Ärzte in Passau

Heute muss ich mal wieder ein Thema anreißen, dass tatsächlich vom Leben in Passau handelt.

Gestern waren wir zur U5 plus erste Impfungen beim Kinderarzt. Und ich verließ diesen mit einem Trauma. Bei der U4 war die Ärztin im Schießstattweg schon – nun ja wie soll ich es am besten ausdrücken – im Umgang mit einem Neugeborenen etwas ruppig. Die Oma war damals schon schockiert und meinte sie würde ihr Enkelkind dort nicht mehr hinbringen, die Ärztin habe nicht alle Tassen im Schrank. Ich war damals etwas überfordert mit all den Eindrücken, Fragen und der Dreinrederei von der Oma, dass ich einfach nur froh war, als wir wieder draußen waren und habe mir dann erst später gedacht, dass so ein Säugling viel mehr aushält als ich annahm. Seit gestern allerdings gehe ich davon aus, dass der Ärztin ein Baby irgendwann mal was schreckliches angetan haben muss und sie sich nun an allen rächt. Mein Kind war guter Stimmung, ließ alles über sich ergehen, bis der Trampel an Ärztin sie in Bauchlage schmiss. Durch den Schock fing mein Baby an zu schreien wie am Spieß. „Na das müssen sie noch üben. Das klappt ja gar nicht,“ meinte die Ärztin. „Ich würd jetzt auch schreien,“ gab ich zur Antwort und nahm mein Kind hoch. Auf meinem Arm war es schnell wieder zufrieden, es war ja ansich gut gelaunt. Dann kamen die zwei Impfungen und wie zu erwarten schrie meine Tochter wieder wie am Spieß. „Ziehen sie IHN an und dann gehen sie zum dunklen Raum. Dort untersuche ich die Augen,“ sagte die Ärztin in schroffen Tonfall. Ich fragte nach Nebenwirkungen der Impfung, erst nach weiterem Nachfragen meinte sie, es könnte zu Fieber kommen. Auf die Frage, was ich dann machen soll, ich hatte seit über 30 Jahren kein Fieber und somit keine Erfahrungswerte, sagte sie „Sie werden schon intuitiv das richtige machen.“ !!!

Mein Kind und ich mussten dann zwanzig Minuten auf das Wiedererscheinen der Ärztin vor dem „dunklen Raum“ warten. Das Küken konnte ich nicht beruhigen. Wie auch, wenn es keine Möglichkeit gibt sich hinzusetzen und die sieben Sprechstundenhilfen im Vorraum sich die Ohren zuhalten und die Augen verdrehen. Ich fragte mich, was die Ärztin glaubt, wie lange eine Mutter braucht ihr Kind anzuziehen….Dann tauchte sie endlich auf und fragte:“Warum ist ER so unentspannt?“ Ich war etwas perplex. “ Sie haben SIE vor zwanzig Minuten geimpft! Deshalb ist sie unentspannt.“ „Ach ja.“

Danke. Es gibt noch zwei private Kinderärzte in Passau. Wenn davon einer liebevoll mit Kindern umgeht und Eltern berät, ist mir das alles Geld der Welt wert und wenn einer davon sich auch noch zumindest 20 Minuten das Geschlecht des Patienten merken kann, leg ich da auch noch zehn Euro drauf.

Soviel zum Kinderarzt.

Aber ich war ja auch noch bei anderen Ärzten in Passau.

Der erste Arzt, den ich benötigte als ich hier herzog, war – wie kann es anders sein- ein Gynäkologe zwecks Bestätigung der Schwangerschaft.

Letztes Jahr um diese Zeit suchte ich nach einem, der mir vor Weihnachten noch bestätigen konnte, dass der Drogerietest mich nicht anlog und das befruchtete Ei auch dort ist, wo es hingehörte, nachdem mein Gyn in Österreich meinte, schwanger werden würde meinem Körper schwer fallen. Ich hab nach dem Sterne-Rating auf Google alle Gyns angerufen und habe echt schlimme „vor Juni nächsten Jahres nehmen wir KEINE neuen Patienten“- Vorzimmerdrachen drangehabt, bis ich beim Zwei-Sterne-Rating am Niebelungenplatz ankam und schon am Telefon positiv überrascht wurde. Ich wurde danach gefragt wie alt ich sei und ob es die erste Schwangerschaft ist und bekam am Freitag vor Weihnachten einen Termin. Auch die Praxis gefiel mir und der Arzt – was soll ich sagen – mein Humor, nicht auf den Mund gefallen und ich bezeichne ihn gerne als väterlichen Arzt. In all den Monaten waren weder er noch die Arzthelferinnen je unfreundlich oder kurzangebunden und ich fühlte mich dort immer gut betreut, auch dann wenn ich wegen einem „Ziepen das mir komisch vorkommt“ dort aufgeschlagen bin.

