Fasttag 3

Wie geht es und mit dem Fasten?

Erstaunlich gut, muss ich sagen.

Ich dachte eigentlich, dass das plastikfrei einkaufen im normalen Supermarkt schwerer sein würde. Es ist aber nur mehr Denkarbeit.

Wenn ich zu Hause überlege was gekocht werden soll, muss ich zuerst überlegen ob es die Zutaten überhaupt ohne Plastik zu kaufen gibt. Dann muss noch die richtige Anzahl an Stofftaschen mitgenommen werden und das war es dann auch schon. Brot landet im Wäschenetz (das an Waschtagen wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt wird). Obst und Gemüse wird passender Weise in der Werbestofftasche der (österreichischen) Grünen gekauft. Da ich die Transportbänder an der Supermarktkasse supergrindig finde, zahl ich die fünf Deka Sackerl gerne drauf.

Gestern gab es Kartoffel-Lauch-Gratin. Heute wird es Kürbissuppe geben.

Seltsame Blüten treibt allerdings der „wir müssen alles Plastik das wir besitzen loswerden“-Wahn vom Göttergatten:

Wir haben ja nicht schleichend unseren Plastikkonsum reduziert, sondern „von jetzt auf gleich“. Also gibt es in unserer Küche noch einige in Plastik eingepackte Lebensmittel. Ich dachte, wir können diese so aufbrauchen, wie wir sie benötigen. Der Göttergatte sieht das anders. Natürlich wäre wegschmeissen haram. Aber er möchte die Dinge SOFORT loswerden – also aufessen. Somit gab es heute trockenes Pitabrot mit Pecorino und einem Liter Wasser mit einer Menge Sirup für jeden als Jause – bei der stolz verkündet wurde, dass wir wieder vier leere Packungen entsorgen konnten. Wir haben in den letzten drei Tagen nur „alte“ Plastikpackungen entsorgt. Neuer Plastikmüll besteht momentan aus einer Banderole vom Saatgut-Adventskalender und dem doofen Sticker von einem Apfel. Beides ärgert mich schon sehr – weil es so unnötig ist.

Apropos unnötiger Müll: Wir haben schon überlegt ob wir den an die Hersteller zurückschicken sollten, damit die sich selbst um die Entsorgung kümmern können… 🤔

W.W.G.D.

What would grandmother do?

Mit dieser Frage beschäftigen wir uns oft.

Meine Antwort wäre, wäre diese Frage wirklich auf meine Großmütter bezogen: Mütterlicherseits hätte ich keine Ahnung, wahrscheinlich hätte sie Angst vorm Großvater. Fragen kann ich sie leider nicht mehr, da sie mit Demenz und nach mehreren Schlaganfällen ohne Reaktionsfähigkeit in einem Pflegeheim liegt. Väterlicherseits, sie ist gestorben als ich zehn war, wir lebten allerdings im selben Haus und sahen uns täglich, wäre die Antwort wohl: Sie hätte gewartet bis es jemand für sie getan hätte – nicht aus Faulheit oder Bequemlichkeit, sondern einfach weil sie keinen blassen Schimmer hatte (mein Gefühl als Kind) oder weil sie einfach nicht wollte (meine objektivere Vermutung als Erwachsene, nachdem ich etwas mehr Tau über meine Großeltern gesammelt habe).

Also denke ich, wenn wir uns das fragen, immer an imaginäre Großmütter. Meine imaginären Lieblingsgroßeltern waren übrigens immer die aus dem Buch „Brav sein ist schwer“.

Warum stellen wir uns diese Frage überhaupt?

Wir wollen uns damit in Erinnerung rufen, dass unser Leben so bequem ist, dass wir total vergessen (haben), dass es nicht immer so war.

Das was früher Mühsal war, ist jetzt eine Leichtigkeit über die wir gar nicht nachdenken und für die wir einen hohen Preis zahlen (in Landeswährung und Gesundheit).

