mit dir schwanger war.“). Und drittens, Salar’s Mutter ist mit fünf Schwangerschaften (zwei Burschen, drei Mädels) die mit der meisten Erfahrung und zu einem Viertel trage ich jetzt ihr Genmaterial spazieren, eventuell weiß sie was was mir weiterhelfen könnte.

Also, rational entscheiden, von wen man Ratschläge annimmt und ganz sicher nicht alles googlen was einem drückt.

Am Standesamt….

Wir haben die Vaterschaft am Standesamt beglaubigen lassen und herausgefunden, dass wenn man als Syrer einen syrischen Pass hat, alles totaaaaal easy ist – während man als Österreicherin gefragt wird

-„und wo ist der Staatsbürgerschaftsnachweis?“

-„Bitte da steht: Nationalität:Österreich. Ein Reisepass ist ein Staatsbürgerschaftsnachweis, sonst bräucht ich den ja gar nicht!!“

-„Na von Ihnen brauchen wir schon das Original.“

-„Ich schwör bei Gott, dass ist ein original österreichisher Reisepass! Und dass ich die Mutter von der Kleinen sein werde, wird wohl auch klar sein, bei dem Bauch – bei der Hitze steck ich mir kein Kissen rein.“

– „Na haben’s einen Staatsbürgerschaftsnachweis daheim?“

-„Sicher, allerdings von 1995. Da habe ich das erste Mal einen Reisepass beantragt.“

-„Dann schicken’s mir davon ein Foto.“

-„Okidoki.“

-„Herr S, keine Angst, mit IHREN Dokumenten ist alles in Ordnung!“

WHAT THE FUCK. Ich hab mich natürlich schon gefreut dass in Zeiten der BAMF Skandale ein Beamter gleich sagt, es passt alles mit den syrischen Dokumenten. Aber ein bisserl diskriminiert hab ich mich ob der Entfernung von 500 Meter Luftlinie zu meinem Heimatland schon gefühlt und ausserdem hat mich Herr S schon ein bisserl eingebildet angegrinst. I man I tram.

Dann gings ums Sorgerecht, das ich geteilt haben möchte, weil ich nicht will, dass mein Kind ohne Vater aufwächst wenn mir was passieren sollte. Hashtag Asylant, Hashtag österreichisches Kind in Deutschland, Hashtag wer weiß was meiner Familie im Anlassfall einfällt.

-„Na I würd des ned teilen, an Ihrer Stelle. Des könnens nie wieder aufheben – wissen’S wenn Die sich trennen wolln’S des vielleicht ned.“

– „Ungeachtet dessen was in Deutschland so abgeht bei Trennungen, wächst mein Kind nicht ohne Vater auf und damit basta.“

-„Na wartens doch mal ab.“

-„Worauf? Dass es zu spät ist? Ausserdem würden wir ja sowieso heiraten wenn das gehen würde. Zu dem Ring gehört ein zweiter.“ Grinser ausgepackt.

-„Na sie können ja eh heiraten… Er gilt ja eh als Deutscher, vom Recht her.“

-„Ahsooooo? Und was ist mit dem Nachweis, dass er nicht noch 4 Frauen in Syrien hat?“

-„Na des brauch ma nicht, bei dem Pass. Der Herr S unterschreibt uns das dann hier. Von IHNEN brauchen wir allerdings eine Geburtsurkunde, nicht älter als 6 Monate.“

-„Aber so eine Geburtsurkunde läuft doch nicht ab?!?!“

-„Nicht älter als 6 Monate. Und dann könnens einen Termin ausmachen. Herr S. sie bringen dann ihre einfach mit.“

Problem: Herr S hat keine, kann die auch nicht auf der Botschaft beantragen, er ist ja nicht ohne Grund geflüchtet und offiziell weiß ja niemand in Syrien wo er ist.

Egal, meinte Herr S., der Papa kann’s besorgen, und macht die Bakshish-Handbewegung.

-„Jo die muss dann halt von der Botschaft in Damaskus beglaubigt sein.“

Herr S. lacht:

-„Welche Botschaft in Damaskus?“

-„Na die deutsche!“ sag ich Augenzwinkernd.

-„Aber es gibt keine Botschaft in Damaskus.“ sagt Herr S.

-„Na muss ja nicht in Damaskus sein,“ meint der Standesbeamte.

Meine ich:

-„Ahso In Aleppo oder Palmyra oder doch Homs? Wo meinen Sie, dass die ist?“

-„Na ich schau mal nach.“

-„Es gibt keine Botschaft in Syrien. Keine Deutsche, Schwedische, Italienische oder sonst eine,“ meint Herr S. frech.

