Teil 2″Also das ist ja eine echt außergewöhnliche Geschichte…

…die solltest du mal aufschreiben!“

Wir sind an diesem Wochenende im September 2015 noch fünf Mal an der Grenze gewesen und haben Familien aus allen Herkunftsländern geshuttelt: Irak, Syrien und Afghanistan. Die meisten sprachen kein Englisch aber alle Menschen sprechen „Hände und Füße“ und wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, dann ist das sehr sehr einfach.

Am Sonntag waren wir schon sehr zeitig am Grenzcamp und außer Polizei und den gierigen Taxlern aus Wien, Niederösterreich, Burgenland und sogar Oberöstereich, die pro Nase 100€ kassierten für 45km Strecke war eigentlich niemand zu sehen. Ja, Scheiße, was macht man da?

Ich bin auf die Polizisten zu und fang zu plaudern an:

– „Servas! Hut ab vor eurem Job! Ich könnt das nicht…“

-„Wos woin se do? Flüchtling schaun?“

-„Nein, ich würd gern welche nach Wien bringen…aber irgendwie ist da ja niemand…“

-„Sie wissen dass des illegal ist?“

-„Ahsoo? Sagt wer? Die Taxler verlangen einen hunderter pro Kopf und das ist nicht illegal? Ich würds gratis machen. Bonuspunkte fürn Himmel sammeln.“

Der Polizist hat gerade angefangen mit seiner Aufzählung an Schleppereigesetzen als sich ein Kollege dazugesellte: „Bist du deppat? Die hüft uns! Geh weida mit deine Paragraphen!“ und zu mir gerichtet:“ Du, sorry, des ist der erste Tag an der Grenze fürn Kollegen. Wieviele könnts mitnehmen?“

-„Wir haben einen Passat. Also drei.“

Polizist lacht.

-„Do gengang si locker viere aus. De san eh so dünn!“

-„Aber das ist nicht legal dann..was wenn uns ein Kollege von dir aufhält?“

-„Schleppen tuast owa ned mehr mitnehman?“

-„Irgendwo muss man ja im legalen Rahmen bleiben und wir nehmen ja nur mit, wir versteckens ja nicht.“

-„Oiso guad. Drei. Wünsche?“

-„Keine Männergruppe. Am liebsten eine Familie.“

-„Woat do.“

Er zieht von dannen ins Camp. Kommt wieder ins Sichtfeld und schreit:“Gengan drei Jugendliche a? Do is a Madl dobei!“

-„Ja, passt. Nehma!“

-„Kennts es danach wieda kumman? I hob grod übern Funk gheat do kammatn no 30-50.000…do kenntast donn söwa aussuachn…“

-„Schauma mal. Danke.“

Diese drei Jugendlichen waren der Grund, dass Salar und ich uns kennenlernten. Denn die Kids hatten Verwandtschaft in Wien und die hat unsere Aktion beeindruckt. Die Cousine die eigentlich aus Essen war aber in Wien lebte lud mich am Montag zu sich ein. Wir verstanden uns super und die Kids wollten, dass ich am nächsten Tag zum Bahnhof mitkomme zur Verabschiedung, denn sie wollten weiter nach Deutschland.

Okay, dachte ich….ich hab sowieso frei.

Mittlerweile war die ungarische Grenze so gut wie dicht und der Grenzübergang Nickelsdorf so gut wie leer. Shutteln mussten wir nicht mehr.

Allerdings waren die Bahnhöfe komplett überlastet und wer schlau war (oder ortsansäßig) fuhr von einem Nebenbahnhof weg. Also bin ich mit den Jugendlichen nach Meidling gefahren um sie dort easy peasy in den Zug zu setzen.

In Meidling erkannte ich den Ernst der Lage – einige wenige Flüchtlinge, die keinen blassen Dunst hatten von wo wohin die Reise geht. Also habe ich beschlossen am Bahnhof zu bleiben und zu helfen, Zugtickets zu kaufen und dann auch in den richtigen Zug einzusteigen. Dann kamen mehr Flüchtlinge und ich begann Spenden von Passanten anzunehmen um Essen und Trinken zu kaufen und manch ein Wiener stand dann plötzlich mit Wasser und Bananen vor mir „für de Oamen“. Das war mir weitaus lieber als Geld anzunehmen, denn so musste ich meinen Platz nicht verlassen. Also über social media einen Promi angeschrieben, der in der Flüchtlingshilfe aktiv war und gebeten zu veröffentlichen, dass es in Meidling auch Hilfsbedürftige gab – was sie auch gemacht hat und zu einigen Sachspenden mehr führte. Ich fand das zugegebener Maßen sehr geil.

