Fragen an gemischtkulturelle Familien

Was die Menschen in unserem Umfeld am meisten bewegt:

1. In welcher Sprache spricht ihr mit dem Kind?

2. Welche Religion hat das Kind?

3. Und habt ihr euch überlegt wie ihr das mit Weihnachten machen wollt?

Zu 1:

Ich spreche mit dem Küken Österreichisch. Der Göttergatte spricht Arabisch und gemeinsam sprechen wir Englisch.

Das klassische Gespräch darum geht so oder so ähnlich:“Ja aber du sprichst ja kein Arabisch!“ „Und?“ „Na ich finde das nicht gut, dass der Göttergatte Arabisch mit dem Kind spricht!“ Da fang ich dann immer an zu lachen. „Ich denke nicht, dass mein Kind vom Vater radikalisiert werden würde.“ „Weisst das? Du verstehst es ja nicht!“ „Ich verstehe Arabisch sinnerfassend und immer besser.“ „Das reicht doch nicht! Es geht um die Nuancen!“ Da hört das Lachen auf und ich zische ein „Nazi“.

Schöner fand ich das Gespräch mit dem Glaser, der beim Terrassentürbegutachten natürlich auch den Sprachwirrwarr mitbekommen hat: „Und wos sprichts es do ois?“ „Englisch, Arabisch, Österreichisch.“ „Des is scho vü. Des oame Kind! Des wiad amoi Probleme hom do!“ „Wieso denken sie das?“ „Na, Englisch is wichtig, an de Araba hom ma uns a scho gwehnt. Owa Österreichisch? Des wiad ewig ghanselt wern!“

Zu 2:

Unser Kind kann die Religion annehmen die es möchte. Muslima, Katholikin, Buddhistin, Jüdin, Atheistin, Heidin…. scheißegal. Wir möchten ihr alle Religionen erklären. Für uns am wichtigsten ist, dass sie an etwas glaubt – und auch wenn es „nix“ ist – aber sich auf jeden Fall an das hält was alle Religionen verbindet auch wenn sich keine Religion darin rühmt und das sind in christlichem Sprech „die 10 Gebote“.

„Ja aber du bist doch katholisch!“ „Ich bin aus der Kirche länger ausgetreten als ich dabei war!“ „Das ändert deinen Glauben ja nicht!“ „Laut Islam wird die Religion über den Vater vererbt. Somit wäre sie Muslima.“ „Aber du bist hier nicht in einem muslimischen Land!“ „Ich bin hier auch nicht in einem katholischen Land.“

Lustig finde ich, dass ich die Diskussionen mit den Menschen führe die seit Jahrzehnten keine vollständige Messe besucht haben, abgesehen von der „sehen und gesehen werden“ Christmette.

Zu 3:

Wir haben uns gar nix überlegt. Weihnachten ist ein Konsumfest. Das einzige was ich mir überlegt habe – und das eher spontan – war die Sache mit den großelterlichen Weihnachtsgeschenken an unser Kind. Ich möchte nämlich, dass sie zu diesem Anlass langlebige Wertgeschenke (Edelmetall) erhält, mit denen sie etwas anfangen kann wenn sie Erwachsen ist. Das stieß tatsächlich auf großelterliche Gegenliebe.

Weihnachten empfand ich immer extrem stressig. Als Kind und Jugendliche und als Erwachsene. Als Kind hatte ich wegen meiner Feuerphobie panische Angst vor Weihnachten mit den Kerzen und Sternspritzern am trockenen Baum – da half auch die Abhärtung mit dem Adventkranz in den Wochen davor nichts. Es gibt kein Homevideo in dem ich nicht heulend vorm Baum stehe. Als Jugendliche fand ich dieses Herumgerenne und -gefahre zu allen Verwandten fürchterlich und ganz besonders, dass wir ab dem 26. in den Schikurs gesteckt wurden und so gar keine Zeit hatten in den Weihnachtsferien unsere Geschenke zu spielen. Als Erwachsene und damit Scheidungskind (ich war 20 als die Eltern sich trennten) wurde Weihnachten dann richtig nervig. So nervig, dass ich das Fest dann irgendwann mit Extraschicht in der Arbeit umging. Und in der Arbeit war Weihnachten immer am entspanntesten: es gab Brötchen und Alkohol und jeder erzählte die Horrorweihnachtshighlights aus der eigenen Biographie und auch die Anrufer waren netter und weniger als sonst.

Letztes Jahr überraschte mich der damals noch nicht Göttergatte mit dem Wunsch Weihnachten „so richtig“ zu feiern: mit Baum, traditionellem Weihnachtsessen, selbstgemachter Weihnachtsbäckerei und Geschenken.

Dieses Jahr haben wir uns dazu entschieden, dass kein Baum für uns sterben muss und kauften einen Stahlbaum im Bauhausstil den ich mit Kugeln und Lichterkette schmückte.