Der Standesbeamte gutiert Klugscheisserei nicht.

-„Na lass den armen Mann doch mal googeln! Der wird das schon wissen!“

Der Standesbeamte googelt selbstbewusst mit dem Bildschirm in Richtung dummes ausländisches Päärchen gedreht…..

und dann haben Salar und ich ihn schon sehr dumm angegrinst als wir schneller mit lesen fertig waren als er.

-„Ja gut dann eben in Beirut!“

-„Syrer können nicht in den Libanon einreisen.“

-„Nicht?“

-„Nein.“

Dann haben Salar und ich das ganze mal in Englisch bequatscht, weil schneller und nicht das Problem des Standesbeamten und sind zu dem Entschluss gekommen mit ein bisserl Bakshish bringt der Schwiepa das Dokument auch noch ausser Landes und es gibt noch einen Onkel in Beirut.

Da wir an einem Freitag am Amt waren und Freitag in Syrien der Sonntag ist,hat sein Papa an unserem Sonntag die Geburtsurkunde erhalten, am Montag wars übersetzt und am Donnerstag in Beirut. Am Freitag wars auf der Botschaft (die hat am Freitag geöffnet) – Wartezeit 10 Werktage. Mittwochs allerdings kam die Geburtsurkunde wieder retour zum Onkel. Problem: Das syrische Übersetzungsbüro wird von der Botschaft nicht akzeptiert.

Mittlerweile ist sie wieder in Damaskus und der Schwiepa lässt sie bereits von akzeptierter Stelle übersetzen.

Also momentan läufts noch ganz easy.

Ich muss halt noch meine Geburtsurkunde besorgen, aber dafür hab ich noch etwas Zeit.

Geheiratet wird übrigens im ganz ganz kleinen Kreis und in dem Gewand das mir passt und wenns nach mir ginge wär überhaupt niemand anderer anwesend ausser Salar und ich und der Standesbeamte. Aber das kannst ja auch nicht machen…. meine Mutter wär zu tiefst gekränkt. Also werdens dann ganz wenige sein – nicht mehr als 17 insgesamt. Das wird meinem Sparefroh-Papa sicher gefallen und nachher dann zum Mäci auf ein happy meal für jeden.

The struggle is real – auf der Suche nach passender Kleidung….

Ich habe ein Problem. Ein großes. Ich trage mittlerweile eine Halbkugel vor mir her, die das Tragen normaler Klamotten unmöglich macht. Seit einigen Wochen versuche ich krampfhaft im Einzelhandel in Passau schwangerschaftstaugliche Kleidung aka Umstandsmode zu erwerben und dabei wäre es mir sogar wurscht ob die Hose dann 200€ kosten würde, Hauptsache a Hos’n. Es ist unmöglich. Nicht, dass es hier keine Fetz’ng’schäfte gibt, das Problem liegt an der „Tut mir leid, wir führen keine Umstandswaren, probieren Sie es mal bei Zweibuchstaben oder Zweibuchstaben“-Politik. Ja, die zwei Zweibuchstabenläden haben je einen Ständer „Umstandsmoden“ – schneidern lassen dürften die beiden übrigens von den gleichen bangalesischen Kinderhänden, da die Hosen bei beiden EXAKT die gleiche beschissene Passform haben. In der Not frisst der Teufel Fliegen, deshalb hab ich eine. Der Reißverschluss vom offenen Hosentürl hat nämlich mit der Zeit zu scheuern angefangen.

Mit wachsendem Bauch wurde die Verzweiflung immer größer. Denn die Zweibuchstaben-Hose hat einen so niedrigen Bund, dass sie über Bauch und Po rutscht und ich immer öfter aussah wie ein übriggebliebener Skater der 90er Jahre.

Somit wurde Shopping-Saturday durch Research-Saturday ersetzt. Denn unser Trip nach Wien stand bereits seit Monaten fest (seitdem Mann meinte man könne im 7. Monat nicht mehr in die Toskana). Gefühlt hunderte Homepages hab ich durchforstet um Umstandsmodengeschäfte zu finden – und seien sie noch so weit in der Peripherie…. Schnell kristallisierte sich heraus, dass dieser „Urlaub“ für drei Dinge genutzt werden wird: Kleidung und Kinderwagen kaufen, den elterlichen Dachboden plündern und friends und family zu treffen.

