Fünf Dinge die mir hier richtig taugen

Nach all dem Sudern in den letzten Tagen, seitdem ich hier sesshaft geworden bin, muss ich auch mal darüber schreiben, worüber man ja nicht sooo gerne spricht. Und zwar über das, was einem echt taugt.

Die Reihenfolge entspricht der Reihenfolge meiner Gedanken. Kein anderes Ranking liegt dem zu Grunde:

Payback-Karte

Während ich in Österreich x verschiedene Kundenkarten mit mir in meinem Börserl herumgeschleppt habe und meistens gerade die daheim liegen hatte, die ich gerade benötigt hätte, gibt es hier die Payback-Karte. Die gilt zwar nicht überall, aber das tun die typischen Bonuspunktekarten in Österreich ja auch nicht. System: für jeden Euro den man bezahlt, bekommt man einen Punkt. Der Punkt ist einen Cent wert. Von den Punkten kann man sich dann entweder Prämien kaufen oder man löst sie in einen Gutschein ein. Eigentlich jeden Monat gibt es in den gängigen Läden Aktionen wie z.B. fünffach oder sogar zehnfach Punkte auf einen Einkauf.  Dafür nehme ich die Auswertung meiner Shoppinggewohnheiten gerne in Kauf, schließlich habe ich ja tatsächlich was davon. 

Öffnungszeiten

Was mir an Wien so getaugt hat war, dass es an neuralgischen Reisepunkten immer einen Supermarkt gegeben hat, der am Sonntag und an Feiertagen auch bis tief nachts geöffnet hatte. Ich dachte, ich würde das vermissen. Tu ich aber nicht wirklich. Denn hier haben die meisten Supermärkte von Montag bis einschließlich Samstag von 7 bis 20 Uhr geöffnet. Ist zwar nicht wirklich familienfreundlich für die, die dort arbeiten (einer von uns tut das) aber trotzdem finde ich es leiwand. 

Obacht – die Freundlichkeit der Piefkes

Wer hätte sich das gedacht! Die Wienerin findet Piefke freundlich! Das kommt ja fast schon einem Staatsverrat gleich! Egal, ist halt so. Während ich als Kind immer die Luft anzuhalten versucht habe, wenn wir urlaubstechnisch übers Deutsche Eck mussten, finde ich jetzt im mittleren Alter die deutschen Sprachgenossen wirklich nett. Zum Beispiel unseren Bauleiter im Haus, der immer winkt und fragt ob eh alles passt. Und der Installateur, der beim Reinkommen in unsere Wohnung gemeint hat: „ah di kenn i do vom (Supermarktname). Wia hom uns beim Eikaufa xehn.“ (Ja, fuck, kann sein, weiß ich nicht.) -„Richtig! Servus!“ Oder die Tante an der Supermarktkasse die mit einem Lächeln schöne Feiertage wünscht. Oder bei der Autovermietung die Dame: „Ia ziagts ned zufällig in da xxxstroßn ins neie Haus ei, oda? I hob des Auto xehn. Sehr fei hobts es do.“ Oder bei der Krankenversicherung die Dame am Empfang die mir eine schöne Zeit bei meinem neuen Arbeitgeber gewunschen hat, weil das ein richtig gutes Unternehmen ist. Oder im Fetzngschäft die T-Shirt-zusammenlegende-studentische-Samstagsaushilfe, die mit mir jeden Kleiderständer abgegrast hat auf der Suche nach dem Oberteil, das ich online gesehen habe, und sich dann tausendmal entschuldigt hat, dass es das nicht mehr im Laden gibt und dann nochmal mich gesucht hat, um mir einen 10% Onlinegutschein in die Hand zu drücken. Das sind tatsächlich nur wenige Beispiele aus zwei Wochen. Das taugt mir. 

Das bayerische „Du“

Was mir wirklich auffällt, ist, dass ich hier nicht oft gesiezt werde. Nicht einmal in der Apotheke: „Mogst wos mit Thymian gengan Huastn oda wos aundres?“ 

Lustig war das mit unseren Vermietern. Wir dachten beidseitig wir müssten per Sie sein bis ich dann zu ihr zwischen Waschmaschine und Häusl gemeint hab „Ich tu mir so schwer mit dem Siezen. Können wir bitte per Du sein?“ – die Antwort war ein erleichtertes: „Jooo! Gott sei Dank du ah!“ und am nächsten Tag rief er an und sagt „Gö Isabella, i bin da (Vorname) fia de Zukunft samma a per du.“

Servus und Pfiati

Das hab ich mir ganz schnell angewöhnt, weil der Salar das am liebsten in den unpassendsten Situationen anwendet und ich dann immer lachen muss. Zum Beispiel im norddeutschen Braunschweig in der Bäckerei – niemand hielt ihn für einen Araber, dafür aber für einen Bayern – können ja beide nicht so richtig Deutsch 😉

Bonus: die Akzeptanz gegenüber Österreichern

Eine Anekdote muss ich noch loswerden. Der Installateur fragt woher ich komm. Ich sag: „Aus Wien.“ Er: „Na des homma do olle no ned gmerkt. Oida, welkam tu Dschörmäni!“ und peckt sich volle Wäsch ab. Ich hab auch gelacht – aber nur weil sich mein Vorurteil bezüglich der bescheidenen Englisch-Kenntnisse der Deutschen ein bissi bestätigt hat und wegen seinem falsch intonierten „Oida“. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s