prähochzeitliches Krisenmanagement

Keine Ahnung was in uns gefahren ist, aber gestern fanden wir uns in einem Bekleidungsgeschäft Klamotten für die Hochzeit probierend wieder.

Weil Teile der bald angeheirateten Familie – die weiblichen – meinen, man müsse was besonderes anhaben, wenn man sich das Ja-Wort gibt.

Gut, dass die Anzüge dem Göttergatten nicht gefielen. „Ich gebe keine 160 Euro für diese miese Qualität aus.“

Gut, dass die Modemacher meinen, frau muss im Herbst/Winter gedeckte bis tief-schwarze Farben tragen. Was ich im übrigen jeden Herbst nicht verstehen kann, denn je länger es draußen grau bis dunkel ist, desto bunter würde ich mich gerne anziehen. Geht nur nicht, weil bunte Kleidung anscheinend nur in der Frühjahrskollektion erlaubt ist. „Ich kann doch nicht schwarz tragen! Entweder sehe ich aus als würde ich Trauer tragen, oder ich schau aus als ob ich in meiner Kellnerinnen-Mittagspause mal schnell aufs Standesamt gehüpft wäre.“

Dem Lachen folgt betretenes Schweigen mit rauchenden Köpfen. Dann sage ich:

„Weißt du was? Das ist unsere Hochzeit. Wir wollen ohne Schnickschnack heiraten. Sollen doch deine Schwestern an ihrem Hochzeitstag machen, was SIE wollen und wir machen was WIR wollen. Frei nach dem AfD-Gassenhauer: Unsere Hochzeit. Unsere Regeln.“

„Du hast Recht. Warum lassen wir uns von denen wahnsinnig machen? Es reicht doch schon, dass wir unsere Familien überhaupt eingeladen haben. Lass uns nach Hause gehen.“

Zufrieden stiegen wir in den Bus heim ein und verbrachten einen sehr gechillten Nachmittag.

Am Abend rauchten wir eine Shisha und das Hochzeitsthema kam wieder auf.

„Hast du Waleed eigentlich eingeladen?“

„Shit! Ich rufe ihn sofort an.“

„Und Mohammed?“

„Waleed soll es Mohammed sagen – weiß dein Bruder schon, dass eure Mutter geheiratet hat? Weil wie sollten wir IHN meinen Schwestern vorstellen?“

„Fuck. Ich rufe sofort meine Mutter an. Ich werde auch meinem Vater beim sonntäglichen Telefonat daraufhinweisen, dass seine Freundin nicht fragen soll wegen der islamischen Hochzeit.“

Meine Mutter hat ihren Lebensgefährten nach 10 Jahren Beziehung heimlich geheiratet und mir vor zwei Wochen davon erzählt. Das war vor sechs Jahren. – Wir haben ein gutes Verhältnis, war aber davor nie der Rede wert – LOL.

„Offiziell“ sind wir nach islamischen Ritus schon seit einem Jahr verheiratet, sonst hätten wir nicht zusammenziehen dürfen. Einzig sein Bruder weiß, dass dem nicht so ist. Dachte ich.

„Na wenigstens können wir gegenüber deinem Bruder ehrlich sein.“

„Was meinst du?“

„Na dass wir nicht muslimisch verheiratet sind.“

„Seit dem du schwanger wurdest, sind wir auch vor meinem Bruder verheiratet! Was hast du zu seiner Frau gesagt????“

„Ähhhh. Ich weiß jetzt nicht wann wir das letzte Mal über Ehen gesprochen haben….äähhh…“ Ich lach mich deppert.

„Heisst das, sie weiß, dass wir nicht verheiratet sind???“

„Ääähhh… weißt du, wenn dein Bruder darüber mit mir reden möchte, sag ich einfach ich verstehe seine Frage nicht, sein Deutsch ist so scheiße, er soll mit dir Arabisch sprechen….Okay?“

Schallendes Gelächter.

