Ärzte in Passau

Heute muss ich mal wieder ein Thema anreißen, dass tatsächlich vom Leben in Passau handelt.

Gestern waren wir zur U5 plus erste Impfungen beim Kinderarzt. Und ich verließ diesen mit einem Trauma. Bei der U4 war die Ärztin im Schießstattweg schon – nun ja wie soll ich es am besten ausdrücken – im Umgang mit einem Neugeborenen etwas ruppig. Die Oma war damals schon schockiert und meinte sie würde ihr Enkelkind dort nicht mehr hinbringen, die Ärztin habe nicht alle Tassen im Schrank. Ich war damals etwas überfordert mit all den Eindrücken, Fragen und der Dreinrederei von der Oma, dass ich einfach nur froh war, als wir wieder draußen waren und habe mir dann erst später gedacht, dass so ein Säugling viel mehr aushält als ich annahm. Seit gestern allerdings gehe ich davon aus, dass der Ärztin ein Baby irgendwann mal was schreckliches angetan haben muss und sie sich nun an allen rächt. Mein Kind war guter Stimmung, ließ alles über sich ergehen, bis der Trampel an Ärztin sie in Bauchlage schmiss. Durch den Schock fing mein Baby an zu schreien wie am Spieß. „Na das müssen sie noch üben. Das klappt ja gar nicht,“ meinte die Ärztin. „Ich würd jetzt auch schreien,“ gab ich zur Antwort und nahm mein Kind hoch. Auf meinem Arm war es schnell wieder zufrieden, es war ja ansich gut gelaunt. Dann kamen die zwei Impfungen und wie zu erwarten schrie meine Tochter wieder wie am Spieß. „Ziehen sie IHN an und dann gehen sie zum dunklen Raum. Dort untersuche ich die Augen,“ sagte die Ärztin in schroffen Tonfall. Ich fragte nach Nebenwirkungen der Impfung, erst nach weiterem Nachfragen meinte sie, es könnte zu Fieber kommen. Auf die Frage, was ich dann machen soll, ich hatte seit über 30 Jahren kein Fieber und somit keine Erfahrungswerte, sagte sie „Sie werden schon intuitiv das richtige machen.“ !!!

Mein Kind und ich mussten dann zwanzig Minuten auf das Wiedererscheinen der Ärztin vor dem „dunklen Raum“ warten. Das Küken konnte ich nicht beruhigen. Wie auch, wenn es keine Möglichkeit gibt sich hinzusetzen und die sieben Sprechstundenhilfen im Vorraum sich die Ohren zuhalten und die Augen verdrehen. Ich fragte mich, was die Ärztin glaubt, wie lange eine Mutter braucht ihr Kind anzuziehen….Dann tauchte sie endlich auf und fragte:“Warum ist ER so unentspannt?“ Ich war etwas perplex. “ Sie haben SIE vor zwanzig Minuten geimpft! Deshalb ist sie unentspannt.“ „Ach ja.“

Danke. Es gibt noch zwei private Kinderärzte in Passau. Wenn davon einer liebevoll mit Kindern umgeht und Eltern berät, ist mir das alles Geld der Welt wert und wenn einer davon sich auch noch zumindest 20 Minuten das Geschlecht des Patienten merken kann, leg ich da auch noch zehn Euro drauf.

Soviel zum Kinderarzt.

Aber ich war ja auch noch bei anderen Ärzten in Passau.

Der erste Arzt, den ich benötigte als ich hier herzog, war – wie kann es anders sein- ein Gynäkologe zwecks Bestätigung der Schwangerschaft.

Letztes Jahr um diese Zeit suchte ich nach einem, der mir vor Weihnachten noch bestätigen konnte, dass der Drogerietest mich nicht anlog und das befruchtete Ei auch dort ist, wo es hingehörte, nachdem mein Gyn in Österreich meinte, schwanger werden würde meinem Körper schwer fallen. Ich hab nach dem Sterne-Rating auf Google alle Gyns angerufen und habe echt schlimme „vor Juni nächsten Jahres nehmen wir KEINE neuen Patienten“- Vorzimmerdrachen drangehabt, bis ich beim Zwei-Sterne-Rating am Niebelungenplatz ankam und schon am Telefon positiv überrascht wurde. Ich wurde danach gefragt wie alt ich sei und ob es die erste Schwangerschaft ist und bekam am Freitag vor Weihnachten einen Termin. Auch die Praxis gefiel mir und der Arzt – was soll ich sagen – mein Humor, nicht auf den Mund gefallen und ich bezeichne ihn gerne als väterlichen Arzt. In all den Monaten waren weder er noch die Arzthelferinnen je unfreundlich oder kurzangebunden und ich fühlte mich dort immer gut betreut, auch dann wenn ich wegen einem „Ziepen das mir komisch vorkommt“ dort aufgeschlagen bin.

Kurz vor der Geburt, ging er auf Urlaub und ich musste die letzten zwei Kontrollen bei wem anderen machen lassen. Und ich bekam diese Termine nur noch beim 1,5 Sterne-Arzt. Ich muss sagen, ich wurde von der Bewertungszusammenfassung „leicht versifft, Ärztin sieht ungepflegt aus, macht ihren Job aber gerne“ nicht enttäuscht.