Als wir dann letzte Woche Dienstag auf der Mahü standen und ich Anstalten machte einen Zweibuchstabenladen ansteuern zu wollen, meinte Salar „You can’t be serious. I don’t want you to get another mental breakdown.“ „I am already prepared for the worst. Let us have a look.“ Zum Einen war ich von der Auswahl extrem positiv überrascht: VIER Ständer UND VIER Wandpanele!!!! zum Anderen aber auch enttäuscht > wieder keine leichten Sommerhosen. Dann sagte Salar: „I know you hate dresses because of the rubbing legs….but try one with this (-eine leggings haltend-) and if you don’t look like „Bitteschön, dankeschön, alles Gute“ we buy it.“ Also bin ich Augen rollend damit in die Umkleide verschwunden und war entsetzt. Entsetzt darüber wie geil ich damit aussah! Ich hab mich gleich wieder umgezogen, hab das Outfit Salar in die Hand gedrückt. „We buy it.“ Salar hat dann ein arabisches Stoßgebet in den Himmel geschickt.

Vollends motiviert sind wir dann in den ersten richtigen Umstandsmodenshop reingerauscht. Salar findet den Markennamen „Mamalicious“ obszön und ich fand es Scheiße bei Größe L mit der Produktion von Umstandsmode aufzuhören, immerhin leben die meisten Schwangeren ja nicht mein Leben, bis ins dritte Trimester kein Gramm zugenommen zu haben. Also raus aus dem Laden und rein in den nächsten.

X-Mal bin ich als „Nie schwanger werdende“ an dem Geschäft schon vorbei und hab mich darüber gewundert wie man damit Geld machen kann und jetzt stand ich drinnen und dachte „verdammte Scheiße, werden nur Kleidergrößen 32-38 angebumst?!?“ Etwas verzweifelt stand ich da und dann kam die Hipster-Mittvierziger-Geschäftsbesitzerin mit „darf ich dir helfen?“ an. „Ja, du, ich suche was, was mir passt.“ „Dezent oder Auftragend?“ „Ich bin das erste Mal in meinem Leben auf meinen Bauch stolz, es darf schon weh tun in den Augen anderer.“ „Wieviel hast du denn bisher zugenommen?“ „Nix.“ „Okay…..“ und dann ist sie durch den Laden gewuselt und hat von jedem Ständer was runtergenommen und gesagt „du gehst in die Garderobe und ich häng dir die Sachen einfach rein.“ Sehr gut. Alleine in einem Geschäft zu sein zahlt sich aus. Salar nahm mit einem Grinsen am Sofa Platz und ich fing mit der Modenschau an. Preislich lagen die ganzen Teile überraschender Weise unter meiner Vorstellung und somit wechselten mehrere Kleider – auch von Mamalicious – den Besitzer und ich war in meinem Leben noch nie glücklicher und noch nie erstaunter, Kleider gekauft zu haben, die ich sogar nach dem Exodus des Küken noch tragen können werde.

Dennoch. The struggle stays real.

Wenn man nämlich bei 25+ Graden und Sonnenschein einkaufen geht und eine Frühjahr-Sommer-Schwangere ist, vergisst man nämlich ein wichtiges Kleidungsstück komplett: die Jacke.

Wurscht, dachte ich. Wir fahren eh nach Regensburg, da wirds ja wohl ein Umstandsmodengeschäft geben. Hahahahahahahahahahahahahaha! Manchmal bin ich schon sehr einfältig. Google, mein bester Freund in vermeintlich allen Lebenslagen, hat gestern auf mich geschissen. „Umstandsmode Regenburg“ und diverse andere Suchbegriffe führten nur zu „ähnlichen Treffern“…. LOL. Dann auf Seite drei ein Hoffnungsschimmer – ein Forumseintrag aus dem Jahr 2007 in dem ein Geschäft genannt wird. Das habe ich dann auch gegoogled und es spuckte Öffnungszeiten, Adresse und eine Telefonnummer aus…. dennoch, irgendwie blieb ich stutzig… Immerhin lieferte ja meine ursprüngliche Suche nur „ähnliche Ergebnisse“. Deshalb habe ich nach einem halben Jahr mal wieder mein Festnetztelefon verwendet und die angegebene Nummer angerufen. „Diese Nummer ist nicht vergeben.“ Salar lachte sich deppert. Ich: „Germany really has a problem with Digitalisierung. They don’t know how to use it – AT ALL.“ Salar: „Maybe it is like with the Scheiß-Telekom – 2 Jahres Abonnement. If you don’t quit it in the right second it stays on for another two years.“

Ich hasse es online Kleidung zu kaufen, da ich dieses Zurückschicken von nicht passendem urmühsam finde.

Also habe ich auch weiterhin keine Jacke die ich vorne schließen könnte – und auch kein Jackerl. Hätte ich vor drei Jahren ahnen können , dass ich mal eine Matroshka sein werde, ich hätte mir so eine bescheuert aussehende Übergrößen-simulierende Weste gekauft.