„Okay.“

Sein Bruder spricht reinstes rheinländisches Deutsch. Man könnte meinen, er sei dort aufgewachsen. Dabei ist er erst seit 4 Jahren in Deutschland. Seine Frau spricht keine Fremdsprachen, somit war das Deutschlernen sehr einfach.

„Oh mein Gott. Deine Stiefmutter und meine ältere Schwester werden sich gut verstehen. Wir dürfen sie nicht alleine lassen.“

„Du meinst meine Stiefmutter wird mich danach anrufen und sagen „Die Schwester mit dem komischen Namen, nicht die dicke, die schlanke meine ich, ist äusserst reizend. Das hätte ich von einer Araberin nicht erwartet. Und beide sind so westlich!“?“

Und er hat Recht. Die beiden sind sich sehr ähnlich und werden definitiv ab der Hauptspeise sich blendend unterhalten, weil meine Stiefmutter definitiv mit ihren Vorurteilen nicht hinterm Berg halten wird und seine Schwester mit denen sowas von Schlitten fahren wird. Ich freu mich schon sehr darauf.

Seine jüngere Schwester wird sich super mit meiner besten Freundin verstehen – die sind ein Gmach.

Sag ich zum Göttergatten:

„Und willst wissen was das geilste ist? Wenn mir die ganze Sippe zu viel wird, kann ich mich zum Stillen noch immer zurückziehen! Wahahahahaha.“

„Und ich werde mitkommen. Du weißt ja noch immer nicht wie stillen funktioniert! Ahahahahahahaha.“

„Mein Liebster, schau dir unser dickes Mädchen an. Jeder wird diese Lüge erkennen. Du wirst schön bei der family bleiben müssen. Ahahahahahahaha!“

Nachdem die Shisha fertig geraucht war, luden wir Waleed auch noch ein und meine Mutter versicherte mir, mein Bruder habe die Hochzeit „zur Kenntnis genommen“, einzig mein Vater soll es nicht wissen. Ich frag mich allerdings angesichts der jüngsten Entwicklungen ob der nicht eh auch schon in der dritten Ehe (er hat es vor der mir meiner Mama schon mal probiert gehabt) steckt und es einfach auch nicht erzählt.

10 Dinge, die ich bei Schwangerschaft 2.0 anders machen werde

Jetzt ist meine Erstpressung gerade mal drei Wochen alt und ich denke schon über wieder schwanger werden nach. Ha! Das tat ich schon im Kreißsaal! Als die PDA endlich wirkte (ich erzähl die Horrorstory dazu nicht) musste ich dem zweiten Anästhesisten (der erste gab auf) versprechen im nächsten Jahr wieder zu kommen, damit er mir zeigen kann, dass man auch ohne Qualen schmerzfrei werden kann. Außerdem werde ich ja auch nicht jünger.

Seither sehe ich überall optimierungsbedarf:

1. Ich werde die SS 2.0 mehr genießen. Bei dieser hatte ich viel zu viel Angst vor allem und war so extrem unsicher.

2. Ich werde einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen. Der Crash-Kurs „meiner“ Hebamme zwischen den Wehen war super und a la minute aber nun interessiert es mich doch ein bisschen mehr.

3. Ich werde tatsächlich vorkochen fürs Wochenbett 2.0. In den letzten drei Wochen war der Papa schon sehr häufig beim Fastfood-Restaurant und auch jeder Lieferdienst kennt uns hier mittlerweile. Das geht ins Geld.

4. Die Tasche fürs Krankenhaus wird ein Täschchen: ein paar Nachthemden, warme Socken, Shampoo, Duschgel, Zahnpasta, -bürste, Ladekabel, Flipflops, Schokolade. Ende. Mehr habe ich nicht benötigt.

5. Ich werde im Wochenbett tatsächlich nichts anderes machen als im Bett bleiben. In der ersten Woche musste ich so viele Ämter heimsuchen und Besorgungen machen, das hat mich – obwohl top vorbereitet – ziemlich geschlaucht und war auch körperlich nicht gut (Blutung stoppte, starke Schmerzen, Fieber > zurück ins Krankenhaus). Jetzt liege ich tatsächlich nur herum, kuschel und kümmere mich ums Küken und mich und es geht allen besser.