An dem Tag an dem frühmorgendlich die Wehen einsetzten, wollte ich eigentlich einen HNO aufsuchen, da ich da schon drei Tage Megaohrenschmerzen hatte. Also musste ich im Spital auf den Konsilliararzt warten. Der kam gegen 19 Uhr, war etwas grumpy, gab mir einen Streifen ins Ohr hinein und meinte „alle zwei Stunden eintropfen, morgen Früh kommen sie wieder.“ Daraus wurde dann nichts, ich wurde im Kreißsaal verhindert. Also tagsdarauf zu ihm hin. Es war Samstag und er war besser gelaunt. Am Sonntag um 7 Uhr früh, war er wieder da und ich sagte zu ihm „Sie müssen ihren Job wirklich lieben.“ Das Eis war endgültig gebrochen, er gab mir seine Visitenkarte und meinte, sollte der Konsilliar am Montag nichts machen, soll ich am Dienstag zu ihm in die Praxis kommen. Das war dann auch so. Er ist der Arzt meiner Träume. Kompetent. Nett. Macht seinen Job wirklich gerne und hilft wo er nur kann.

Leider kamen zwei Wochen später die Schmerzen am anderen Ohr wieder. Leider genau zu Beginn seines dreiwöchigen Urlaubs. Somit konnte ich andere Ärzte testen.

Zuerst ging ich zum Allgemeinmediziner im selben Haus. Ich bin es aus Österreich gewohnt, dass die Hausärzte medizinisch fundierte Kenntnisse haben und eventuell sich die Sache mal anschauen bevor Antibiotika verschrieben werden. Egal, Dritte-Welt-Land Germany, zack sofort die Antibiotikakeule. Es wurde nicht besser, sondern Ohr 1 und Ohr 2 schmerzten. Also zu einem anderen HNO. Der steckte mir in jedes Ohr zuerst einen Streifen (die machen taub) und begann dann zu reden. Ich meinte „Es tut mir Leid, ich kann Sie nicht verstehen, könnten Sie mir das bitte aufschreiben?“ Ich sah ihn lachen und er klopfte mir auf den Arm. Drei Wochen hatte ich Schmerzen. Bis „mein“ HNO wieder kam. Der sah rein, putzte aus und sagte „sie produzieren momentan einfach zu viel Ohrenschmalz, das kann nach einer Geburt schon vorkommen. Wenn es wieder schmerzt, kommen sie einfach nochmals.“

Ich sag jetzt mal so: wäre in Wien jeder zweite Arzt scheiße, wäre das fürs Gesundheitssystem eine Katastrophe und es würde dort wieder die Pest grassieren. In fünf Jahren Wien, wechselte ich vom türkischen Hausarzt zur österreichischen Ärztin nur deshalb weil der türkische zu viel Chemie und zu wenig Hausverstand verschrieb (Krankenstand und Salbeitee mit Honig sind mir lieber als drei Tage Augmentin). Ausserdem behandelte die Österreicherin Flüchtlinge gratis und sorgte auch aus ihrer eigenen Tasche für Medikamente für diese. Und das wollte ich einfach unterstützen.

Ich habe die wichtigsten Ärzte (Hausarzt und Kinderarzt) gerne in einer Distanz von meiner Wohnung die zu Fuß bewältigbar wäre und mit dem Taxi mich nicht arm macht. Auf diesen Luxus werde ich jetzt zum Wohle unserer Gesundheit verzichten.

Requiem an meinen Lieblingsbaum

Seit wir letzten Oktober in unsere Wohnung eingezogen sind, erfreute ich mich über den fantastischen Ausblick auf den schönsten Baum den ich jemals gesehen habe. Er war PER-FEKT.

Das Farbenspiel im Herbst war von einzigartiger Schönheit. Bevor er all sein Laub verlor, verfärbten sich die Blätter genau so wie ich es im Biologieunterricht gelernt habe – von oben nach unten. Nicht so wie die verschreckten Großstadtbäume die überall braun-grün gescheckt sind. Nein. Die Blätter meines Lieblingsbaumes war oben rot, mittig gelb und unten noch grün gefärbt – ohne Ausnahme. Ich nannte ihn auf Grund dessen liebevoll Ampelbaum.

Dann im späten November verlor er sein Blattwerk und eine weitere Schönheit entpuppte sich darunter. Sein Astwerk. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, das war der schönste nackte Baum den ich je sehen durfte. Wenn ich auf der Couch „verkehrt herum“ lag und den Kopf runterhängen ließ, sah der Baum mit seinen Ästen aus wie ein Herz mit seinen Arterien. Ein Bilderbuchbaum. Wenn man den gezeichnet hätte, hätte man über das Bild gesagt, es sei so kitschig, das kann nicht der Realität entsprechen. Dank seiner exponierten Lage am Rande der Grundstücksgrenze eines Diskonters Süd, hatte ich die Möglichkeit mir den Baum von allen Seiten anzusehen – er war komplett symmetrisch. Auf keiner Seite stand ein Asterl weg. Aus jeder Perspektive sah dieser Baum im Winter aus wie ein umgedrehtes Herz. Somit hieß er dann im Winter auch Herzbaum.

