The struggle is real – auf der Suche nach passender Kleidung….

Ich habe ein Problem. Ein großes. Ich trage mittlerweile eine Halbkugel vor mir her, die das Tragen normaler Klamotten unmöglich macht. Seit einigen Wochen versuche ich krampfhaft im Einzelhandel in Passau schwangerschaftstaugliche Kleidung aka Umstandsmode zu erwerben und dabei wäre es mir sogar wurscht ob die Hose dann 200€ kosten würde, Hauptsache a Hos’n. Es ist unmöglich. Nicht, dass es hier keine Fetz’ng’schäfte gibt, das Problem liegt an der „Tut mir leid, wir führen keine Umstandswaren, probieren Sie es mal bei Zweibuchstaben oder Zweibuchstaben“-Politik. Ja, die zwei Zweibuchstabenläden haben je einen Ständer „Umstandsmoden“ – schneidern lassen dürften die beiden übrigens von den gleichen bangalesischen Kinderhänden, da die Hosen bei beiden EXAKT die gleiche beschissene Passform haben. In der Not frisst der Teufel Fliegen, deshalb hab ich eine. Der Reißverschluss vom offenen Hosentürl hat nämlich mit der Zeit zu scheuern angefangen.

Mit wachsendem Bauch wurde die Verzweiflung immer größer. Denn die Zweibuchstaben-Hose hat einen so niedrigen Bund, dass sie über Bauch und Po rutscht und ich immer öfter aussah wie ein übriggebliebener Skater der 90er Jahre.

Somit wurde Shopping-Saturday durch Research-Saturday ersetzt. Denn unser Trip nach Wien stand bereits seit Monaten fest (seitdem Mann meinte man könne im 7. Monat nicht mehr in die Toskana). Gefühlt hunderte Homepages hab ich durchforstet um Umstandsmodengeschäfte zu finden – und seien sie noch so weit in der Peripherie…. Schnell kristallisierte sich heraus, dass dieser „Urlaub“ für drei Dinge genutzt werden wird: Kleidung und Kinderwagen kaufen, den elterlichen Dachboden plündern und friends und family zu treffen.

Als wir dann letzte Woche Dienstag auf der Mahü standen und ich Anstalten machte einen Zweibuchstabenladen ansteuern zu wollen, meinte Salar „You can’t be serious. I don’t want you to get another mental breakdown.“ „I am already prepared for the worst. Let us have a look.“ Zum Einen war ich von der Auswahl extrem positiv überrascht: VIER Ständer UND VIER Wandpanele!!!! zum Anderen aber auch enttäuscht > wieder keine leichten Sommerhosen. Dann sagte Salar: „I know you hate dresses because of the rubbing legs….but try one with this (-eine leggings haltend-) and if you don’t look like „Bitteschön, dankeschön, alles Gute“ we buy it.“ Also bin ich Augen rollend damit in die Umkleide verschwunden und war entsetzt. Entsetzt darüber wie geil ich damit aussah! Ich hab mich gleich wieder umgezogen, hab das Outfit Salar in die Hand gedrückt. „We buy it.“ Salar hat dann ein arabisches Stoßgebet in den Himmel geschickt.

Vollends motiviert sind wir dann in den ersten richtigen Umstandsmodenshop reingerauscht. Salar findet den Markennamen „Mamalicious“ obszön und ich fand es Scheiße bei Größe L mit der Produktion von Umstandsmode aufzuhören, immerhin leben die meisten Schwangeren ja nicht mein Leben, bis ins dritte Trimester kein Gramm zugenommen zu haben. Also raus aus dem Laden und rein in den nächsten.