Alles muss schnell und vor allem immer verfügbar sein.

Wir wollten aber schon lange nicht mehr industrielle Scheiße konsumieren. Wenn ich Inhaltsangaben von Produkten lese, die uns so „zum Fraß hingeworfen werden“ – kommt mir regelmäßig das Speiben. Und das ganz besonders bei Lebensmitteln.

Beim Einkauf gehe ich schon seit Jahren nach dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“ vor. Finde ich auf einer Packungsangabe Wörter die ich nicht herleiten und/oder aussprechen kann oder Nummern oder Dinge (meistens Zucker) die nicht darin vorkommen würden, würde ich das Produkt selbst herstellen, kaufe ich sie nicht. Aus diesem Grund landen in meinem Einkaufskorb äusserst selten Convenience-Sackerln und -Packerln. An dieser Stelle gebe ich auch gerne zu, dass ich auf manche – nach obiger Ausführung – böse Produkte dennoch nicht verzichte(te) (das TE in Klammer, weil das alles in Plastik verpackt ist und somit in Zukunft wohl flach fällt), einfach weil sie mit einem nostalgischen, heimeligen Gefühl (Essen wie bei Muttern) verbunden sind.

Letzte Woche, als mein Baby starkes Bauchweh hatte und bitterlich weinen musste, erinnerte ich mich an die Tropfen, die ihr ohne ersichtlichem Grund (mit der dummen, überforderten und nicht klar denkenden Mutter kann man es ja machen) im Spital vorm Haare waschen (!) verabreicht wurden und die gegen Koliken sein sollten. Ich war schon kurz davor, die zu kaufen, wollte aber vorher recherchieren woraus die eigentlich bestehen und fing beim Lesen der „weiteren Inhaltsstoffe“ zu weinen an. Man hat meinem Kind ALUMINIUM (!!!) in den Mund getröpfelt! What the fuck. In meiner Wut habe ich dann gleich alle anderen Tropfen gegen Koliken gecheckt und in ALLEN ist Aluminium enthalten. Alle Tropfen gibt es auch für Nicht-Babies in Tabletten ohne Alu drinnen. Danke. What would granny do? Kümmeltee. Daraufhin habe ich Baby-Fläschchen (aus Glas) gegoogelt, in der Hoffnung welche mit Sauger ohne Silikon und den ganzen hormonellen Stoffen zu finden, bin fündig geworden und das gab es sogar beim Drogeriemarkt vis a vis. Während der Tee durchzog waren wir einkaufen und als wir zurück waren, konnten wir auch das Bauchweh bekämpfen. Ohne Chemiekeule. Eventuell etwas langsamer – dafür tatsächlich magenschonend.

Es gibt übrigens auch Zahnpasta mit Aluminium drinnen. Wenn man da beim Einkaufen nicht aufpasst wie ein Haftlmacher landet das Deo mit „Jetzt neu ohne Aluminium“-Sticker mit der Zahnpasta gemeinsam im Einkaufskorb. Warum sollte ich was auf meinen Schleimhäuten wollen, was ich nicht auf meiner Haut will???

Aus diesen Gründen fragen wir uns die Überschrift fast täglich und machen viele Produkte selbst, die andere kaufen.

In unserem Haushalt wird mit Kernseife gewaschen (uns selbst (pur) und alles was schmutzig ist (in Kombination mit anderen Inhaltsstoffen) ), die meine Urgroßmutter (!) im 2. Weltkrieg hergestellt hat und Kistenweise bei meinem Vater am Dachboden rumgammelt. Es gibt keinen Fleck den die nicht rauskriegt. Meine Haare wasche ich mit Roggenmehl – eine Supersauerei, aber die Haare werden so schööööööööön. Den Popsch unserer Tochter reinigen wir mit Wasser und Waschlappen. Unseren eigenen reinigen wir nach dem großen Geschäft auch mit reinem Wasser – allerdings aus der Podusche mit ein bisserl Wasserdruck. Feuchttücher sind bei uns schon seit Monaten aus. Zähne kann man zwar auch mit Kernseife putzen, aber ich wasch mir doch meinen Mund nicht selbst mit Seife aus. Also haben wir unsere eigene Zahnpasta hergestellt. Zum Abschminken (ich schminke mich vielleicht wenn es hoch kommt zwei Mal im Jahr) und zur Körperpflege verwende ich Kokosöl – seitdem hält sich meine Neurodermitis auch im Zaum. Zum Wäschewaschen verwenden wir biologisch abbaubares Waschmittel (gekauft) im Wechsel mit Kastanien. Ich freue mich schon darauf, wenn die mein Kind aufklaubt.