6. Ich werde darauf bestehen, dass der Papa zumindest eine Woche frei hat. Sofort alleine zu sein ist wirklich eine Herausforderung.

7. Keine Besuche in den ersten drei Wochen. Ich habe mich über jeden Besuch sehr gefreut und sie auch genossen – aber rückblickend waren sie zu viel.

8. Ich werde mich mit squats vorbereiten. Ich habe total unterschätzt wie oft ich ohne freier Hand von Sitzgelegenheiten aufstehen muss. Das geht ganz schön in die Oberschenkel.

9. Ich werde von Anfang an daran denken, dass nur eine ausgeglichene Frau eine ausgeglichene Mutter sein kann. Die Betonung liegt auf Frau. Denn ich muss gestehen, ich vergesse noch immer hin und wieder, dass ich genauso wichtig bin wie mein Baby.

10. Wir werden von Anfang an Stoffwindeln verwenden. Diese Müllberge sind irre.

Zu guter Letzt ein Bonuspunkt: Sechs Wochen auf diverse wichtige Dinge verzichten zu müssen, über die man davor nicht nachdenkt, bringen mich zu der Überzeugung man kann während der Schwangerschaft nicht genug schwimmen, Vollbäder nehmen oder Sex haben. 😁

Des Babys neue Wohnung

Vor kurzem sah ich im Mittags-TV eine Reportage darüber, wieviel Geld Erstlingseltern für die Babyausstattung ausgeben – oder salopper formuliert, rausschmeißen. Ich war etwas entsetzt, habe die ganze Zeit den Kopf geschüttelt und bei jedem Interview mit einer berliner Hipster-Mama mit Markenkinderwagen laut aufgelacht. What the fuck. 3000 Euro plus.

Das könnte ich mir gar nicht leisten! Mal abgesehen davon, dass mir der Wunsch danach völlig fehlt.

Auch wenn mir die Hormonumstellung einige Gehirnzellen gekostet hat, meine Fähigkeit rational zu denken, hat keinen Schaden davon getragen.

Meine Herangehensweise an das Thema Erstausstattung war von zwei Fragen beherrscht:

1. Was braucht das Küken?

2. Was brauchen/wollen/wünschen wir?

Definitiv habe ich mich nicht gefragt:

Welche Marke ist besonders hip und wie gebe ich vor anderen Müttern am besten an.

Die erste Frage war recht leicht zu beantworten: Kleidung, einen Schlafplatz und eine Futterstelle.

Die zweite Frage war schon schwieriger zu beantworten. Was will man eigentlich selbst? Hauptsache gesund – ist mir da mal gleich eingefallen. Nur wie stellt man das am besten an? Recherche war nötig: zuerst mal das persönliche Gespräch mit der erfahrendsten aller Mütter, meiner Mutter. Wie hat man das denn früher gehalten? Und dann mit der Lieblings-Co-Preggo mittlerweile -Jungmutti stundenlang telefoniert ob wir denn noch normal wären würden wir soweit gehen oder schon schwer öko. Darauf geschissen was andere denken und die Ökoschiene eingeschlagen: Das Bett soll nicht lackiert sein, die Matratze nicht aus Kunststoff, die Kleidung wenn schon neu dann Baumwolle und möglichst mit Biofarben bedruckt, die Futterstelle ist mir angeboren. Kein Schnuller! Ich habe das Teufelszeug selbst 6 Jahre benutzt und habe das mit 4 Jahren Zahnspange gebüßt. Und das Thema Windeln….. ich möchte Stoffwindeln. Und die sind tatsächlich noch nicht gekauft. Zum einen spekuliere ich damit, die kaum gebrauchten von wem anderen günstig zu erwerben und zum anderen denk ich mir will ich das dann direkt am Objekt ausprobieren. Was ich jetzt schon weiß, nachdem ich die erste Packung Wegwerfwindeln fürs home coming gekauft habe – bei aller Praktibilität, das ist mir zuviel Erdöl am Babypopo auf Dauer.