Mein Lieblingsmoslem, der letztes Jahr erstmals Weihnachten feierte, meinte, es fehle das weihnachtliche.

Wir werden einfach herumprobieren bis wir unser Weihnachten gefunden haben – oder bis wir es wieder absagen.

Ich wünsche meinen LeserInnen ein ruhiges Fest und ein bisschen Verschnaufpause!

Schlaft, Eltern, schlaft…

Sechs Wochen sind wir jetzt schon Mama und Papa. Alles ist anders. Alles ist schöner. Alles fühlt sich näher an.

Besonders der Schlaf. Ich wußte schon, dass Morpheus seine Arme für mich nur noch zitzerlweise ausbreiten wird. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass ich es mir selbst so schwer machen würde!

Ich dachte, ich werde nicht nur tagsüber sondern auch in der Nacht eine entspannte Erstlingsmutter sein… LOL.

Da man ab dem Zeitpunkt der Geburt permanent ungefragt mit dem SIDS konfrontiert wird, stieg da von ganz alleine eine ungesunde Panik in mir auf. Herrgott, ich wußte schon (immer), dass ein Baby keinen Polster braucht, am Rücken liegen und in einen Schlafsack gesteckt werden soll, damit man sich am Kind möglichst lange erfreuen kann. Aber die meisten „(pseudo)professionellen Kinderbeschützer“ fühlen sich durch ein „weiß ich alles“ noch mehr angestachelt es bis ins kleinste Detail bei jeder Gelegenheit zu wiederholen. Das führte bei mir zu folgendem Verhalten: bei jedem Grunzer meiner Erstpressung bin ich hellwach. Und mein Baby grunzt viel. Also eigentlich ständig, wenn ich sie ablege. Besonders wild ist es, wenn es tagsüber viele neue Eindrücke gab. Wir wissen mittlerweile, dass das normal ist und uns wurde geraten „bloß nicht darauf zu reagieren, sonst bleibt das so“ und wenn es uns zu sehr nervt sollen wir „das Kind in einen anderen Raum bringen“. Das hat die mittelalterliche Kinderärztin gemeint. Hat wahrscheinlich bei Mengele studiert. Wie herzlos ist das bitte?! Ich bin eine Kämpferin für kindgerechtes Aufwachsen ohne herzlose Herumerzieherei. Ich gehe davon aus, dass entweder das entwicklungsbedingte Grunzen aufhören wird oder ich mich daran gewöhnen werde.

Ursprünglich hatten wir uns überlegt das große Gitterbett an die unserem Bett gegenüberliegende Wand zustellen. Diese Idee wurde allerdings schon im Spital als nicht umsetzbar verworfen, da wir beide die Kleine doch gerne in Reichweite haben wollten. Also haben wir ihr Bett ans Fußende des unsrigen geschoben und beschlossen verkehrt herum zu schlafen. Das haben wir cirka drei Wochen durchgezogen, bis ich bekannt gab, dass mir das „Aufwachen-Brille suchen- Aufsetzen-Umdrehen-Schauen-Für nix“ extrem zu mühsam ist und mindestens zehn Minuten Schlaf raubt pro event.

Seither liegt die Grunzerin auf meiner Bettseite, ich liege dort wo größere Doppelbetten eine Besucherritze haben und der Papa liegt auf einem Matratzenrest von „damals in der Armee hatte ich mehr Platz im Feldbett“-Größe die je nach Nacht zwischen 15 und 50 Zentimetern Breite schwankt. Ich habe dem Papa schon mitgeteilt, wenn er mein Stillkissen nicht zwischen die Beine klemmen würde, hätte er mehr Platz. Daraufhin meinte er, ich könne ihm „Würde und Schlafplatz stehlen, aber nicht „sein“ Stillkissen“ und „es sei faszinierend, dass in Länge 56 Zentimeter Mensch eine Bettbreite von 100 Zentimetern benötigt.“ Es ist auf Grund seines (des Papas) unruhigen Schlafes leider keine Option das Kind in die Mitte zu legen, also benötigt es als Pufferzone zum Bettrand eben mehr Platz.

Wir sind alle Optionen durch, haben unser Bett mehrfach verschoben. Es hilft alles nichts. Bis wir uns daran gewöhnt haben, dass unserem Kind auch dann nichts passiert wenn wir unsere Augen geschlossen haben, benötigen wir ein kleines Beistellbett. Das habe ich gestern bestellt. Wir hoffen es kommt noch vor dem Wochenende an. Wir würden nämlich gerne mal Beischlaf als Eltern praktizieren oder einfach nur mal vier bis fünf Stunden Schlaf am Stück vor der nächsten Milchmahlzeit, das wäre auch schon was.