Und irgendwo hier habe ich Salar laut seiner Erinnerung angesprochen und gefragt ob er Englisch kann und die Familie vor mir fragen kann ob sie was brauchen…. daran kann ich mich allerdings nicht erinnern, ich habe mit so vielen Menschen gesprochen…wie könnte ich mich daran erinnern….

Es wurde Abend über Meidling und die Gänge wurden leerer und ich konnte mich guten Gewissens aus den Katakomben auf den Bahnsteig wagen um zu sehen was sich da so tut.

Da standen sechs junge Männer herum und etwas weiter weg saß eine junge Frau. Einer der Männer unterhielt sich mit einem Österreicher, der auch spontan am Bahnhof blieb um zu helfen.

„Staying in Syria would have meant to have two option: to kill or being killed. None of these would have worked for me.“ hab ich im Vorbeigehen aufgeschnappt und ich war wie elektrisiert. Ich dachte nur „fuck ja! Der hat vollkommen Recht! Ein Satz reicht auf die Frage „Warum bist du hier?““

Ich war mit Wasser und Bananen bewaffnet und fragte die ganze Gruppe ob sie was davon wollen. Sie lehnten ab. Also ging ich zu der Frau. Ich werde den Blick meiner baldigen Schwägerin NIE vergessen. In meinem gesamten Leben habe ich aus einem Augenaufschlag nicht so viel rauslesen können wie aus ihrem. Wir lachen heute alle darüber und anstelle von „das einser Menü der Flüchtlinge“ ist es „das was Europäer als freundlich gemeinte aber nicht so empfundene Geste Fremden anbieten.“

Also ging ich zurück zu der Männergruppe, denn ich wollte mehr davon hören was der englischsprechende zu sagen hatte.

Um nicht ganz so auffällig zu lauschen beschloss ich meine eigenen Bedürfnisse hintanzustellen und fing an mit den anderen herumzublöden. Keiner sprach so richtig Englisch und mein Arabisch war auch damals schon – nun ja – bis auf „yalla yalla“ (gemma gemma) und „shukran“ (Danke) nicht vorhanden. Aber die lustige Herrenrunde sagte dauernd „Say …..(irgendwas arabisches)“ und ich hab es halt gemacht und die hatten sehr, sehr viel Spaß… leider können sie sich nicht mehr daran erinnern. Woran sie sich aber alle erinnern können ist folgendes:

Salar hat dem Österreicher am Boden auf ein Blatt Papier seinen social media account aufgeschrieben und ich bin mit meinem Handy zum Zettel gesprungen und hab ein Foto gemacht. Das hat die Gruppe sehr beeindruckt, denn mittlerweile weiß ich, dass das länger Gesprächsthema war.

Ich ging dann irgendwann zum Westbahnhof ohne zu wissen was aus der Gruppe werden würde oder wo sie hinwollten und wann. Ich ging, weil der letzte Zug nach Alemania an diesem Abend bereits abgefahren war.

Als ich zu Hause war, habe ich eine Anfrage an Salar geschickt, die er prompt angenommen hat. Viel war damals schon nicht auf seinem Profil zu sehen.

Am nächsten Tag stand ich pünktlich eine halbe Stunde vor dem ersten Deutschlandzug am Bahnhof Wien-Meidling. Kurz nach mir kam die Frau mit dem argen Blick – meine Schwägerin – und ich schrie ihr nur entgegen „good morning! where is your brother?“ „Coming….“ und ein Fingerzeig nach hinten war die Antwort. Dann kam Salar und schrie „I already added you!“ und ich schrie „i know!“ Dann habe ich mal herausgefunden wohin die Truppe eigentlich wollte und habe die neuesten Entwicklungen kundgetan – also ihm gesagt, dass sie wohl in Passau aus dem Zig geholt werden, aber Passau dann schon Deutschland ist.

Der ICE kam und Salars „letzte Worte“ waren:

„I really hope its not colder in Germany than here, this is all I have.“ und zeigte an sich entlang.

In diesem Moment war es um mich geschehen. Ich wollte in den Zug reinschreien „Please dont go! Stay!“, besinnte mich aber eines besseren. Nein, dachte ich, das einzige, das ich wirklich will, ist, dass er glücklich wird.