Ich konnte es kaum erwarten ihn im Frühling zu beobachten, wenn er wieder Blätter bekommt. Und in der Tat, er war der erste der Knospen hatte und der erste bei dem sich Anfang März zartes Grün erkennen ließ. Und dann in der Karwoche ist sein Blätterkleid förmlich herausexplodiert und er stand da in all seiner Pracht im sattesten Grün.

Ich freute mich darüber wie ein kleines Kind. Und ich freute mich darauf meinem Kind anhand genau jenen Baumes die Jahreszeiten erklären zu können.

Doch es sollte anders kommen.

Letzte Woche schloß mein Nachbar zwecks Neubaus die Pforten. Am Montag rollte der erste Bagger an und fing damit an die kleinen verreckten kaum blühenden Bäume am Parkplatz umzuschneiden. Okay – das lasse ich mir einreden, die neue Filiale soll größer werden und diese Bäume wurden von den Diskonter-Erbauern fix erst gepflanzt als der Supermarkt schon stand. Ich meinte zu Salar, wenn die die Bäume an der Grundstücksgrenze umsägen, hänge ich mich an „meinen“ Baum an. Salar beruhigte mich, er sehe keine Gefahr für den Baum, er stehe ausserhalb der Umzäunung und so wie da im Winter kein Schnee geräumt wurde auf dem Gehsteig, gehe er davon aus, dass dieser Baum auch nicht dem Diskonter gehört. Ausserdem ist dieser Baum weitaus älter als der Supermarkt und stünde schon viel länger da. Ich war zufrieden.

Dann kam am Mittwoch überraschend meine Mum zu Besuch und die Baustelle war auch schon soweit fortgeschritten, dass mit der Demolierung des Gebäudes begonnen wurde.

Am Donnerstag waren wir zu Mittag beim Fast-Food-Nahversorger. Nicht einmal eine Stunde waren wir weg, weil die golden arches keine drei Minuten zu Fuß entfernt liegen. Als wir zurückkamen führte mein erster Weg aufs Klo und der meiner Mum auf die Terrasse (jeder hat Grundbedürfnisse die befriedigt gehören). Da hör ich meine Mutter durch die Häusltür durch: „Stand da nicht ein Baum?“ und ich denk mir „Na. Die macht sich lustig, weil ich ihr gesagt habe, dass ich mich an den anketten würde.“ und komme nach getaner Arbeit auf die Terasse.

So schnell haben sich meine Augen schon sehr lange nicht mehr mit Tränen gefüllt. Haben Arschgeburten tatsächlich den schönsten Baum der Welt umgeschnitten der bis zum heutigen Tage keinem Baugerät im Wege gestanden hätte und das Drecksgebäude ist auch schon tutti kompletti abgerissen!!! Ich verstehe es nicht. Dieser Baum stand weder im Weg, noch war er krank, noch ging von diesem Baum irgendeine Gefahr aus.

Seitdem führe ich einen innerlichen Kreuzzug gegen diesen Neubau und die Diskonterkette Süd. Die sollen sich bloß in Acht nehmen, alles korrekt zu machen! Ich habe 24/7 nichts zu tun und meine Couch ist mein Lieblingsplatz. Genauso wie ich meinen Baum von dort aus sehen konnte, sehe ich jetzt jeden Handgriff auf der Baustelle. Wenn mir da was schwarz vorkäme, wär ich mit dem denunzieren ganz schön schnell.

Ich war seit meinem Umzug hierher kein Freund vom Diskonter Süd, weil es da drinnen immer so muffig roch und man als Österreicherin schon meinen konnte in der Filiale für die dritte Welt zu stehen. Aber zukünftig werde ich nicht mal mehr meine schwedischen Haferkekse dort kaufen. Die Baummörder haben mein Geld nicht verdient.

Ruhe in Frieden mein allerliebstes Lieblingsbäumchen. Ich denke an dich.

Am Standesamt….

Wir haben die Vaterschaft am Standesamt beglaubigen lassen und herausgefunden, dass wenn man als Syrer einen syrischen Pass hat, alles totaaaaal easy ist – während man als Österreicherin gefragt wird

-„und wo ist der Staatsbürgerschaftsnachweis?“

-„Bitte da steht: Nationalität:Österreich. Ein Reisepass ist ein Staatsbürgerschaftsnachweis, sonst bräucht ich den ja gar nicht!!“

-„Na von Ihnen brauchen wir schon das Original.“

-„Ich schwör bei Gott, dass ist ein original österreichisher Reisepass! Und dass ich die Mutter von der Kleinen sein werde, wird wohl auch klar sein, bei dem Bauch – bei der Hitze steck ich mir kein Kissen rein.“

– „Na haben’s einen Staatsbürgerschaftsnachweis daheim?“

-„Sicher, allerdings von 1995. Da habe ich das erste Mal einen Reisepass beantragt.“

-„Dann schicken’s mir davon ein Foto.“

-„Okidoki.“

-„Herr S, keine Angst, mit IHREN Dokumenten ist alles in Ordnung!“

WHAT THE FUCK. Ich hab mich natürlich schon gefreut dass in Zeiten der BAMF Skandale ein Beamter gleich sagt, es passt alles mit den syrischen Dokumenten. Aber ein bisserl diskriminiert hab ich mich ob der Entfernung von 500 Meter Luftlinie zu meinem Heimatland schon gefühlt und ausserdem hat mich Herr S schon ein bisserl eingebildet angegrinst. I man I tram.