X-Mal bin ich als „Nie schwanger werdende“ an dem Geschäft schon vorbei und hab mich darüber gewundert wie man damit Geld machen kann und jetzt stand ich drinnen und dachte „verdammte Scheiße, werden nur Kleidergrößen 32-38 angebumst?!?“ Etwas verzweifelt stand ich da und dann kam die Hipster-Mittvierziger-Geschäftsbesitzerin mit „darf ich dir helfen?“ an. „Ja, du, ich suche was, was mir passt.“ „Dezent oder Auftragend?“ „Ich bin das erste Mal in meinem Leben auf meinen Bauch stolz, es darf schon weh tun in den Augen anderer.“ „Wieviel hast du denn bisher zugenommen?“ „Nix.“ „Okay…..“ und dann ist sie durch den Laden gewuselt und hat von jedem Ständer was runtergenommen und gesagt „du gehst in die Garderobe und ich häng dir die Sachen einfach rein.“ Sehr gut. Alleine in einem Geschäft zu sein zahlt sich aus. Salar nahm mit einem Grinsen am Sofa Platz und ich fing mit der Modenschau an. Preislich lagen die ganzen Teile überraschender Weise unter meiner Vorstellung und somit wechselten mehrere Kleider – auch von Mamalicious – den Besitzer und ich war in meinem Leben noch nie glücklicher und noch nie erstaunter, Kleider gekauft zu haben, die ich sogar nach dem Exodus des Küken noch tragen können werde.

Dennoch. The struggle stays real.

Wenn man nämlich bei 25+ Graden und Sonnenschein einkaufen geht und eine Frühjahr-Sommer-Schwangere ist, vergisst man nämlich ein wichtiges Kleidungsstück komplett: die Jacke.

Wurscht, dachte ich. Wir fahren eh nach Regensburg, da wirds ja wohl ein Umstandsmodengeschäft geben. Hahahahahahahahahahahahahaha! Manchmal bin ich schon sehr einfältig. Google, mein bester Freund in vermeintlich allen Lebenslagen, hat gestern auf mich geschissen. „Umstandsmode Regenburg“ und diverse andere Suchbegriffe führten nur zu „ähnlichen Treffern“…. LOL. Dann auf Seite drei ein Hoffnungsschimmer – ein Forumseintrag aus dem Jahr 2007 in dem ein Geschäft genannt wird. Das habe ich dann auch gegoogled und es spuckte Öffnungszeiten, Adresse und eine Telefonnummer aus…. dennoch, irgendwie blieb ich stutzig… Immerhin lieferte ja meine ursprüngliche Suche nur „ähnliche Ergebnisse“. Deshalb habe ich nach einem halben Jahr mal wieder mein Festnetztelefon verwendet und die angegebene Nummer angerufen. „Diese Nummer ist nicht vergeben.“ Salar lachte sich deppert. Ich: „Germany really has a problem with Digitalisierung. They don’t know how to use it – AT ALL.“ Salar: „Maybe it is like with the Scheiß-Telekom – 2 Jahres Abonnement. If you don’t quit it in the right second it stays on for another two years.“

Ich hasse es online Kleidung zu kaufen, da ich dieses Zurückschicken von nicht passendem urmühsam finde.

Also habe ich auch weiterhin keine Jacke die ich vorne schließen könnte – und auch kein Jackerl. Hätte ich vor drei Jahren ahnen können , dass ich mal eine Matroshka sein werde, ich hätte mir so eine bescheuert aussehende Übergrößen-simulierende Weste gekauft.

2 Gedanken zu “The struggle is real – auf der Suche nach passender Kleidung….

  1. Ah ja… Im Zweibuchstabenladen hatte ich auch einen totalen Meltdown wegen Still-BHs. Mein Tipp: Rossmann.
    Bei den Jacken gibt’s mittlerweile auch ganz schlaue Jackenverbreiterer… Keine Ahnung, wie die heißen… Jackenverbreiterer?
    Das ist quasi ein Stückel Stoff, daß man rechts und links in den Reißverschluss der vorhandenen Jacke einhängt und mittig so schnürt, wie man es eben grad braucht.
    Fand ich ein gutes System. Hab ich im Winter bei einer Bekannten gesehen.

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