Wir pressen unseren eigenen Saft – heute gab es Apfel-Kiwi-Weintraube, die einzigen unverpackten Früchte im Supermarkt. Wir machen neuerdings unsere Nudeln selbst.

Der Göttergatte bäckt gerne Brot. Ich koche gerne ein. Allerdings haben wir uns im letzten Jahr dafür sehr selten Zeit genommen (einmal gab es Brot und ich habe Rhabarber-Kompott eingekocht – shame on us).

Das Take-Away hält sich bei uns in Grenzen – wir leben ja nicht in New York oder Wien sondern in Passau 😂. Bei uns wird an mindestens 29 Tagen im Monat frisch gekocht.

Wir haben kein Auto. Wir verfluchen diesen Umstand mehrmals pro Woche, werden ihn aber nicht ändern auch wenn wir den Garagenstellplatz um 50 Euro zur Wohnung dazumieten mussten. Wir machen alles per ÖPNV. Es ist eine Tortur und es glaubt uns hier in Deutschland keiner, dass wir SO überleben können- aber mei, unsere vier Großmütter hatten alle keinen Führerschein!

In der Wohnung in der wir wohnen ist es das ganze Jahr wohlig warm, da sie direkt über dem Heizraum liegt. Für unsere Prinzessin heizen wir punktuell wenn nötig ein bisserl zu (z.B. im Badezimmer wenn gebadet wird). Ich bin selbst in einer ebenerdigen undichten Wohnung ohne Keller und ohne Isolierung groß geworden und war sehr selten krank.

Heute ist mein Saat-Adventskalender (leider mit unnötiger Plastikbanderole) gekommen und ich freue mich schon darauf im Frühjahr mit dem Garteln zu beginnen. Erstmals in meinem Leben. Nachdem der Basilikum aus dem Supermarkt vier Monate überlebt hat (er steht noch immee lebend auf der Fensterbank), fühle ich mich reif dazu.

Man wächst mit seinen Aufgaben.

Am Markt

Beim Standl von einem österreichischen Hofladen.

Es gab Milchprodukte und ein bissl Antipasti (Oliven, gefüllte Peperoni…).

Wir haben eingekauft und uns beraten lassen und die Dame wurde nicht müde zu betonen, dass alles aus dem guten Österreich kommt. Ja, sag ich, ich komm ja eh auch aus Österreich. Ja, sagt sie, deshalb sagt sie es mir ja, damit ich weiß, dass es von Dahoam kommt.

Wir haben gerade bezahlt und waren dabei unsere erworbenen Güter im Kinderwagen zu verstauen, als sich die Verkäuferin der nächsten Kundin zuwandte.

Das belauschte Gespräch, gebe ich hier als Gedächtnisprotokoll wieder.

Kundin (K): „Ich habe eine Reklamation zu machen.“ (kramt im Sackerl)

(Ui, denk ich, Reklamation? Ich hab gerade hier eingekauft!)