Scheint geklappt zu haben 😁

Teil 1″Also das ist ja eine echt außergewöhnliche Geschichte…

…du solltest die aufschreiben!“ höre ich jedes Mal wenn man mich danach fragt, wie ich Salar kennengelernt habe und nach der Kurzversion „am Bahnhof“ dann doch die lange Geschichte hören will.

Ich finde sie vielleicht ein bisserl kurios aber bei weitem nicht so spannend wie andere. Nun gut, man soll die Leserschaft bei Laune halten und ich habe momentan noch etwas Zeit diese Geschichte niederzuschreiben.

Es war im heißen Spätsommer 2015, als ein Arbeitskollege und ich bereits unser letztes nicht mehr getragenes Hemd ins Flüchtlingslager Traiskirchen geschickt hatten und uns die Masse an Menschen die nach Europa aufbrachen, jeden Abend heulend Runden im Hof unserer Firma drehen ließ. Irgendwie muss man doch auch dann noch helfen können wenn man schon alles gegeben hat! Es war eine emotional sehr aufreibende Zeit. Wir fühlten uns machtlos und hilflos. Und oft waren wir auch besonders wütend, wenn wir mal wieder im Großraumbüro unmenschlich rechtes Gedankengut mitanhören mußten und dem manchmal mit einem „hoit doch dei deppate Goschn“ versuchten Einhalt zu gebieten. Manchmal ganz einfach deswegen, weil wir müde waren.

Dann kam über Nacht der Kälteeinbruch mit Regen und Ungarn hat beschlossen die Grenzen dicht zu machen. Der Strom an Menschen die nach und durch Österreich wollten wurde zur Sturzflut.

Mein Kollege und ich hatten Spätschicht am Donnerstag und auch am Freitag. Freitag gegen 8 Uhr morgens läutete mein Handy. Der Kollege war es. „Was ist, Isa? Fahren wir?“ Mehr musste er nicht sagen. Ich wußte was er meinte. „Ich bin in 25 Minuten bei dir.“

Wir mußten einfach an die österreichisch-ungarische Grenze und helfen. Auf Grund von social media wußten wir, dass die Autobahn vor der Grenze dicht ist und wir wußten wir müssen davor abfahren um uns am „Landweg“ anzunähern. Es regnete in Strömen und es war arschkalt. Plan hatten wir keinen. Aber irgendwie war uns klar wir sammeln wen auf und bringen die Person/die Personen nach Wien zum Bahnhof.

Das was ich da mit meinen eigenen Augen direkt vor mir gesehen habe, werde ich in meinem ganzen Leben nie vergessen: Eine dreißig Kilometer lange Schlange an Menschen wanderte da am Straßenrand entlang Richtung Hoffnung. junge, alte, junge die alte auf dem Rücken trugen, junge die noch jüngere in den Armen hielten….alle schmutzig, alle nass, alle ohne einem Stückchen Gepäck. Wen fragt man denn da ob sie mitgenommen werden wollen? Wir hatten ja nur einen Passat! Wie sucht man da aus? Und was sagt man zu denen die man nicht mitnehmen kann?

Wir fuhren die Kolonne bis zum geopolitischen Ende am Grenzübergang. Da hinten wurde die Schlange für den Moment etwas lichter… Wir beschlossen, keine Männergruppe mitzunehmen (denen trauten wir den letzten Weg auch noch zu) sondern nach einer Familie Ausschau zu halten mit möglichst kleinen Kindern, da würden mehrere auf die Rückbank passen. Und dann sah ich sie. Mein Kollege stoppte und sagte „Sprich du mit denen. Dann fahren sie fix mit uns mit.“ Ja was sagt man denn da? Ich entschloss mich für ein Lächeln und ein „Train station Alemania?“ und das ältere Kind schrie „Yessssss!“ und zog die Mutter in meine Richtung. Die Mama war Lehrerin und sprach ein bisschen Englisch. Ich stellte uns vor, sie stellte sich vor, ich erklärte ihnen wo sie sind, wie weit es nach Wien ist, wo wir sie absetzen werden und dass wir das definitiv gratis machen. Ich habe ein Wifi im Auto eröffnet und sie konnte mit ihrer Famile oder Freunden oder wen auch immer telefonieren. Den Kindern gab ich mein Handy und ließ sie ein paar Barbapapa-Folgen auf Deutsch schauen. Der Papa ist gleich eingeschlafen als er bei uns im Auto saß. Mit der Mama habe ich geplaudert und ihr bei jedem Schild auf der Autobahn gezeigt, dass wir wirklich Richtung Wien fahren. Uns war es wichtig der Familie ein Gefühl von Sicherheit zu geben und am einfachsten ist das mit Reden und zeigen und erklären.