Dann gings ums Sorgerecht, das ich geteilt haben möchte, weil ich nicht will, dass mein Kind ohne Vater aufwächst wenn mir was passieren sollte. Hashtag Asylant, Hashtag österreichisches Kind in Deutschland, Hashtag wer weiß was meiner Familie im Anlassfall einfällt.

-„Na I würd des ned teilen, an Ihrer Stelle. Des könnens nie wieder aufheben – wissen’S wenn Die sich trennen wolln’S des vielleicht ned.“

– „Ungeachtet dessen was in Deutschland so abgeht bei Trennungen, wächst mein Kind nicht ohne Vater auf und damit basta.“

-„Na wartens doch mal ab.“

-„Worauf? Dass es zu spät ist? Ausserdem würden wir ja sowieso heiraten wenn das gehen würde. Zu dem Ring gehört ein zweiter.“ Grinser ausgepackt.

-„Na sie können ja eh heiraten… Er gilt ja eh als Deutscher, vom Recht her.“

-„Ahsooooo? Und was ist mit dem Nachweis, dass er nicht noch 4 Frauen in Syrien hat?“

-„Na des brauch ma nicht, bei dem Pass. Der Herr S unterschreibt uns das dann hier. Von IHNEN brauchen wir allerdings eine Geburtsurkunde, nicht älter als 6 Monate.“

-„Aber so eine Geburtsurkunde läuft doch nicht ab?!?!“

-„Nicht älter als 6 Monate. Und dann könnens einen Termin ausmachen. Herr S. sie bringen dann ihre einfach mit.“

Problem: Herr S hat keine, kann die auch nicht auf der Botschaft beantragen, er ist ja nicht ohne Grund geflüchtet und offiziell weiß ja niemand in Syrien wo er ist.

Egal, meinte Herr S., der Papa kann’s besorgen, und macht die Bakshish-Handbewegung.

-„Jo die muss dann halt von der Botschaft in Damaskus beglaubigt sein.“

Herr S. lacht:

-„Welche Botschaft in Damaskus?“

-„Na die deutsche!“ sag ich Augenzwinkernd.

-„Aber es gibt keine Botschaft in Damaskus.“ sagt Herr S.

-„Na muss ja nicht in Damaskus sein,“ meint der Standesbeamte.

Meine ich:

-„Ahso In Aleppo oder Palmyra oder doch Homs? Wo meinen Sie, dass die ist?“

-„Na ich schau mal nach.“

-„Es gibt keine Botschaft in Syrien. Keine Deutsche, Schwedische, Italienische oder sonst eine,“ meint Herr S. frech.

Der Standesbeamte gutiert Klugscheisserei nicht.

-„Na lass den armen Mann doch mal googeln! Der wird das schon wissen!“

Der Standesbeamte googelt selbstbewusst mit dem Bildschirm in Richtung dummes ausländisches Päärchen gedreht…..

und dann haben Salar und ich ihn schon sehr dumm angegrinst als wir schneller mit lesen fertig waren als er.

-„Ja gut dann eben in Beirut!“

-„Syrer können nicht in den Libanon einreisen.“

-„Nicht?“

-„Nein.“

Dann haben Salar und ich das ganze mal in Englisch bequatscht, weil schneller und nicht das Problem des Standesbeamten und sind zu dem Entschluss gekommen mit ein bisserl Bakshish bringt der Schwiepa das Dokument auch noch ausser Landes und es gibt noch einen Onkel in Beirut.

Da wir an einem Freitag am Amt waren und Freitag in Syrien der Sonntag ist,hat sein Papa an unserem Sonntag die Geburtsurkunde erhalten, am Montag wars übersetzt und am Donnerstag in Beirut. Am Freitag wars auf der Botschaft (die hat am Freitag geöffnet) – Wartezeit 10 Werktage. Mittwochs allerdings kam die Geburtsurkunde wieder retour zum Onkel. Problem: Das syrische Übersetzungsbüro wird von der Botschaft nicht akzeptiert.

Mittlerweile ist sie wieder in Damaskus und der Schwiepa lässt sie bereits von akzeptierter Stelle übersetzen.

Also momentan läufts noch ganz easy.

Ich muss halt noch meine Geburtsurkunde besorgen, aber dafür hab ich noch etwas Zeit.

Geheiratet wird übrigens im ganz ganz kleinen Kreis und in dem Gewand das mir passt und wenns nach mir ginge wär überhaupt niemand anderer anwesend ausser Salar und ich und der Standesbeamte. Aber das kannst ja auch nicht machen…. meine Mutter wär zu tiefst gekränkt. Also werdens dann ganz wenige sein – nicht mehr als 17 insgesamt. Das wird meinem Sparefroh-Papa sicher gefallen und nachher dann zum Mäci auf ein happy meal für jeden.

Offener Brief an die Stadtwerke Passau

Liebe Stadtwerke,

ich zahle im Jahr rund 425€ für ein Monatsabonnement – a.k.a. Jahreskarte. Wenn man das mit der 1,-€/Tag Jahreskarte in Wien vergleicht, ist das preislich schon kein Bemmerl. Wenn man aber die Bus-Intervalle hier mit den Bus-, U-Bahn- und Bimintervallen in Wien vergleicht ist das eine Absurdität. Zieht man dann noch die Pünktlichkeit zu diesem Vergleich hinzu führt das zu dem Zustand den man gemeinhin als Frechheit bezeichnet.