Verkäuferin (V): „Ohje, was hamma denn?“

K:“Ich war am Freitag hier bei ihrem Kollegen und habe Oliven gekauft.“ (zieht eine Plastikschale mit Deckel aus dem Sackerl)

V:“Jaaa?!“

K:“Ich muss sagen, ich bin zu tiefst enttäuscht, was mir ihr Kollege eingepackt hat. Ich habe es erst zu Hause gesehen.“

V:“Was ist denn mit den Oliven?“

K:“Der Kollege hat TATSÄCHLICH DREI SCHNITZER ZITRONE dazugepackt! Das ist Abfall! Ich zahle doch nicht für Abfall! Ich habe es schon drei Freundinnen erzählt! Das ist eine Frechheit! Das kann man doch nicht machen!“

An diesem Punkt bin ich in die Knie gegangen vor lauter Lachen und die Tränen liefen an meinen Wangen runter.  Die Verkäuferin sah mich dankbar an – die durfte ja nicht lachen.

V: (sehr professionell) „Nun, Abfall ist die Zitrone sicher nicht. Die meisten Kundinnen freuen sich darüber und essen sie mit.“

K:“Das ist echt ekelhaft. Eine Zitrone hat hierin nichts zu suchen.“

V:“Das tut mir leid, dass sie das so sehen. Ich gebe ihnen gerne drei Oliven im Austausch mit den Zitronenschnitzern.“

K:“Das ist das mindeste was sie tun können.“

Ich habe mich an dieser Stelle mit einem „OIDA! Ich kann es nicht glauben! Wie deppert sind die Leut da?!“ dem nächsten Standl zugewandt.

Wenn man nicht weiß, wie Oliven eingelegt werden (können), sollte man doch eher die im Supermarkt im schmalen hohen Glas mit „Paprika“ statt Kern um 59 Cent kaufen….. oder?!

Und dann ärgere ich mich über mich, dass ich nicht auf Zack reagieren kann. Im Nachhinein hätte ich nämlich gerne in ihr öliges Behältnis gegriffen und die Zitronenschnitzer mit den Fingern rausgegessen.

Meine Reaktion zeigt mir übrigens auch, dass ich für direkten Kundenkontakt Auge-in-Auge SOWAS VON ÜBERHAUPT NICHT geeignet bin. Am Telefon war ich doch immer gut aufgehoben…Augen rollen sieht man nicht und das Lachen kann man stumm schalten.

Respekt gegenüber allen, die im direkten Kundenkontakt stets die Fassung bewahren müssen.

 

 

Fasten bis Weihnachten

In den letzten paar Tagen haben wir uns einige – nennen wir sie mal – Öko-Dokumentationen im Streamingdienst angesehen, die ich meinen LeserInnen nur empfehlen kann, sollte sie das Thema „linkslinkes Weltverbessern“ interessieren.

All jene die es nicht interessiert > verschwendet eure Zeit nicht mit dem Lesen dieses Artikels.

Wir haben uns folgende angesehen:

  • Sustainable: haben wir, ehrlich gesagt, nicht zu Ende gesehen, weil wir von den Bedürfnissen des Babys mehrfach unterbrochen wurden und wir dieses Thema schon in mehreren anderen Dokus gesehen haben – es geht um nachhaltige Landwirtschaft.
  • Before the Flood: Leonardo DiCaprio für die, die so wie ich, der Ansicht sind, er scheine ein leiwander Kerl mit einem schlechten Frauengeschmack zu sein. Die augenfreundlichere Version von Al Gore.
  • Minimalism: Doku von zwei Typen übers basic-living. Lässt mich meine, im Vergleich zu anderen, eh schon kleine Kleidersauswahl nochmals überdenken. Auch über unseren vollgestopften Keller. Was uns besonders nachdenklich gemacht und eine Diskussion angeregt hat, war der Fakt, dass bei deren Vorträgen eigentlich nur alte Leute gesessen haben und kaum junge.
  • An Inconvenient Sequel: Truth to Power: Al Gore’s unbequeme Fortsetzung von An Inconvenient Truth. Wir haben echt nichts gelernt in den letzten Jahren.
  • A Plastic Ocean: Ja da sieht man mal, was wir täglich unserer Umwelt und uns selbst antun. Ein Augenöffner.