Ich habe versucht die Erstausstattung für möglichst lange Verwendbarkeit zu kaufen. Das Gitterbett ist zum Jugendbett umbaubar und auf die Kokos-Schafwolle-Matratze bin ich jetzt schon neidisch. Der neue Babyschale-Kinderwagen-Buggy hat uns kein Loch ins Börserl gerissen – hat rein gar nix ökologisches oder hippes an sich, es ging uns rein um die Funktionalität (z.B. einhändige Zusammenfaltmöglichkeit) und die Beständigkeit für mehrere Jahre.

Das einzige Hipsterteil, das ich mir gekauft habe, ist ein Tragetuch. Also eigentlich ein Trageloop. Und eigentlich braucht man davon zwei – das andere habe ich mir dann nach der Länge und Breite des gekauften aus einer viel zu dicken Pashmina genäht – ich Sparfuchs. Und da ich an der nichts geschnippelt habe, wird sie nach Ende der Tragezeit wieder zum Schal zerlegt.

Eine Babybadewanne – das gefühlt unnötigste überhaupt – haben wir uns leider anschaffen müssen da unsere Badewanne super barrierefrei für sieche und schwangere (also sehr niedrig zum Einsteigen) aber nix für kniende Mütter ist und unser Waschbecken leider zu flach ist um darin irgendwas anderes als Hände zu waschen. Ich gehe aber davon aus, dass die gekaufte Wanne nur anfänglich genutzt wird bis das Küken sitzen kann – dann wird gemeinsam gebadet und ich werde die Wanne fürs Fußbad benutzen.

Nachdem ich mir im ersten Drittel der Schwangerschaft gedacht habe, ich bräuchte einen Stubenwagen, im zweiten Drittel glaubte, ich läge mein Kind einfach auf die Couch, habe ich mir zuletzt eine Wippe angeschaft, die in Kleinkinderjahren als Schaukelstuhl verwendet werden kann.

Von der Bald-Oma gabs dann noch einen Lammfellsack für die winterliche Ausfahrt und zwei Schlafsäcke.

Am meisten Kopfschmerzen hat mir übrigens die Wickelmöglichkeit bereitet. Zuerst dachte ich, die Waschmaschine wäre am geeignetsten. Unsere ist an drei Seiten ummauert und ich halte es bisher noch immer für den besten Sturzschutz, allerdings gibt es dort keinerlei Möglichkeit an irgendeiner der drei Wände ein Regal anzubohren, da in allen was drinnensteckt was du einfach nicht anbohren willst (Wasserleitung, Lüftungsschacht). Somit haben wir uns ein Wickelbrett fürs Gitterbett gegönnt und werden im kombinierten Schlaf-Kinder-Zimmer wickeln. Für diesen Zweck habe ich vom Papa noch eine LED-Leiste (die hatten wir schon) als Unterbettbeleuchtung anbringen lassen, ich denke der Babypopo wird auch nächtens gewickelt werden wollen und dazu müssen ja nicht beide Elternteile durch unnötiges Licht aufgeweckt werden müssen. Ausserdem glaube ich, dass wir alle besser mit indirekter Beleuchtung nächtlichen Aktivitäten nachgehen können, die uns nicht putzmunter macht.

Ich denke wir sind gut aufgestellt mit dem was wir jetzt haben. Dennoch überkommen mich an meinen langen faden Tagen daheim auf der Couch Zweifel ob wir denn auch wirklich ALLES haben. Besonders bei der Kleidungsfrage bin ich äußerst unsicher. Gut, dass der Papa auch noch da ist, der mich dann am Abend beruhigt mit „wenn was fehlt, dann kaufen wir das mit dem Küken gemeinsam ein“.

Der ganze Spaß hat uns übrigens knapp unter 1000 Euro gekostet (davon haben aber Kinderwagen (400€) und Bett mit Matratze (300€) am meisten verschlungen)- und es ist alles neu gekauft. Was noch fehlt, sind, wie gesagt, die Stoffwindeln, die nochmals ca 300€ kosten werden – die lassen sich aber als einmalige Anschaffung verschmerzen, denn die kann im Gegensatz zu Wegwerfwindeln auch noch ein Geschwisterchen auftragen 😉.