Als wir am Westbahnhof angekommen sind, wühlte ich mich mit der Familie durch bis zu einem arabischen Infostand. Ich gab der Mama noch schnell meine Telefonnummer und meinte es wäre nett, wenn sie sich mal meldet und erzählt ob alles geklappt hat.

Mein Arbeitskollege und ich waren mit den Nerven fertig und beschlossen, wir bräuchten vor der Arbeit noch Stärkung. Es war bereits 5 vor Arbeitsbeginn und ich rief in der Firma an um Bescheid zu geben, dass wir später kommen, wir müssen nach dem Shutteln der syrischen Familie noch was essen. „Das könnts nicht machen!“ war die nicht ganz überraschende Antwort. „Und ob, das ist wichtiger als die Hackn,“ sagte ich und beendete das Gespräch… Ich muss sagen, da habe ich mich selbst erstaunt. 10 Minuten später klingelte mein Handy. Die Arbeit. „Wir Führungskräfte haben das jetzt besprochen. Ist ok. Kommts wenns fertig seid.“

Wir beschlossen in der Firma niemandem zu erzählen was wir gesehen und erlebt haben, da dort 90% sowieso nur geil auf Gschichtln sind.

Kaum sind wir in der Firma angekommen, wurden wir schon gefragt: „Und wie wars?“ Und unsere leicht bissige Antwort war: „Weißt was, nach der Hackn setzt dich in dein Auto fährst raus und holst selber eine Familie ab. Dann weißt wies war.“

Und wir beschlossen, das ganze Wochenende vor der Arbeit zu shuttlen.

Was wir dann auch taten.

Was bisher geschah…und was passieren wird…

Laut Berechnung soll das Küken in vier Tagen schlüpfen und ich bin gespannt ob es wie seine Mama eventuell doch überpünktlich sein könnte, was mir nix ausmachen würde.

Ich bin mittlerweile seit Anfang Mai zu Hause (Urlaub, zehn Tage Krankenstand, vier Tage arbeiten, Urlaub und nun Mutterschutz). Dank Fußball-WM habe ich mich zwischenzeitlich mal einen Monat nicht gelangweilt, da seit Anfang Juni alles kükenfertig ist. Seitdem ist „Es ist soooooo langweilig!“ mein Dauermantra.

Eine Woche war es im Juli weniger langweilig, da hatte der Kindsvater Urlaub und er hat wirklich keine Gelegenheit ausgelassen meinen Alltag spannender zu gestalten.

Es gibt allerdings Neues von der „Mission: Ehe„. Also: Nachdem die syrische Geburtsurkunde vom richtigen übersetzt wurde, wurde sie auch von der deutschen Botschaft in Beirut beglaubigt und mein zukünftiger Schwiegerpapa hat sie auch gleich abgeschickt. Das war an einem Montag. Naja, wie lange könnte so ein Brief aus Damaskus nach Passau brauchen, sollte er denn überhaupt ankommen, fragten wir uns… Wir rechneten mit einem Monat +/- 2 Wochen. Denn, meine Überlegung war, meine Mama hat am vorweihnachtlichen Montag letzten Jahres ein Packerl mit Schokoschirmchen für den österreichischen Weihnachtsaufputz nach Passau geschickt und das kam pünktlich zu Silvester an. Da wirds ja aus dem Kriegsgebiet das nochdazu nicht mal mehr im geographischen Europa liegt länger dauern. LMFAO. Am darauffolgenden Freitag klingelte es an unserer Tür – kurz nachdem der Göttergatte das Haus verlassen hatte und ich „nur noch ein bisserl“ weiterschlafen wollte. Also blieb ich liegen. Als Salar am Abend heimkam berichtete ich von dem Geklingel und er meinte er habe einen Anruf von einer „seltsamen“ Nummer erhalten – cirka zeitgleich. Und dann rief auch schon der Papa an und fragte ob die Unterlagen angekommen sind. WHAT? Also haben wir versucht zu recherchieren ob es denn tatsächlich die Post gewesen sein könnte… natürlich nicht. Wir haben aber die Trackingnummer erhalten und dann mal spaßeshalber den Brief verfolgt: What the fuck. „Empfänger nicht angetroffen – nächster Zustellversuch am folgenden Werktag.“ Wir haben dann den äußerst netten Typen der Lieferfirma angerufen und der meinte wir können es auch am Montag einfach bei ihm im Büro abholen.