Letztgenannte Doku hat uns erschrocken und gefesselt und uns oft auf unser Kind in unseren Armen blicken lassen. Wir haben oft auf Pause gedrückt um über das soeben gesehene diskutiert. Was wollen wir unserer Tochter – unseren Kindern – beibringen?

Der Göttergatte meinte, unsere Kinder müssen solche Dokus sehen. Ich sagte: Ja natürlich. Aber was bringt eine Dokumentation im TV wenn wir gleichzeitig eine Plastikpackung Chips verdrücken und Saft aus der Plastikflasche trinken? Eine Doku nützt nichts, wenn man sein Verhalten nicht ändert.

Dann habe ich den Vorschlag gemacht, wir könnten doch ein kleines Projekt starten – Plastikfasten bis Weihnachten.

Der Gemahl war sofort angetan und wir haben es per Handschlag besiegelt.

Also werden wir nun versuchen, das bis Weihnachten durchzuziehen.

Hier die ersten 24h:

Ich habe gestern zum Abendessen Nudeln selbst gemacht. Ohne Nudelmaschine. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Nudeln gemacht, somit habe ich sowas nicht .(Okay, ich gebe an dieser Stelle zu, ich habe einen richtig guten und teuren Dörrautomaten seit sechs Jahren und dreimal gedörrt – shame on me.) Es war fast schon lächerlich wie einfach das ging – auch ohne Hartweizengrieß, weil wir nur in Plastik eingepackten finden konnten, oder einen in Papier mit Plastiksichtfenster – als ob man der Firma, die „Hartweizengrieß“ auf die Packung schreiben lässt, nicht trauen könnte….

Wir hatten keinen Pfeffer mehr. Man glaubt es kaum, doch es gibt weder im „normalen“  noch im „bio“ Supermarkt Pfeffer ohne Plastikpackung. Bio ist da fast noch schlimmer, weil der hat noch den green-washing Karton rundherum. Pffff. Ich war schon ganz schön frustriert.

Heute waren wir am Markt. Butter und Käse in Papier! Obst und Gemüse gänzlich unverpackt! Nur leider, alle Fleisch-Standler verpacken in Plastiksackerln. Mal abgesehen davon, dass die heute sowieso nur Schwein im Angebot hatten, müsste ich in Zukunft mein eigenes Gebinde mitnehmen. Was mir nichts ausmacht.

Danach waren wir noch beim Türken. Ich sag Türke, weil ich mein ganzes Leben lang schon „zum Türken“ einkaufen gehe. Auch wenn der schon mal Rumäne oder Grieche war und hier in Passau ist es ein Araber. Ich liebe die „türkischen“ Gemischtwaren-Handlungen, wo man in schlechtem Deutsch super bedient wird. Der arabische Türke hier hat 90% arabische Produkte. Das macht mich als Kundin zur Exotin. Ich kann nur 10% lesen. Der Rest der zum Kauf dargebotenen Waren erschließt sich mir durch Begutachtung. Heute hatte ich aber meinen Einkaufsjoker mit, der mir dann auch die „Sichtware“ bestätigen konnte. Und – Allah sei Dank – es gab dort doch tatsächlich ALLE Gewürze im Glas! Sogar die, die es in Deutschland nach meinen Recherchen im konventionellen Supermarkt eigentlich gar nicht geben sollte (plus das Pizza-Gewürz). Zu meiner schieren Begeisterung werden alle Gewürze unabhängig der Füllmenge zusätzlich noch in Gläsern gleicher Größe und Art verkauft. Das bedeutet: irgendwann in ferner Zukunft, wenn ich alle schon im Haushalt vorhandenen Gewürze aufgebraucht haben werde, werden alle Gewürze in gleichen Gebinden vorhanden sein. Das freut das Auge. Wir haben uns mit fünf Gewürzen eingedeckt (zwei davon MUSS man angeblich haben, wenn man arabisch kocht, laut Göttergatte). Der Pfeffer war auch dabei.