Der Bald-Opa hat übrigens damals beim Bald-Onkel auf den damaligen Badezimmerfliesen oberhalb des Wickeltisches den Windelverbrauch notiert. Nach drei Jahren waren das 18.000 Schillinge. Falls jemand nachrechnen möchte, der Wechselkurs zum Euro war im Jahr 2002 1EUR= 13.7603 ÖS – heute streicht man der Inflation geschuldet nur noch die letzte Stelle weg. Und soweit ich mich erinnere war mein Bruder nie ein großer Esser und somit wahrscheinlich auch kein großer Schei*er.

Ich habe einen Traum

Vor ein paar Tagen erwachte in mir folgende Wunschvorstellung:

Ich möchte am Mittwoch nach meinem Umzug am Abend das erste Mal richtig kochen (Hühnerschnitzerl in Schlagoberssauce) und dann Shisha rauchend und Bier zwitschernd auf meiner Couch Backgammon spielen in einer komplett eingerichteten, fix und fertigen Wohnung während der Geschirrspüler sein Arbeit verrichtet.

Die Schwierigkeit darin sehe ich aber nicht im Aufbau der gesamten Meublage und dem Verstauen unseres Hab und Guts, sondern im Finden der passenden Shisha. Denn wir haben anscheinend sehr hohe Anforderungen.

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Der Grat ist schmal zwischen Bordell-Shisha und Junkie-Shisha… Unglaublich welche Modelle da angeboten werden!

Am liebsten wäre mir die Shisha des Freundes meiner Schwägerin in Spe. Die war fantastisch, aber wir finden diese online nicht wirklich. Zwar ist die Marke fast überall vertreten, aber genau die die ich will sehen wir nie.

Ich will eine standfeste, hohe Shisha mit wenig Pseudo-Orient, die wichtigsten Teile aus Edelstahl, der Wassertopf soll zum überwiegenden Teil blickdicht sein, der Schlauch aus Silikon und das Mundstück am besten aus Glas, keinesfalls aus Holz. Holz soll überhaupt nicht dabei sein. Und ich will ein Gitter für die Kohle und nicht Alufolie löchern müssen. Die Wasserpfeife soll formschön und edel sein, kein Kitsch, kein Ramsch und schön luftdicht abschließen. Immerhin kann ich mir vorstellen die wöchentlich zu blubbern und nicht nur zu Weihnachten oder zum Zuckerfest.

Nachdem das Internet wirklich viel unüberschaubaren Ramsch bietet, haben wir beschlossen am Montag nach dem Umzug und nach meiner Anmeldung sofort zum Passauer Shisha-Dealer zu schauen und wahrscheinlich ordentlich viel hinzulegen für unsere Traumhookah plus eine zweite kleine unscheinbare um den Doppelapfel rauchen zu können.

 

Ein Regal zerlegen um es ratzfatz wieder aufbauen zu können, in elf Schritten:

1. Das Regal wird erst zerlegt wenn sein Inhalt in einer Kiste verstaut ist. Ich könnte zwar in einem Saustall auch Regale zerlegen, ist aber unschick und uneffektiv. Zum Thema Kistenpacken werde ich hier auch einen Artikel schreiben – später.

2. Es wird nur an einem Regal gearbeitet – Multitasking beim Abbau führt zu Multikatastrophe beim Aufbau.

3. Das Regal wird entstaubt – und zwar sämtliche Flächen vorne und hinten. Ich möchte den Staub der alten Wohnung nicht in die neue mitnehmen.

4. Ich überlege mir einen Namen für das Regal. Ich beschrifte meine Möbel alphabetisch – weil es die einfachste und schnellste Variante ist. Man kann natürlich auch richtige Namen verwenden, wenn man eine ganz persönliche Beziehung zu den Möbelstücken hat. Wenn ich nur eines habe, entfällt dieser Schritt.