Ich bin seit einem Monat auf den Bus angewiesen um in die Arbeit zu kommen – zwischen 6 und 8 in der Früh fährt der wenigstens am Plan alle 15 Minuten ab. Das ist ja ganz anständig wenn der Plan nur der Realität entsprechen würde!!! Ich habe 5 Stationen zu fahren – nicht so wie auf der Spitalhofstraße wo an jeder Hausecke eine Station ist (und ich mal eine Station zum Spaß neben dem Bus hergegangen und gemütlich beim nächsten Halt wieder eingestiegen bin). Es handelt sich tatsächlich um eine Distanz für die ich 30 Minuten zu Fuß gehen müsste, der Bus legt diese Strecke in 5-7 Minuten (kommt auf die Anzahl der zu chauffierenden Lehrlinge an) zurück. Für mich kommen zwei fahrplanmäßige Zusteigezeiten in Frage um nicht lächerlich früh in der Arbeit zu sein – um 7:24 und um 7:39. Bei ersterem hätte (!!!) ich Zeit zum Bäcker zu gehen und zwei Zigaretten zu rauchen. Bei letzterem kann ich noch eine rauchen bevor ich um 7:55 einstempeln muss. Ich habe beide Busabfahrtszeiten im November getestet: es war an allen Tagen mäßig kalt, kein Wintereinbruch, Glatteis oder sonstiges. Der Bus war auch nie wirklich voll, ca 8-10 Lehrlinge und eine bis eineinhalb handvoll Erwachsene. Deshalb habe ich ein paar Fragen:

WARUM ZUM TEUFEL KOMMT DER BUS IM SCHNITT 7 BIS 12 MINUTEN ZU SPÄT?

WARUM FÄHRT ER NICHT PÜNKTLICH VOM ZOB AB? (Ich habe mich mehrfach bei anderen Passagieren erkundigt ob ein Stau war.)

WARUM PASSEN DIE STADTWERKE DEN BUSPLAN NICHT AN DIE REALITÄT AN ODER VERZICHTEN GLEICH AUF EINEN AUSHANG DER FAHRZEITEN?

GIBT ES IN PASSAU DIE CHANCE DASS DER BUS ZUMINDEST EINMAL IN DER WOCHE PÜNKTLICH IST?

IST ES MÖGLICH DIE VERSPÄTUNGEN AUF UNTER 5 MINUTEN ZU KÜRZEN?

Es ist megapeinlich im ersten Arbeitsmonat schon dreimal Bescheid geben zu müssen, dass man nicht pünktlich einstempeln kann, weil der Bus den man eine halbe Stunde vor Dienstbeginn nehmen möchte, sich so sehr verspätet.

Ich wundere mich auch täglich, wenn ich von der Arbeit wieder heimkommen möchte, darüber, dass der Bus bei seiner dritten Station der Fahrtstrecke bereits 3-5 Minuten Verspätung hat obwohl diese drei Stationen keine Ampel und 4 Gehminuten trennt.

Liebe Stadtwerke, zahlt den Busfahrern ein dem Preis des Monatsabonnements gerechtfertigtes Gehalt, damit diese auch wirklich mal so fahren wie im Plan vermerkt. Oder schult sie auf die Fahrpläne ein. Oder sensibilisiert sie für die Bedürfnisse der Passagiere. Oder setzt mehrere Fahrer und Busse ein. Oder tauscht die Papierpläne gegen eine elektronische Echtzeitanzeige. Oder seid selbst mal auf eure Busse angewiesen (keine „Betriebsfahrt“ sondern eine echte Busfahrt nach Plan). Oder ihr stellt mal eine Statistik auf um selbst zu sehen wie schlecht euer Service ist.

Meine Busstrecke liegt auf keiner Hauptverkehrsader. Die Fahrzeuge die hier verkehren sind Anrainer und ein kleiner Teil der Strecke ist sogar nur für den Bus freigegeben, deshalb wundert es mich umso mehr, dass der Bus hier nie pünktlich ist – an 24 Tagen kein einziges Mal in keine der Richtungen.

Jetzt habe ich noch nicht mal über die Fahrer gesprochen die während der Fahrt essen oder am Handy hängen oder darüber dass am Sonntag kein Bus vor 9:24 Uhr fährt, oder am Abend mal 2 Stunden mich keiner heimbringen kann… oder darüber, dass ich mehr Busse mit der Anzeige „Stadtwerke Passau“ oder „Betriebsfahrt“ sehe, als Busse die tatsächlich im Einsatz sind.

Ich weiß schon, dass die Zielgruppe, die ihr hier in dieser Stadt bedient, zum größten Teil keinen Zeitdruck hat (Pensionisten, Arbeitslose, Schüler) aber versucht doch mal den kleinen Prozentsatz der Kfz-losen Arbeitnehmer positiv zu überraschen und mal pünktlich zu sein.

Besorgniserregende Veränderungen

Seit ich nach Passau umgezogen bin, habe ich in mir ein paar Veränderungen wahrgenommen, die mich mittlerweile schockieren. Zuerst dachte ich es wäre eine Phase, aber nun nach 5 Wochen denke ich, es pendelt sich so ein.