Am Abend habe ich meiner Mama von unserem Projekt erzählt. Obwohl sie meinen Weltretter-Projekten immer skeptisch gegenübersteht, war sie von diesem fast schon angetan. „Da kannst ja gar nix mehr im Supermarkt kaufen! Bei euch gibt es ja noch mehr in Plastik als hier!“ Ja, da hat sie Recht. Im Supermarkt ist abgesehen von ausgewählten Stücken Obst und Gemüse, alles in Plastik. ALLES.

Was gar nicht plastikfrei zu haben ist, ist Klopapier. Blöd, dass wir das genau heute kaufen mussten. Egal. Wie meine beste Freundin meinte, man müsse ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Das Klopapier-Kondom wird als Müllsack einer zweiten Bestimmung zugeführt.

Unser Küken macht übrigens nicht mit bei dem Projekt.

Wir wollten zwar von Anfang an mit Stoffwindeln arbeiten, doch dieses Projekt liegt aus einem Grund auf Eis: Die Stoffwindeln sind einfach so dick, dass unser Mädchen mit Hohlkreuz daliegt, wenn sie eine trägt. Nicht einmal der Umwelt zu liebe möchte ich ihr das antun. Wir probieren es alle paar Wochen wieder, allerdings gehen wir mittlerweile davon aus, dass wir sie erst verwenden werden, wenn sie nicht mehr nur noch am Rücken liegt. Der Windelmüll macht uns übrigens am meisten zu schaffen.

Wir haben mittlerweile auf der Plastikbank (einfach googlen) unsere Plastikneutralität gerne bezahlt. Es gibt schon geile Projekte wenn man mal googelt. Ich liebe es während ich Dokumentationen sehe, die erhaltenen Informationen zeitgleich einem Backgroundcheck zu unterziehen. Die Plastikbank kommt in „A Plastic Ocean“ vor.

 

 

 

Lang lebe Österreich!

Über die deutsche Bürokratie habe ich hier ja schon häufig geschrieben – über die österreichische wenn überhaupt, dann nur im Vergleich.

Das ändert sich mit heute!

Letzte Woche, kurz vor der Eheschließung, habe ich mir gedacht, ich rufe aus Jux und Tollerei in Schärding auf der Bezirkshauptmannschaft an und frag mal welche Papiere sie zwecks Ausstellung der Ausweise fürs Baby + Staatsbürgerschaftsnachweis benötigen.

„De Ausweise kriagns bei uns. Owa für de Stootsbürgerschoft miassns nauch Münchn aufs Konsulat, des kaun eana in Österreich kana schreim.“

LOL. Are you fucking kidding me?!

Also beim Konsulat angerufen und einen wirklich netten Typen drangehabt der auf die Homepage der Botschaft verwiesen hat und meinte ich soll gleich alles in Muc machen – das geht schneller.

Heute war unser Termin für Pässe, Ausweise und den Nachweis. Ich brauche ja auch alles neu wegen der Namensänderung.

Die letzten Tage habe ich damit verbracht alle Dokumente zusammenzutragen, zu kopieren, neuausstellen zu lassen (Meldebescheinigung mit Familienstand und Staatsbürgerschaft).

Tagelang war mir jetzt unwohl ob wir auch wirklich an ALLES gedacht und jedes Formular ausgefüllt haben.

Ich war gestresst und nervös und völlig fix und foxi.