Schritte 4-6 in einem Bild

5. Ich beschrifte jede Wand, jeden Boden, jede Blende gut leserlich mit dem Namen und wo sich das Teil befindet: oben, unten, links, rechts, Mitte…. Ich beschrifte alle Teile auf den „unsichtbaren“ Seiten (also Wände innen, Böden unten) – so weiß ich dann später beim Aufbauen auch gleich ob das die Sichtseite ist oder nicht.

6. Ich suche mir ein Sackerl und beschrifte es mit dem Namen des Möbelstücks. Hier kommen später alle Schrauben, Nägel und Dübel hinein, die sich in und an dem Möbelstück befinden. – Zusätzlich habe ich noch ein „großes“ Schraubensackerl angelegt, in das alle kleinen Möbelschraubensackerl hineinkommen,

7. „know your Regal“ – finde heraus welches Werkzeug du zum Zerlegen benötigst und hol dir alles gleich. Suche dir einen Platz für dein Werkzeug in Greifnähe – das ist das Werkzeug-Leo. Da kommt jeder Schraubendreher wieder hin nachdem du ihn benutzt hast. Für ein Standardmöbelstück eines schwedischen Möbelhauses benötigt man: Kreuz- und Schlitzschraubendreher, Hammer, Zange (und manchmal einen Imbus-Schlüssel – hier hilft so ein Fahrradwerkzeugset wenn man den dazugehörigen „anno dazumals“ beim Erstaufbau in „Ich-bau-das-nie-wieder-ab“-Laune weggeworfen hat).

8. Ich lege das Regal auf eine Decke, entferne zuerst die Rückwand und zerlege langsam und vorsichtig das Regal.

9. Bevor ich die Schrauben und Dübel wegnehme beschrifte ich jedes Loch mit einem D(übel) oder einem S(chraube) – wenn verschiedene Schrauben verbaut sind, dann suche ich mir das einzigartige Wiedererkennungsmerkmal und beschrifte damit, z.B. L(ange), K(urze), B(reite),…S(chraube)

beschriftete Löcher

10. Jede Schraube kommt sofort ins Sackerl und zum Schluss das kleine Sackerl gut verknotet ins große.

das große Schraubensammelsackerl

11. Diese Teile die in den Möbeln zum Anziehen der Schrauben stecken und einfach nicht rausgeklopft werden wollen, werden mit einem Streifen Klebeband dort wo sie sind, gesichert. Damit auch keines beim Transport verloren geht.

offene bs. zugeklebte Schraubenanzieher

Wenn das Regal so zerlegt ist, ist es ganz egal ob beim eigentlichen Akt des Umzugs die Böden durcheinander gewirbelt werden oder nicht. Es ist ganz einfach die richtigen Teile wiederzufinden und ich kann mir sicher sein, dass alle Schrauben mit von der Partie sind!

Finde deine Krankenkasse

In Österreich ist das ganz einfach – du wirst geboren und bist bei einem Elternteil mitversichert. Da es in Österreich eigentlich nur eine Krankenkasse gibt, bist du bis an dein Lebensende dabei. Das einzige was sich ändert ist, je nachdem in welchem Bundesland du arbeitest, die Bundeslandbezeichnung; also zum Beispiel „Niederösterreichische Gebietskrankenkasse“ (NöGKK), „Wiener Gebietskrankenkasse“ (WGKK) und so weiter. Egal welchem Bundesland du zugeteilt bist, die Leistungen sind gleich. Jede und jeder bekommt überall das selbe Service.

