Des Babys neue Wohnung

Vor kurzem sah ich im Mittags-TV eine Reportage darüber, wieviel Geld Erstlingseltern für die Babyausstattung ausgeben – oder salopper formuliert, rausschmeißen. Ich war etwas entsetzt, habe die ganze Zeit den Kopf geschüttelt und bei jedem Interview mit einer berliner Hipster-Mama mit Markenkinderwagen laut aufgelacht. What the fuck. 3000 Euro plus.

Das könnte ich mir gar nicht leisten! Mal abgesehen davon, dass mir der Wunsch danach völlig fehlt.

Auch wenn mir die Hormonumstellung einige Gehirnzellen gekostet hat, meine Fähigkeit rational zu denken, hat keinen Schaden davon getragen.

Meine Herangehensweise an das Thema Erstausstattung war von zwei Fragen beherrscht:

1. Was braucht das Küken?

2. Was brauchen/wollen/wünschen wir?

Definitiv habe ich mich nicht gefragt:

Welche Marke ist besonders hip und wie gebe ich vor anderen Müttern am besten an.

Die erste Frage war recht leicht zu beantworten: Kleidung, einen Schlafplatz und eine Futterstelle.

Die zweite Frage war schon schwieriger zu beantworten. Was will man eigentlich selbst? Hauptsache gesund – ist mir da mal gleich eingefallen. Nur wie stellt man das am besten an? Recherche war nötig: zuerst mal das persönliche Gespräch mit der erfahrendsten aller Mütter, meiner Mutter. Wie hat man das denn früher gehalten? Und dann mit der Lieblings-Co-Preggo mittlerweile -Jungmutti stundenlang telefoniert ob wir denn noch normal wären würden wir soweit gehen oder schon schwer öko. Darauf geschissen was andere denken und die Ökoschiene eingeschlagen: Das Bett soll nicht lackiert sein, die Matratze nicht aus Kunststoff, die Kleidung wenn schon neu dann Baumwolle und möglichst mit Biofarben bedruckt, die Futterstelle ist mir angeboren. Kein Schnuller! Ich habe das Teufelszeug selbst 6 Jahre benutzt und habe das mit 4 Jahren Zahnspange gebüßt. Und das Thema Windeln….. ich möchte Stoffwindeln. Und die sind tatsächlich noch nicht gekauft. Zum einen spekuliere ich damit, die kaum gebrauchten von wem anderen günstig zu erwerben und zum anderen denk ich mir will ich das dann direkt am Objekt ausprobieren. Was ich jetzt schon weiß, nachdem ich die erste Packung Wegwerfwindeln fürs home coming gekauft habe – bei aller Praktibilität, das ist mir zuviel Erdöl am Babypopo auf Dauer.

Ich habe versucht die Erstausstattung für möglichst lange Verwendbarkeit zu kaufen. Das Gitterbett ist zum Jugendbett umbaubar und auf die Kokos-Schafwolle-Matratze bin ich jetzt schon neidisch. Der neue Babyschale-Kinderwagen-Buggy hat uns kein Loch ins Börserl gerissen – hat rein gar nix ökologisches oder hippes an sich, es ging uns rein um die Funktionalität (z.B. einhändige Zusammenfaltmöglichkeit) und die Beständigkeit für mehrere Jahre.

Das einzige Hipsterteil, das ich mir gekauft habe, ist ein Tragetuch. Also eigentlich ein Trageloop. Und eigentlich braucht man davon zwei – das andere habe ich mir dann nach der Länge und Breite des gekauften aus einer viel zu dicken Pashmina genäht – ich Sparfuchs. Und da ich an der nichts geschnippelt habe, wird sie nach Ende der Tragezeit wieder zum Schal zerlegt.

Eine Babybadewanne – das gefühlt unnötigste überhaupt – haben wir uns leider anschaffen müssen da unsere Badewanne super barrierefrei für sieche und schwangere (also sehr niedrig zum Einsteigen) aber nix für kniende Mütter ist und unser Waschbecken leider zu flach ist um darin irgendwas anderes als Hände zu waschen. Ich gehe aber davon aus, dass die gekaufte Wanne nur anfänglich genutzt wird bis das Küken sitzen kann – dann wird gemeinsam gebadet und ich werde die Wanne fürs Fußbad benutzen.

Nachdem ich mir im ersten Drittel der Schwangerschaft gedacht habe, ich bräuchte einen Stubenwagen, im zweiten Drittel glaubte, ich läge mein Kind einfach auf die Couch, habe ich mir zuletzt eine Wippe angeschaft, die in Kleinkinderjahren als Schaukelstuhl verwendet werden kann.

Von der Bald-Oma gabs dann noch einen Lammfellsack für die winterliche Ausfahrt und zwei Schlafsäcke.

Am meisten Kopfschmerzen hat mir übrigens die Wickelmöglichkeit bereitet. Zuerst dachte ich, die Waschmaschine wäre am geeignetsten. Unsere ist an drei Seiten ummauert und ich halte es bisher noch immer für den besten Sturzschutz, allerdings gibt es dort keinerlei Möglichkeit an irgendeiner der drei Wände ein Regal anzubohren, da in allen was drinnensteckt was du einfach nicht anbohren willst (Wasserleitung, Lüftungsschacht). Somit haben wir uns ein Wickelbrett fürs Gitterbett gegönnt und werden im kombinierten Schlaf-Kinder-Zimmer wickeln. Für diesen Zweck habe ich vom Papa noch eine LED-Leiste (die hatten wir schon) als Unterbettbeleuchtung anbringen lassen, ich denke der Babypopo wird auch nächtens gewickelt werden wollen und dazu müssen ja nicht beide Elternteile durch unnötiges Licht aufgeweckt werden müssen. Ausserdem glaube ich, dass wir alle besser mit indirekter Beleuchtung nächtlichen Aktivitäten nachgehen können, die uns nicht putzmunter macht.

Ich denke wir sind gut aufgestellt mit dem was wir jetzt haben. Dennoch überkommen mich an meinen langen faden Tagen daheim auf der Couch Zweifel ob wir denn auch wirklich ALLES haben. Besonders bei der Kleidungsfrage bin ich äußerst unsicher. Gut, dass der Papa auch noch da ist, der mich dann am Abend beruhigt mit „wenn was fehlt, dann kaufen wir das mit dem Küken gemeinsam ein“.

Der ganze Spaß hat uns übrigens knapp unter 1000 Euro gekostet (davon haben aber Kinderwagen (400€) und Bett mit Matratze (300€) am meisten verschlungen)- und es ist alles neu gekauft. Was noch fehlt, sind, wie gesagt, die Stoffwindeln, die nochmals ca 300€ kosten werden – die lassen sich aber als einmalige Anschaffung verschmerzen, denn die kann im Gegensatz zu Wegwerfwindeln auch noch ein Geschwisterchen auftragen 😉.

Der Bald-Opa hat übrigens damals beim Bald-Onkel auf den damaligen Badezimmerfliesen oberhalb des Wickeltisches den Windelverbrauch notiert. Nach drei Jahren waren das 18.000 Schillinge. Falls jemand nachrechnen möchte, der Wechselkurs zum Euro war im Jahr 2002 1EUR= 13.7603 ÖS – heute streicht man der Inflation geschuldet nur noch die letzte Stelle weg. Und soweit ich mich erinnere war mein Bruder nie ein großer Esser und somit wahrscheinlich auch kein großer Schei*er.

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