Nummer eins der besorgniserregenden Veränderungen: Schlaf.

In den ersten Tagen nach dem Umzug bin ich um 22 Uhr erschöpft ins Bett gefallen und voller Tatendrang um 7 aufgewacht. Klar, dachte ich, ich möchte ja die Wohnung einrichten und möglichst schnell damit fertig werden. Als in der Wohnung das gröbste geschafft war, bin ich noch immer um 22 Uhr schlafen gegangen und um 7 Uhr aufgewacht. Ich hielt es für Nachwehen der Anstrengungen der vorangegangenen Tage. Jetzt, nach fünf Wochen, finde ich es abartig, dass ich in diesem großen Zeitraum nur ein einziges Mal nach Mitternacht schlafen ging. Und da war es 00:03 Uhr und ich war sogar schon geduscht!!!! WTF!!!!!1!111!!

Seit zwei Wochen arbeite ich Montag bis Freitag von 8 bis 16.30 Uhr und ich habe noch immer diesen alte Leute Schlafrhythmus mit der Steigerungsform „6 Uhr aufwachen ohne Wecker“. Auch am Wochenende!

In meinem Wiener Leben und auch davor im Landleben galt der Grundsatz „wenn man mich vor 10 Uhr weckt, steht besser schon mein Bett in Flammen ansonsten spielt’s Granada.“ Und vor eins oder zwei in der Nacht bin ich sowieso nie schlafen gegangen – meine kreativste Phase war drei Uhr morgens, da bekam ich immer die schrägsten Ideen, zum Beispiel „ab morgen geh ich täglich ins Fitnesscenter und ernähre mich gesund.“ Ich muss sagen, diese Ideen gehen mir hier ab.

Nummer zwei der besorgniserregenden Veränderungen: Shopping-Saturday.

Seitdem ich in der „Weltmetropole“ – NOT – Passau lebe, nehme ich jeden zweiten Samstagvormittag den Bus in die „Innenstadt“ und komme mit vollen Händen nach Hause zurück. Na nicht dass ich Essen für die nächste Woche einkaufe. Ich fahre explizit shoppen!!!! WTF!!! In den vergangenen 5 Wochen habe ich mir zwei Pullover, zwei Blusen (!!!1!!11!) und 2 T-Shirts gekauft. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wann ich das letzte Mal in so kurzem Zeitraum so viele Klamotten gekauft habe – 2008 in New York. Und das schlimme an der Sache ist: Ich freue mich auf meinen Shopping-Saturday ab Montag nach dem letzten!!!! Und dabei gibt es hier genau keine anderen Geschäfte als in Wien – all die gleichen Vornamen- und Zweibuchstaben-Fetz’ng’schäfte. Allerdings kommt es mir so vor als hätten die hier eine beschränktere Auswahl. 🤔

Nummer drei der besorgniserregenden Veränderungen: Arbeitsdepression

Bis dato ist es mir nur einmal in meinem Leben passiert, dass mich ein neuer Job bereits in den ersten zwei Einschulungswochen so runtergezogen und fertiggemacht hat wie dieser hier. Das war Februar 2012 im Sexshop und ich habe Mitte der dritten Woche gekündigt – es war sowieso nur eine Übergangslösung (wer will mit Dildos-schlichten schon alt werden?) und ich wohnte noch bei meinem Vater, somit war es scheiß-egal ob ich Kohle hab oder nicht.

Jetzt ist die Sachlage etwas anders… und es macht mich fertig. Ja, sudern gehört zu den Österreichern wie die Zitrone zum Wiener Schnitzerl und ich suder für mein Leben gern. In jedem Job gab es irgendwas auszusetzen aber das was hier abgeht, schlägt dem Fass den Boden aus. Als ob die Firma mit der Expansion in eine ehemalige Ost-Stadt die Stasi-Methoden von dort übernommen hätte… Der Job den ich wirklich immer gern gemacht habe, quält mich nun – inklusive Albträume in jeder zweiten Nacht – als ob ich traumatisiert werde. Meine Motivation um den Arbeitstag durchzudrücken ist das Dienstzeugnis der alten Firma, das ich mir mindestens dreimal in der Woche beim Frühstück schnappe und durchlese um daran erinnert zu werden, dass ich mehr kann als strunzdumm ein Telefon abzuheben. Ich ahnte ja von Haus aus, dass das Zusammenleben einen Preis haben wird – aber ich dachte nicht, dass der so hoch sein wird. Ich dachte eher an „offene Zahnpastatube“ oder „jeden Tag Fleisch“ als an „Job der aus der Hölle kam“. Beispiel: Zwölf Leute sitzen am Telefon und warten auf einen Anruf – einer ist eine rauchen, ein zweiter darf nicht auf eine Tschick gehen bis der erste zurück ist. Telefonieren dann aber 7 und nur noch 5 sind auf Anruf-Lauer kannst die Pause vergessen. Das finde ich echt extrem – und es macht nicht einmal wirtschaftlich Sinn seine Mitarbeiter so zu melken. Kein Wunder, dass da im letzten Jahr 28 gekündigt haben.