In Deutschland ist das nicht so. Da ist das Krankenkassenwesen privatisiert und es gibt ungefähr soviele verschiedene Anbieter wie Fastfood-Filialen. Und auch wenn man meinen sollte, dass in jedem Schnellrestaurant das Angebot das gleiche ist (Burger, Pommes, ein Finger-Huhn-Produkt, was zum Trinken und was Süßes) so ist es doch von Lokal zu Lokal verschieden. In einem ist das Cola verwässert, im nächsten zu pappig. In einem sind die Pommes versalzen, im anderen arbeiten anscheinend nur Arteriosklerose erkrankte. Was ich meine ist, jede Krankenkasse scheint nach aussen hin das gleiche zu bieten aber wenn man da mal ganz genau hineinsieht – es tun sich Abgründe auf! Ich muss sagen, ich bin von jeder einzelnen in irgendeinem Punkt enttäuscht. Was ich bei meiner Recherche (es gibt ganz gute Krankenkassen-Vergleichsportale online) am witzigsten gefunden habe, war das Sich-Rühmen mit 24/7 Erreichbarkeit. Da frage ich mich schon, werde ich das jemals brauchen? Ich bin jetzt 35 Jahre auf diesem Planeten. 17 davon arbeite ich. Ich wurde genau 4x bei meiner Krankenkasse vorstellig: Das erste Mal als ich nach Irland ging zum Studieren um einen Auslandskrankenschein für den Notfall zu beantragen (das ist jetzt 15 Jahre her, seitdem hat sich das System geändert und man muss das nicht mehr), zweimal jeweils bei einem Arbeitgeberwechsel, der einen Sozialversicherungszeitenauszug verlangt hat und einmal wurde ich von der Krankenkasse eingeladen um meinen Krankheitsstatus zu überprüfen. Das war recht leiwand, da wurde dann nach 4 Wochen Krankenstand meine kalte Lungenentzündung entdeckt – aber das ist auch schon über 10 Jahre her. Da wird mir jetzt schon ein bisschen mulmig, ob sich das jetzt ändern wird, wenn ich nach Deutschland ziehe. Und ich frage mich, wie oft rufen die Deutschen bei ihrer Krankenkasse am Wochenende an und wofür? Wieviele Mitarbeiter hat die Krankenkasse am Wochenende in ihrem Callcenter sitzen? Oder ruft dort so selten jemand an, dass da ein Mitarbeiter Rufbereitschaft hat und das beim Gassi-gehen mit dem Hund nebenbei macht?
Meine Recherche hat mich dazu bewegt viele Kontrollarztbesuche noch hier in Österreich zu machen und mich eingehend mit meiner Gesundheit zu beschäftigen – der momentanen, wie der zukünftigen.

Zusätzlich habe ich noch mit folgenden Fragen beschäftigt:

Was erwarte ich eigentlich von meiner Krankenkasse?

Was macht die überhaupt?

Worauf lege ich mehr wert – eine geringe KV-Zahlung oder dass ich im Notfall rundum versorgt werde?

Was ist für die KV ein Notfall?

Was wenn ich schwanger bin?

Welche Leistungen erbringt die Krankenkasse überhaupt in Österreich? Wieviel zahle ich hier?

Daraufhin habe ich zwei potentielle Krankenkassen gefunden, die ich angeschrieben habe.

Eine davon hat ihre marktschreierische Werbung geschickt – die bei weitem nicht so informativ war wie die homepage. Ich fragte mich, was ich damit soll und die Fragen die ich gestellt habe wurden gar nicht beantwortet. Die Kasse hat meine Erwartungen nicht erfüllt und sich selbst aus der Wahl ausgeschlossen.

Die andere ist per email auf meine Fragen eingegangen und hat nicht locker gelassen mit der Frage ob ich jetzt Mitglied werde oder nicht. Das ging mir auf die Nerven, da ich gleich geschrieben habe, ich werde mich melden, wenn meine Wahl auf sie fällt.
Ich habe ein paar Wochen ins Land ziehen lassen und dann nochmals die Homepage von Krankenkasse 2 studiert – und habe mich für diese entschieden. Also habe ich geschrieben, sie mögen mir den Antrag schicken. Keine Ahnung, wie die KK auf die Idee kommt, den Antrag vorab auszufüllen, mit meiner österreichischen Adresse, wo ein ausländischer Wohnsitz gar nicht möglich ist…. Und weiter frage ich mich schon warum der Versicherer mir sein Kursprogrammheft von Nürnberg zuschickt und nicht von Passau – ja, ich habe mehrfach erwähnt, dass ich nach Passau ziehe.