Kurz vor der Geburt, ging er auf Urlaub und ich musste die letzten zwei Kontrollen bei wem anderen machen lassen. Und ich bekam diese Termine nur noch beim 1,5 Sterne-Arzt. Ich muss sagen, ich wurde von der Bewertungszusammenfassung „leicht versifft, Ärztin sieht ungepflegt aus, macht ihren Job aber gerne“ nicht enttäuscht.

An dem Tag an dem frühmorgendlich die Wehen einsetzten, wollte ich eigentlich einen HNO aufsuchen, da ich da schon drei Tage Megaohrenschmerzen hatte. Also musste ich im Spital auf den Konsilliararzt warten. Der kam gegen 19 Uhr, war etwas grumpy, gab mir einen Streifen ins Ohr hinein und meinte „alle zwei Stunden eintropfen, morgen Früh kommen sie wieder.“ Daraus wurde dann nichts, ich wurde im Kreißsaal verhindert. Also tagsdarauf zu ihm hin. Es war Samstag und er war besser gelaunt. Am Sonntag um 7 Uhr früh, war er wieder da und ich sagte zu ihm „Sie müssen ihren Job wirklich lieben.“ Das Eis war endgültig gebrochen, er gab mir seine Visitenkarte und meinte, sollte der Konsilliar am Montag nichts machen, soll ich am Dienstag zu ihm in die Praxis kommen. Das war dann auch so. Er ist der Arzt meiner Träume. Kompetent. Nett. Macht seinen Job wirklich gerne und hilft wo er nur kann.

Leider kamen zwei Wochen später die Schmerzen am anderen Ohr wieder. Leider genau zu Beginn seines dreiwöchigen Urlaubs. Somit konnte ich andere Ärzte testen.

Zuerst ging ich zum Allgemeinmediziner im selben Haus. Ich bin es aus Österreich gewohnt, dass die Hausärzte medizinisch fundierte Kenntnisse haben und eventuell sich die Sache mal anschauen bevor Antibiotika verschrieben werden. Egal, Dritte-Welt-Land Germany, zack sofort die Antibiotikakeule. Es wurde nicht besser, sondern Ohr 1 und Ohr 2 schmerzten. Also zu einem anderen HNO. Der steckte mir in jedes Ohr zuerst einen Streifen (die machen taub) und begann dann zu reden. Ich meinte „Es tut mir Leid, ich kann Sie nicht verstehen, könnten Sie mir das bitte aufschreiben?“ Ich sah ihn lachen und er klopfte mir auf den Arm. Drei Wochen hatte ich Schmerzen. Bis „mein“ HNO wieder kam. Der sah rein, putzte aus und sagte „sie produzieren momentan einfach zu viel Ohrenschmalz, das kann nach einer Geburt schon vorkommen. Wenn es wieder schmerzt, kommen sie einfach nochmals.“

Ich sag jetzt mal so: wäre in Wien jeder zweite Arzt scheiße, wäre das fürs Gesundheitssystem eine Katastrophe und es würde dort wieder die Pest grassieren. In fünf Jahren Wien, wechselte ich vom türkischen Hausarzt zur österreichischen Ärztin nur deshalb weil der türkische zu viel Chemie und zu wenig Hausverstand verschrieb (Krankenstand und Salbeitee mit Honig sind mir lieber als drei Tage Augmentin). Ausserdem behandelte die Österreicherin Flüchtlinge gratis und sorgte auch aus ihrer eigenen Tasche für Medikamente für diese. Und das wollte ich einfach unterstützen.

Ich habe die wichtigsten Ärzte (Hausarzt und Kinderarzt) gerne in einer Distanz von meiner Wohnung die zu Fuß bewältigbar wäre und mit dem Taxi mich nicht arm macht. Auf diesen Luxus werde ich jetzt zum Wohle unserer Gesundheit verzichten.

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