Ich strebe momentan noch keinen Berufswechsel zur Supermarktkassa an, aber ich werde in der nächsten Woche in der Personalabteilung vorstellig werden und um Versetzung in einen anderen Bereich bitten, wo ich nicht durchgängig zwei mal vier Stunden am Tag auf den Bildschirm starren muss – immerhin werden Leute auch in anderen Abteilungen gesucht – und mein Dienstzeugnis nehme ich dafür dann auch mit und reibe es denen unter die Nase.

Trennung in Passau

Die Lügenpresse hat bei uns im Haus zugeschlagen. Alle Hausbewohner haben die Nachricht bekommen, dass in der mikrigen Biomülltonne angeblich Styropor und Plastikdosen gefunden wurden – mit Foto. Das regt mich seit Tagen auf. Denn der abgebildete Mist ist unserer. Wir wissen ganz genau, dass wir das Plastik in den Restmüll geworfen haben. Zu allem Übel wissen wir auch, dass die 5-Liter Gebinde und das TV-Verpackung-Styropor so groß waren, dass die gar nicht in die Biomülltonne gepasst hätten – schon gar nicht, so wie auf dem Foto abgebildet, nebeneinander. LÜGENPRESSE!!!! Ich bin ziemlich nahe dran, den Hausmeister anzurufen und ihn zu fragen ob er komplett deppert ist und ob er so zur Welt kam oder es erst nachträglich wurde. Es ist eine Frechheit. Leider fehlt mir aber die Beweiskraft, dass wir es richtig entsorgt haben – hab mir ja nicht gedacht, dass ich davon ein Foto machen muss. Ich fühle mich zu tiefst beleidigt und in meiner Trenner-Ehre gekränkt. What the fuck.

Dieser Vorfall hat mir den letzten Anstoß gegeben, mich mit der Abfallentsorgung in Passau zu beschäftigen. 

Seit wir hier eingezogen sind überlege ich wo ich denn die zwei Wein- und eine Wodkaflasche aus Glas entsorgen soll… ich finde einfach keinen nahen Container – also stehen sie ausgewaschen in der Küche herum und ich habe die Sorge, dass wir vor lauter Altglassammelei bald keinen Platz mehr haben – immerhin wohnen wir erst seit zwei Wochen hier und es sind schon drei Flaschen….

Ausserdem bin ich äusserst irritiert ob des unendlichen Plastikmülls den ich hier tagtäglich vom Einkaufen mitheimnehme. Ich bräuchte hier im Haus einen Plastikcontainer, einen für Papier und einen für Biomüll. Dann wüsste ich nämlich nicht was wir im Restmüll noch zu entsorgen hätten…

Schon damals als ich vom Land nach Wien gezogen bin, hatte ich ein Problem damit, dass es keinen Plastikcontainer oder gelben Sack gab, wie ich es von meinem Elternhaus gewohnt war. Aber immerhin gab es mehrere Mistinseln im Umkreis von 500 Metern, so dass mir der Weg dorthin selten zu weit und es nie ein Umweg war. Ich möchte nicht behaupten, dass ich permanent strikt getrennt habe – das wäre zu idealistisch. Natürlich habe ich auch mal alles zusammen in den Restmüll geworfen – zur Arbeitserhaltung bei der MA48. Nochdazu gab es ja keine Biomülltonne und mit einem Apfelbutzen, den Erdäpfelaugen oder der Bananenschale zum Biocontainer fünfhundert Meter zu laufen war mir dann auch zu blöd.

Zurück nach Passau: ich habe einen Artikel aus dem Jahre 2012 gefunden, in dem berichtet wird, dass der Stadtrat kategorisch und aus haarsträubenden Gründen den gelben Sack ablehnt. Also habe ich weitergegoogelt – ich wollte wissen, ob es für die zuagraste Österreicherin mit Trennungswunsch eine Möglichkeit gibt dem nachzukommen. Die Antwort ist eher unbefriedigend ausgefallen: Ohne Auto ist es, wie im oben erwähnten Artikel aus dem Jahre Schnee, tatsächlich noch immer unmöglich den Wertstoffhof zu erreichen. Der ist irgendwo, man kann bei der Lage nicht mal mehr von Stadtrand sprechen. 

Aber ich habe einen Reststoffhof gefunden, der gar nicht mal so weit weg ist – also fußläufig. Leider hat der heute geschlossen und auch die nächsten Tage nicht geöffnet. Somit tu ich mir zeitnah etwas schwer dort zu recherchieren ob sie eigene Säcke haben für den Kunststoff – den würde ich dann nämlich wirklich sammeln und hinbringen. Einmal in der Woche kann man das ja machen und der Mist ist ja auch nicht gerade schwer zu tragen. Ansonsten muss ich uns halt große Säcke besorgen in dem wir den dann reinstecken können.

Ich würde gerne wissen, was Passau so mit dem ganzen ungetrennten Restmüll macht. Auch für diese Recherche würde ich ein Auto benötigen, der Müllhof ist irgendwo, und ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass im Rathaus keiner eine Ahnung hat. 

Auch einen Abfallabholkalender habe ich mir runtergeladen. Von den Abholzeiten bin ich schockiert. Unser 30-Parteien-Wohnkomplex hat eine kleine Biotonne (Leerung 2-wöchentlich, auch im Sommer), zwei Papiercontainer (Leerung ein Mal im Monat) und einen Restmüllcontainer (für den gibts wenigstens wöchentlich die Chance geleert zu werden). Bin ja gespannt ob wir da einen zweiten bekommen…. aber so wie ich das schon von Salars alter Wohnung kenne, warscheinlich nicht. Da gabs bei 70 Wohnungen zwei Container und am Wochenende vor und nach der Leerung stand der Mist schon davor herum. Ganz gschmackig.