Also der Brief ging von Damaskus nach Dubai, von Dubai nach London, von London nach Frankfurt und von Frankfurt nach Passau – in vier Tagen!!!!! Und das ganze zum Preis von 25 Euro (kein Bemmerl für Syrer, aber ich finde es ganz günstig).

Wir konnten es nicht glauben….besonders ich nicht. Somit sind wir am darauffolgenden Montag den Brief abholen gegangen und volée weiter zum Standesamt. Natürlich hatte ich mich nicht um die von mir verlangte neu ausgestellte Geburtsurkunde gekümmert weil ich es weiterhin schwer lächerlich fand. Aber ich habe jeden offiziellen Wisch, den ich im Laufe meines Lebens vom Staat Österreich erhalten habe, mitgenommen. Einschließlich meines ersten Meldezettels vom 27.5.1982. Das Konvolut im Gesamten dürfte dann auch dem Standesbeamten in Passau gereicht haben um meine österreichische Herkunft als gegeben zu betrachten. Salar musste dann noch eidesstattlich erklären, dass er „weder in Syrien noch auf den Fidschis“ mit wem anderen verheiratet ist. Ich wurde nicht gefragt „weil die Info holen wir uns aus Österreich“. Gott sei Dank hatte ich aus Wien auch noch meine Abmeldebestätigung dabei, da das letzte Magistrat dafür zuständig ist. Hat auch nur 21 Tage gedauert bis man mich für ehefähig erklärt hat – Sarkasmus off.

In der Zwischenzeit habe ich mir Gedanken über die Hochzeit gemacht und ich glaube nur wenige Ersttäterinnen interessiert der „schönste Tag im Leben“ so wenig wie mich – LOL. Ich habe beschlossen, dass bei der Eheschließung mal abgesehen von Salar und mir und dem Standesbeamten und dem Küken (na no na ned) eigentlich niemand dabei sein muss. Betonung auf „muss“. Da meine Mutter mir wohl nicht verzeihen würde wenn ich sag „ich heirate, aber das ziehen wir alleine durch“, sollen halt in Gottes Namen meine Eltern mit deren Anhang dabei sein und deshalb unseretwegen auch Salars Geschwister – wenn sie denn die lange Anreise dafür in Kauf nehmen wollen… wir meinen die zehn Minuten um jemanden beim Unterschreiben zuschauen sind acht bis zehn Stunden Anfahrt nicht wert (nicht einmal drei Stunden). Da meine Freunde in Wien leben und feiern mit relativ Neugeborenem so wie wir immer feierten sowieso nicht drinnen ist, lade ich aus oben genannten Grund auch die nicht ein. Ausserdem brauchen das Küken und ich sowieso neue Ausweise ASAP, da wir im Ausland wohnen und somit werden wir dann nach Wien fahren und dort dann mit den wichtigsten brunchen gehen. Weiters lege ich auf „teure Klamotten die ich nur einmal trage“ keinen Wert und werde ich in der Kleidung heiraten die ich am Morgen aus dem Schrank ziehen werde. Salar meinte schon, mit dem Geld, das wir alleine dadurch sparen könnten wir dann in Wien in einem gscheiten Hotel übernachten – am Ring – zumindest eine Nacht.

Die Meinungen hierzu reichen von Entsetzen über „du weißt, dass das der Brautvater zu zahlen hätt“ bis „Recht habts“.

Vielleicht für andere interessant ist auch die Auswahl des Datums: Wir nehmen den Wochentag in den ersten zwei Oktoberwochen der noch frei ist, vorzugsweise in der ersten Oktoberwoche. Salar hat da nämlich Urlaub.

Auch brauch ich keine Blumen. Nix symbolisiert rausgeschmissenes Geld für mich so sehr wie ein Blumenstrauß – no offense.

Und bezüglich Ehering….tja… ich hab gesagt ich brauch keinen, weil ich eh keinen Schmuck trage. Den Verlobungsring steck ich auch nur für Fotos an bei denen der Rezipient darauf Wert legen könnte den zu sehen (z.B. unsere Mütter).

Falls sich jetzt jemand fragen könnte, warum ich denn überhaupt heiraten will, wenn ich denn alles, was zu einer Hochzeit gehört, so rigoros ablehne, beantworte ich auch gerne diese Frage: Ich möchte, dass unsere Beziehung vom Staat anerkannt wird und ich möchte den selben Familiennamen haben wie der Papa und unser Kind. Das macht das Leben fürs Küken einfacher – und wenn es nur halb so viele Fragen hat wie seine Eltern, macht es auch unser Leben einfacher 😉.