Heute in München war ich – nun ich kann es nicht anders formulieren – erstaunt. Ich hatte alle Papiere, die benötigt wurden, dabei. Es gab nur ein klitzekleines Problem. Die übersetzte Geburtsurkunde des Kindsvaters und Ehemanns wurde leider von der falschen deutschsprachigen Botschaft in Beirut beglaubigt:

„Ui…das könnte eventuell ein Problem werden. Die wurde ja auf der deutschen Botschaft beglaubigt…eventuell brauchen wir die von der österreichischen in Beirut beglaubigt…“

(„Are you kidding?“) „Oh… hm… na dann muss ich wohl den Schwiegerpapa nochmal über die Grenze schicken…(Zeigefinger und Daumen aneinander reibend)“

„Najo, kann auch sein, dass sie Glück haben und der Beamte in Wien schaut nicht so genau…wart ma mal ab. Eventuell schreib ma ihnen wenn mas brauchen.“

„Also kein Pass für mein Kind?“

„Naaaaa. Da brauchens keine Sorgen haben. Den Pass bekommen Sie auch so, das mit dem Nachweis könnt je nachdem wie schnell die Kollegen arbeiten wollen bis zu drei, vier Wochen dauern..oder länger.“

(„????“)

„Schauns, ich begleite sie gleich rüber zur Kollegin.“

(Der Papa murmelt mir ins Ohr: „Hab ich das jetzt richtig verstanden?“ – Ich schlug ihn auf den Oberarm damit er aufhört zu fragen und nickte.)

„Wollen Sie in den nächsten 14 Tagen verreisen? Weil so lange kanns dauern mit den Pässen…“

„Nein. Ich müsst mich halt nur hier ausweisen können…. wissens eh Ausweispflicht und so…“

„Ah ja genau…na ich stempel ihnen einfach einen Monat Gültigkeit in den alten… wenns den neuen haben könnens damit machen was sie wollen.“

(Kindsvater zu mir murmelnd:“she is joking, right?“ – Dafür gabs einen Kick und ein Kopfschütteln.)

Als wir aus dem Konsulat draußen waren, konnten wir uns vor lauter Unglauben bis Plattling nicht mehr einkriegen… Pass ja – Staatsbürgerschaft schaun ma mal….

Unter diesen Umständen ist mir jetzt auch sonnenklar warum die Ämter in Deutschland von österreichischen Passinhabern auch den Staatsbürgerschaftsnachweis sehen wollen… ich liebe mein Herkunftsland – so unprätentiös…

Nachtrag: Der syrische Pass meines Göttergattens wurde mit „Oarg, einen syrischen Pass hatte ich noch nicht in den Händen!“ durchs ganze Konsulat durchgereicht. Bei meinem „normalerweise kommens ja ohne“ wußten die anwesenden aber nicht ob sie lachen oder weinen sollten.

Der deutsche Amtsschimmel und seine Sporen

Wenn ich vor einem Jahr gewußt hätte, dass mein größter Themenblock die Bürokratie umfassen würde, wäre die heutige Überschrift mein Blogname geworden.

Nachdem ich mich auf der wichtigsten Homepage für alles was man von einem österreichischen Amt benötigen könnte, darüber informiert habe was man so als neugeborene Auslandsösterreicherin für die Passerstausstellung braucht, habe ich es gewagt beim Meldeamt in Passau anzurufen.

Nach 25 Minuten und beim 4. Anruf – dreimal läutete es bis zu „der angerufene Teilnehmer ist momentan nicht verfügbar“ durch – hob eine tatsächlich kompetente Dame ab, die mich und mein Kind im Computer fand und meinte, um eine Meldebescheinigung fürs Küken zu erhalten, reiche es aus mit meinem Ausweis vorbeizukommen und ja, das ginge auch in der Dependance an der Peripherie.

Da in unserem Wohnhaus noch immer gebohrt und gehämmert wird, nutzte ich den Krach und das schöne Wetter für einen kleinen Ausflug mit Kinderwagen zum Amt.

Zehn Minuten und zwei Wartenummern später waren wir auch schon dran. Man stelle sich das Büro vor wie eine Sportstätte – am Rand sitzen die Beamten wie entnervte „Fans“ der ewigen Losermannschaft die schon wieder tut was sie am besten kann, nämlich verlieren, man selbst kommt gerade nach der Halbzeit als Spieler wieder am Platz. Ich habe meinen größten Fan mit der Platznummer sechs gleich entdeckt – einer mit Beisitzer. „Juhuu Einschulung,“ dachte ich und bemühte mich der Sachlage offen gegenüber zu sein.