Die näheste Wertstoffinsel habe ich übrigens mit Hilfe der Suchmaschine gefunden, ich Googlequeen. Da werde ich jetzt mal hinreisen – zur Entsorgung und zum Lokalaugenschein.

So viele nette Leute hier

sagt Salar jedes Mal wenn wir am Busbahnhof sind. Und ich muss sagen, es sind ausgesprochen viele ausgesprochen nette Leute in Passau.  Prozentuell definitiv mehr als in Wien, in der Anzahl aber sicherlich doch weniger.

Wenn wir von netten Leuten sprechen, meinen wir das Gsindl. Ja, es ist nicht politisch korrekt Alkohol- und/oder Suchtkranke so zu bezeichnen. In meinem gesamten Dasein auf diesem Planeten ist mir eine Ansammlung in größerem Ausmaß nur noch einmal untergekommen – und das war im Mai auf unserer Deutschlandtournee in Wuppertal (ich war schon mehrfach in New York). Und dort haben wir nur 90 Minuten verbracht – einmal die gesamte Schwebebahnstrecke und zurück.

Heute bin ich mal wieder reingefahren in die Stadtmitte. Ich fühle mich dort aber ehrlich gesagt nicht wirklich wohl, wenn da überall suchtkranke Menschen herumlungern, denn ich finde ein G8-Land wie Deutschland hat das nicht nötig. Ein bissi Abgeranztheit finde ich ja gar nicht mal schlecht – ich mag und mochte auch die  abgefuckten Grätzel in Wien. Aber im Gegensatz zu hier habe ich mich dort nie wirklich unwohl gefühlt. Meine „Hausubahnstation“ in Wien war das „Drogenzentrum NEU“. Ich bin da zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs gewesen (irgendwie muss man ja heim) und ich hatte nie ein mulmiges Gefühl – eventuell lag das ja an der Polizeipräsenz. Es wird dort mindestens viermal am Tag patroulliert. Hier am Land in Niederbayern fühle ich mich aber unsicher. Ich glaube fast die  Pfandflaschenstirrler und Billigbier- sowie Rauschgiftkonsumenten sind nach den Touristen die zweitgrößte Minderheit hier. Dann kommt lange nix – dann kommen ausländische Mitbürger. Urlustig, jedes Mal wenn ich hier eine andere Hautfarbe sehe als die meine, fällt mir das auf – in Wien wahahaha da war ich den größten Teil meines Fortgehlebens definitiv die Minderheit.

Zurück zum Gesox: Es ist UNPACKBAR! Ich habe überhaupt nix gegen den Stinki am Bahnhof der von Februar bis November im Unterleiberl herumläuft – wenn es richtig heiß ist auch ganz barbusig, im Winter immer bejackt. Und auch den ungefähr im selben Zeitrahmen immer bloßflüßig herumlaufenden, mit sich selbst streitenden „Müllmann“ finde ich in einer absonderlichen Weise leiwand. Aber die einmarinierten 16-45 jährigen am ZOB (=zentraler Omnibusbahnhof) finde ich abstoßend. Bei denen denk ich mir immer „wennst mein Kind wärst, ich würd dich abfotzen bis es nimmer geht“- und dabei bin ich hundertprozentige Verfechterin der gewaltfreien Erziehung. Wenn ich gut drauf bin, erzähle ich Salar immer was ich glaube was der eine oder die andere gerade denkt, wenn sie so in die Leere starren….

Nein, sie haben mir bis jetzt nichts getan – sie haben mich ja noch nicht mal angesprochen oder überhaupt bemerkt. Dennoch verstört mich deren Anblick extrem und ich frage mich warum es gerade hier in Deutschland so viel Ruaß gibt und warum man sich darum nicht kümmert? Ich wünsche mir keine Ghettoisierung oder Vertreibung von den Brennpunkten – das ist nur eine Schwerpunktverlagerung und löst das Problem nicht. Aber ich wünsche mir Sozialarbeiter die da dreimal die Woche hinschauen und einen Caritas-Arztbus einmal wöchentlich und eine Vinzirast der Caritas, wo sich Obdachlose ihr Süppchen wärmen können. Das gibt es. Das weiß ich. Ich habe es in Wien sehr oft gesehen. Und zusätzlich, so glaube ich, benötigen gerade Jugendliche in Deutschland sowas wie Moralunterricht. Ich war heute in einem Nichtnurdrogeriemarkt in der Schreibwarenabteilung und habe dem Mädel das neben mir großzügig Washi-Tape mitgehenlassen wollte, obwohl ihr Vater eine Reihe weiter gerade Klarsichthüllen inspizierte, folgenden Rat mitgegeben: „gib dein Geld nicht nur für Kosmetika aus, dann kannst du dir die Klebebänder auch noch am Monatsende leisten.“ – Sie hat sie zurückgelegt und ich habe sie bis zu – Achtung! österreichischer Filminsider – „den Haarfestigern verfolgt“.