Was tut sich sonst noch so?

Ich muss denjenigen, die meinen, unter der Dauerhitze zu leiden und nicht schwanger sind, leider mitteilen, dass ihr von Leiden keine Ahnung habt.

Gott hat mir bisweilen alle Wünsche erfüllt, die ich so geäußert habe, seitdem ich nach Passau gezogen bin und mit dem Sommer auch den im Dezember getätigten „Ich wette, das wird der heisseste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen – hahahaha“. Ich wünsche mir allerdings jetzt schon, dass der zweite Teil „und am Tag an dem das Kind kommt, fällt im Kreißsaal die Klimaanlage aus – hahahaha“ nicht erfüllt wird und überlege die ganze Zeit im Klinikum anzurufen um zu fragen ob die Klima eh regelmäßig gewartet wird…

Mein Gyn meinte, wenn ich fünf Tage drüber sein sollte, wird eingeleitet. Na. Vor nix gruselt mir mehr als vor gelegten Zugängen im Arm. Also hab ich beschlossen auf natürlichem Wege zu helfen das Oxytocin-Niveau zu erhöhen…. Ich wünsche, mein Kind ist neugieriger als ich und will doch mal wissen, wer da dauernd an die Tür klopft. Denn immerhin erzählen uns ungefragt uns mehr oder weniger unbekannte Personen, dass Sex Wehen einleitet – zuletzt die afrikanische Mama mit Baby, Kleinkind und Schulkind an der Bushaltestelle. Sollten die Recht behalten, werde ich definitiv davon berichten.

Über die Geburt an sich mache ich mir keine Gedanken. Wird schon kommen. Wird es ein Kaiserschnitt, wäre das meine allererste Narbe und somit auch OP – wenn es denn sein muss.

Achja, meinen Instagram-Account habe ich gelöscht, da ich viel zu viel Zeit auf dieser Plattform verbracht habe und mir die Werbung schon gründlich auf den Senkel ging. Auch möchte ich mich nicht dazu verführen lassen, ein Bild meines Kindes mit Smiley vorm Gesicht zu posten. Bei mir gibts klassisch Fotos per Post und wer mein Kind live sehen will, muss es besuchen – die Türpolitik ist allerdings hart.

Schanaya Schajenn

Seit einem Monat wissen wir was unser Küken mal wird – eine Henne.

Während wir – die Eltern – davon überzeugt waren, dass das Erstgeborene ein Sohn wird, waren die Großeltern-to-be mal wieder schlauer und meinten „das wird ein Mädel“. Wir haben das zuerst mit einem „hahaha na das wird ein Bub“ versucht abzutun, denn immerhin hatten wir von Anfang an einen Bubennamen, doch wir sollten eines besseren belehrt werden.

Als mein Gyn dann Ende Februar offenbarte „Ihre Mutter hat Recht. Es wird ein Mädchen.“ kam in mir das Gefühl der Panik hoch. „Aber wir haben keinen Namen.“ „Stressen Sie sich nicht. Sie haben ja noch 6 Monate Zeit.“

LOL….das bin aber nicht ich. Ich plane Urlaube 2 Jahre im Vorraus und da gehts um 2-3 Wochen und nicht um ein lebenslanges Urteil!

Sobald ich wieder Internetempfang hatte, habe ich alle wichtigen Menschen in meinem Leben darüber informiert und sozusagen „Task force Namensfindung“ ins Leben gerufen.

Meine wichtigsten Namenskriterien waren:

1.. Ich will einen Namen auswählen, den man supergut über weite Strecken rufen kann, ohne a) hysterisch zu klingen oder b) ein ganzes Rudel an Mädchen aufzuschrecken.

2. Es soll ein klassischer Name sein.

3. Mein Kind soll damit von der Häuslfrau bis zur Universitätsdozentin alles werden können, ohne dass sich die Kunden beim Namensschild lesen wundern wie man diesen Beruf mit dem Namen erreichen konnte.

4. In unserer beiden Kulturen muss der Name vorhanden sein und im besten Falle ist er global bekannt, damit unsere Tochter leben kann wo sie will ohne permanent ihren Namen buchstabieren zu müssen.

Der beste Brainstorm fängt immer mit einem Shitstorm an, der alle „wir wollen unserem Kind den originellen Namen einer international bekannten Sängerin mit deutscher Schreibweise geben“-Eltern vor Neid erblassen lässt: Rihänna, Schanaja, Schakira, Schantal, Mändy, Selin, Wittney, Alischa…..