„Hallo. Ich benötige eine Meldebescheinigung für meine in Passau geborene Tochter,“ sagte ich und übergab meinen Reisepass.

„Sie meinen Geburtsurkunde?“ fragten die zwei.

„Äh. Nein. Eine Meldebescheinigung.“

„Aber sie sind Österreicherin.“

„Ist das ein Problem für sie? Soweit ich weiß, darf ich innerhalb der EU wohnen wo ich möchte.“

„Ja aber ihre Tochter wurde in Passau geboren?“

„Und seit diesem Moment vor knapp sechs Wochen hat sie die Stadt auch noch nicht verlassen.“

„Na dann brauchen sie eine Geburtsurkunde.“

„Noch einmal: Ich benötige eine Meldebescheinigung. Ihre Kollegin am Telefon meinte, ich müsse „einfach nur meinen Ausweis vorlegen“. Wollens ned vielleicht amoi Daten daraus eintippen und wir spoan uns de Diskussion?“

„Ah jo.“

Tipp, tipp, tipp.

„Ich find Sie nicht.“

„Dann gehe ich davon aus, dass sie sich vertippt haben. Löschens die Felder und gebens alles nochmal ein.“

Beide Weiber starren mich an. Die Ältere blickt der Jüngeren über die Schulter.

„Die Frau hat Recht. Du hast sie 10 Jahre jünger gemacht.“

„Ahso. Hihihi.“

„xxxstraße? San des Sie?“

„Davon gehe ich aus.“ (Manchmal glaub ich echt die Ämter in Passau gehören alle der Versteckten Kamera.)

„Und wozu brauchen Sie jetzt eine Meldebescheinigung?“

Ab dieser Stelle war ich mir zu hundert Prozent sicher, dass man mir hier geistig nicht folgen kann und ich drehte richtig auf:

„Erstens möchte ich eine Bestätigung darüber, dass meine Tochter hier gemeldet ist, nicht dass das hier verschludert wurde, was man sich ja ganz gut vorstellen kann, wenn man hier als Partei erscheint. Und zweitens benötigt meine Tochter diese um einen Reisepass beantragen zu können – in Österreich.“

„Das Konsulat braucht das nicht.“

„Bitte überschreiten Sie nicht Ihre Kompetenzen, Sie tun sich ja mit Ihrem eigenen Aufgabenbereich schon schwer genug und stellen Sie mir EINFACH DIE MELDEBESCHEINIGUNG aus!“

Die Ältere murmelt zur Jüngeren:

„Eigentlich kostet sowas 5 Euro. Es scheint die Dame hat noch keine. Die Erstausstellung ist gratis.“

„Was soll ich draufschreiben?“

„Was meinens jetzt damit?“

„Na für wen?“

„Für meine Tochter?!? Es tut mir Leid. aber ich kann ihrer Frage gerade nicht folgen.“

„Für wen brauchens die?“

„Hab ich schon erklärt. Der Einfachheit halber schreibens bitte: Zur Vorlage bei den österreichischen Behörden.“

Als ich endlich wieder Tageslicht erblicken durfte, war ich mir nicht mehr sicher ob es sich um eine Einschulung, einen Probetag oder ein Amtsenthebungsverfahren gehandelt hatte und ob für die ältere oder die jüngere.

Ich bin jetzt auch schon schwer am Überlegen ob ich zu meiner Hochzeit in zwei Wochen nicht mit Gopro am Kopf auftauchen sollte um das alles mehr oder weniger heimlich mitzufilmen (ich gehe nämlich davon aus, dass die hier die cam für einen extravaganten Kopfschmuck halten würden). Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass die Eheschließung ohne Diskussion und ohne Fehler ablaufen wird und dabei denke ich gar nicht so sehr an meine Familie.