Frau Sarkasmus in mir hat schon 10 E-mails verfasst um darauf zu antworten, doch Frau Gscheit funkt jedes mal dazwischen mir ihrem „Ab hier kann es nur noch besser werden.“

Also habe ich beschlossen, nach meinem Umzug zur Passauer Filiale zu spazieren und die Anmeldung dort direkt zu erledigen.

 

Der beste Moment um mit dem Umzug zu starten ist…

….sofort. In dem Augenblick in dem man weiß, dass man umzieht, kann man auch schon anfangen zu packen.

Stressfrei ins neue Leben – ist mein Motto.

Da ich hier in Wien auf mich alleine gestellt bin, weil Salar bereits arbeitet, habe ich mir gedacht, warum sollte ich mir eine neue Serie ansehen, wenn ich ebensogut schon zu planen anfangen oder sogar Sachen packen kann?

Für mich war das Wichtigste zu wissen, wohin ich mit meinem Zeug muss. Wir haben uns Ende August einige Wohnungen angesehen, wovon zwei in die engere Auswahl kamen und eine weitere es zur Not auch getan hätte. Im Extremfall hätten wir es auch eine Zeit lang in seiner jetzigen Wohnung auf 26 Quadratmeter ausgehalten. Da hätte ich den größten Brocken im Haus meines Vaters zwischengelagert, der dem mal zugestimmt hat und mal total dagegen war. Gott sei Dank musste es nicht dazu kommen, denn am 9. September haben wir den Mietvertrag für eine unserer Traumwohnungen unterschrieben.

Somit kann jetzt das große Packen anfangen und ich muss nicht mehr extrem streng trennen in „was brauche ich“ und „was kann warten“. Alles darf und muss mit!

Davor habe ich aber schon mit dem „Kleinscheiß“ angefangen, denn der stinkt auch. Ich habe alle Taschen und Kleidungsstücke gewaschen, die es bitter notwendig hatten und bereits angefangen Teile der Wohnung zu sortieren, auszumisten und zu putzen. Außerdem habe ich die Planung gemacht was wohin gepackt werden kann und jetzt arbeite ich praktisch nur noch meine Liste ab. Hin und wieder wird ergänzt und optimiert aber im Großen und Ganzen passt sie so schon gut.

Bis jetzt musste meine alte Wohnung aber noch tipptopp aussehen, da wöchentlich Besichtigungshorden durchmarschiert sind, die sich für diese Wohnung interessiert haben. Das hat jetzt auch ein Ende gefunden, die Nachmieter haben den Mietvertrag zu meiner größten Freude unterschrieben. Nun kann in diesen Belangen ein bisschen laissez-faire gewährt werden. Da meine Mitbewohnerin bereits Ende Juli ausgezogen ist, habe ich ihren Raum zur Packstation und Umzugsgutlagerhalle erklärt und ich muss sagen, so ein extra Raum ist schon sehr praktisch.

Durch das Aussortieren sind auch einige Dinge in meine Hände gefallen, die ich gar nicht mehr benötige oder nicht mehr haben will. Diese Sachen habe ich auf einer österreichischen Privatverkaufplattform eingestellt – manches verkaufe ich und manches verschenke ich.

In meiner Optimierungswut bin ich auch auf die glorreiche Idee gekommen, meine DVDs nicht mehr in ihrer Plastikhülle zu lagern, denn wer transportiert schon gerne Luft? Also habe ich aus allen Covern in einer schlaflosen Nacht Taschen geklebt (in der Mitte falten, 2 Seiten mit Klebeband verschließen) und die DVDs reingesteckt. So verringerte ich das Packmaß von 150cm auf knappe 10. Auf diese Idee bin ich richtig stolz, auch wenn ich sicher nicht die Erste bin, die sie hatte. Die Plastikhüllen habe ich auf der Plattform verschenkt und sie wechselten in weniger als 24 Stunden die Besitzerin.