Am Ende des Tages hatten Salar und ich einen Namen gefunden, der in Bibel (prominente Figur(en) im Neuen Testament) und Koran (eine ganze Sure ist nach ihr benannt) steht und den es somit überall auf der Welt gibt.

Seitdem versucht mir die ganze deutschsprachige Welt zu erklären, dass das „ein sehr ungewöhnlicher Name ist.“ Was so nicht stimmt – es gibt Millionen davon überall mit unterschiedlichsten Schreibweisen und Varianten und wir haben für unser Kind die arabische gewählt, die aber so einfach ist, dass ich sogar meinem Vater zutraue sein Enkelkind richtig zu benamsen.

Und das für mich Beste ist: Ich kenne niemanden der SO heisst, sondern weiß nur von einer, die ich für eine ziemlich coole Socke halte. Denn es ist tatsächlich so: Wenn man einen Namen fürs eigene Kind sucht weiß man erst wie viele Menschen man nicht leiden kann.

Als zweiten Namen erhält die kleine „Johanna“ – nach Tradition der mütterlichen Seite, nach der Ur-Oma. Und der dritte Name ist natürlich der der Patentante-ohne-Kirchenzirkus, da wir unserem Kind die Wahl lassen, welche Konfession sie annehmen möchte – Hauptsache gesund.

Also geplant war das nicht…

In meiner ersten Woche in der neuen Arbeit habe ich mit meiner Mama telefoniert. Im Spaß habe ich zu ihr gesagt, nur eine Schwangerschaft kann mich aus dieser Hölle holen.

Nach zwei Wochen war mir jeden Tag speiübel in der Früh und eigentlich den ganzen Tag…. naja, dachte ich, das ist psychosomatisch, die Arbeit kotzt dich halt an. Spaßeshalber hab ich meiner besten Freundin getelegramt, dass ich ja nicht nur psychosomatisch kotzen sondern – hahahaha – auch schwanger sein könnte.

Eine Schwangerschaft schloss ich kategorisch aus. Mein Gyn in Österreich hat ja im September beim letzten Kontrollbesuch gemeint „Wenns schwanger werden wollen, brauchens sicher hormonelle Unterstützung.“ – Juhuu, dachte ich, ein Freibrief!

An dieser Stelle muss ich was erklären:

Im Gegensatz zu fast allen Frauen, habe ich mit 13 bereits beschlossen keine eigene Leibesfrucht in die Welt zu setzen, sondern mich lieber um die verstoßenen, bereits vorhandenen zu kümmern. Ich liiiiiebe Kinder – aber ein eigenes wollte ich den größten Teil meines Lebens nicht.

Über Schwangere herzuziehen war mein größter Spaß – besonders wenn sie dachten sie seien krank oder wenn sie ihr Hirn verloren – das legte sich etwas, als immer mehr Frauen schwanger wurden, die ich eigentlich leiden kann.

Aber diesen ganzen Schwangerschaftsschaß mit Nichtgebärenden zu diskutieren fand ich immer lästig, weil: Warum erzählst du das mir? Ich werde in diese Situation nie kommen!

So im August letzten Jahres überkam mich erstmals das Gefühl, eventuell wär ein eigenes gar nicht mal so schlecht – nicht sofort, aber so in 2-3 Jahren….bis dahin kann ich es mir ja nochmal durch den Kopf gehen lassen und mich geistig darauf vorbereiten…..

Als ich dann in der ersten Dezemberwoche meine Tage nicht bekam, hab ich mir auch noch nix gedacht – Lebensumstellung, Stress mit der neuen Arbeitssituation und eigentlich warens im Dezember eh nie pünktlich…. Ich habe aber beschlossen, den „Beruhigungsschwangerschaftstest“ wie immer in einer Woche zu machen, wenn es bis dahin nicht fließt.

Eine Woche später saß ich mit Schwangerschaftstest am Klo. Keine 20 Sekunden hats gedauert bis das Ergebnis klar und deutlich erschien. Ich bin raus und hab zu Salar relativ emotionslos gesagt „according to this test we will be 3 next summer. I will buy a new one tomorrow.“ Das glitzern in Salars Augen werde ich NIE vergessen.

Am darauffolgenden Tag rief ich 5 Gynäkologen in Passau an, um um einen Termin vor Weihnachten anzusuchen. Eine einzige Sprechstundenhilfe hat die zwei wichtigsten Fragen gestellt: „1. Schwangerschaft?“ und „Wie alt sind Sie denn?“ – und da habe ich dann am Freitag vor Weihnachten einen Termin erhalten.

Die nächsten drei Tage habe ich jeden Tag einen Schwangerschaftstest bepinkelt und gelernt, keine „Vorteilspackung“ zu kaufen, denn die zwei Tests dadrinnen waren beide ungültig – also stand es 2 positive zu 2 ungültige…. oida….

Die zehn Tage bis zum Vergewisserungstermin waren die emotionale Hölle – ich nannte das Ding im Bauch Warrior – so viel wie ich im November gebechert habe (fast täglich einen white russian – an besonders harten Tagen auch ohne Milch) und an der Shisha gezogen hatte, konnte das Ding nur einen immensen Überlebenswillen und Kampfgeist haben.

Beim Gyn wusste ich nicht wirklich wie ich mich verhalten soll – Freude vorgaukeln? Emotionslos? Meine Gefühle frei zeigen? Ich entschloss mich dann spontan für letzteres und hab da jedem gesagt, dass ich darauf nicht eingestellt bin. Wo ich dann den Herzschlag am Ultraschall sah war mein erster Gedanke „oh Gott“.

Zu Weihnachten habe ich es meinen Eltern erzählt – ich denke, das beste Weihnachtsgeschenk aller Zeiten. Dann habe ich überlegt wem ich es noch erzählen kann – weil mit irgendwem muss ich ja darüber quatschen und der, wenns nix wird, mir dann nicht mit einem mitleidigem Aug‘ gegenübersteht.

Am allerlustigsten war es, es meiner besten Freundin zu erzählen. Ich rief sie zu Silvester an und sie hob ab mit: „Isaaaaa! Bist schwanger? hahahahaha“ „Ja.“

Und der anderen, die mir etwas voraus ist im Schwangerschaftsstadium, hab ich es so gesagt: „Glaubst unsere Kinder werden sich so gut verstehen wie wir, obwohls nur vier Monate auseinander sind?“

Salar hat es seiner ganzen Family zu Silvester erzählt – ich glaube, seine Mama weint noch immer vor Glück….

Sonst habe ich es bisher noch niemandem erzählt. Aber jetzt schreibe ich es hier und ich hoffe, dass alle die es lesen, darüber noch nicht wußten und mich kennen, sich kräftig darüber das Maul zerreißen – sonst wärs nur halb so lustig.

Also: Heute der ganzen Welt und morgen meinem Arbeitgeber!

Sorry Leute,

ich dachte echt, ich würde hier mehr schreiben. Aber irgendwie ists gerade äusserst unspannend – für die Öffentlichkeit. Eventuell gibt es ja bald mehr zu berichten….

Ach ja, Silvester in Passau:

22.00 Uhr: Wir sind müde, denken uns aber, bei der Aussicht und bei dem klaren Himmel müssen wir wach bleiben um das Feuerwerk anzusehen.

23.00 Uhr: Tolles Wetter, wir werden wieder euphorischer, in einer Stunde kann ja nix passieren.

24.00 Uhr: Wir treten auf die Terrasse…. und feiern Silvester wie es sonst nur Blinde tun: im tiefsten Nebel mit viel Kawumm und Gepfeif und beschließen, nächstes Mal einfach schlafen zu gehen wenn wir müde sind. Die Dichte des Nebels war allerdings beeindruckend.

Habt es fein, bis zum nächsten Mal!

Update

Ich habe jetzt schon 10 Tage nichts mehr hier geschrieben, weil irgendwie bin ich gerade super genervt.

Ich gehe nun schon 10 Tage in meiner neuen Firma der alten Arbeit nach und doch ist hier alles anders. Zum Teil ein bisschen wie im Mittelalter und zum anderen Teil ein bissi wie zu Stasi-Zeiten mit der 100% Überwachung – wurscht. Am schlimmsten ist die Langeweile. Ich kann mehr als ich momentan mache und das zipft mich ein bissi an. Zusätzlich ist es etwas unstrukturiert und unorganisiert. Ich gehe z.B. jeden Tag zur Arbeit ohne je einen Dienstplan gesehen zu haben. Auch weiß ich nicht wer mein Chef ist. Also habe ich mal beschlossen, dass ich mein eigener Chef bin und habe mich als „Team Österreich“ deklariert bis man mir einen Chef und einen Teamleiter vorsetzt. 

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten.

Habt es fein. Ich schmeiß mich jetzt auf die Couch!