Abschied und Neubeginn

Ich gebe es offen und ehrlich zu, ich habe meine Kollegen enttäuscht und mich selbst ein bisschen überrascht, als ich ohne „epischem Abschiedsmail á la Isa“ vor über zwei Wochen von meiner alten Wirkungsstätte von dannen gezogen bin – das ist so gar nicht meine Art und alle die mich so gut kennen, haben mich auch immer gefragt „und? rechnest ab?“ – ich muss gestehen, diese Frage hat mich sehr amüsiert und auch ein bissi geehrt.

Ich habe mich bewusst gegen eine „Jahrzehnte-Abrechnung“ entschieden. Man wird mit dem Alter einfach weiser und ausserdem bleibe ich ja dem Arbeitsumfeld treu und werde an meinem neuen Arbeitsplatz oft mit dem alten zu tun haben.

 Ich habe übrigens beschlossen, so lustig es auch manchmal in meiner Arbeit sein kann, hier nicht darüber zu schreiben und wenn wirklich kein Weg daran vorbeiführen sollte, weil es einfach zu gut ist, wie bei allem anderen auch, die Unternehmen nicht erwähnen. Das hier wird ein werbefreier Blog bleiben, deshalb bezahle ich ja auch dafür, dass hier keine Werbung geschalten wird.

Nun aber zu dem was ich wirklich schreiben will.

Als ich gegangen bin, habe ich auch davon Abstand genommen so ein Schleimscheißermail an alle zu schreiben in dem ich mich für die „gute Zusammenarbeit“ bedanke und sich dann mindestens 15 beim Lesen fragen, wer die Alte überhaupt war. Am lesenden Ende war ich sehr häufig. Nein, danke.

Auch Sekt, Brötchen, Kuchen oder eine Abschiedsfeier gab es nicht. Ich finde sowas äusserst peinlich. Jahrelang habe ich niemanden bestochen, warum zum Abschied? Abschiedsfeiern finde ich auch extrem dämlich, denn die mit denen ich in Kontakt bleibe (und die mit mir in Kontakt bleiben) brauchen keine und der Rest verdient sie nicht.

Nichtsdestotrotz habe ich aber dennoch einiges bei meinem alten Brötchengeber gelernt, das ich zu meinem neuen mitnehmen werde. Und das will ich euch nicht verheimlichen:

  1. Nimm dir Zeit für dich – dein Arbeitgeber existiert weiterhin, auch wenn du nicht 250 Stunden im Monat arbeitest. (Und nimm dir verdammt noch mal deinen Urlaub!)
  2. Verliere dein Ziel nicht aus den Augen. Mach Mehr- und Überstunden weil du das Geld benötigst und nicht weil du glaubst, dass deine Kollegen „so arm“ sind – sie haben den Job auch freiwillig angenommen, so wie du. Sei nicht psychologisch erpressbar und erpresse auch andere nicht.
  3. Verbringe Zeit mit den Menschen die dir wichtig sind und dich vorwärtsbringen und meide die ewig-grummeligen, unzufriedenen und die, die immer was von dir wollen ohne zu geben. 
  4. Schütze dich selbst und lass dir deine Freiheiten.
  5. Arbeite in dem Tempo das du in der jeweiligen Situation für richtig hältst.
  6. Genieße das Leben, nimm nichts persönlich, schaffe dir deine Auszeiten, und gib kontra wenn dir jemand ins Nest scheisst.
  7. Wenn du krank bist, geh nach hause und bleib dort bis du dich wieder fit zum Arbeiten fühlst. Nichts ist so wichtig wie deine Gesundheit.
  8. Verwende alle Funktionen deines Smartphones richtig: Lies keine Firmenmails in deiner Freizeit, schalte auf stumm oder blockier mal Nummern die dich nicht anrufen sollen – die Entspannung ist phänomenal.
  9. Wenn die Arbeitsbedingungen mehr denen eines anderen Arbeitsplatzes ähneln, als dem für den du dich entschieden hast, protestiere.
  10. Wer sudert wird ned pudert. Wenn du unzufrieden bist, mit dem womit du die meiste Zeit deines wachen Lebens verbringst, such dir entweder einen neuen Job oder ein ausgleichendes Hobby. Das wichtigste in deinem Leben ist dein Seelenfrieden.

Ich glaube, diese zehn Gebote sollte jeder an seinem Arbeitsplatz irgendwann lernen. Egal ob du Busfahrer, Krankenschwester, Buchhändlerin, Physiotherapeut, Moderator oder Baustellenleiter bist.

In zwei Tagen beginne ich an meinem neuen Arbeitsplatz und ich bin schon sehr aufgeregt. Nicht, weil ich was Neues machen werde sondern ganz im Gegenteil, weil ich etwas machen werde, was ich im Grunde schon kann, nur eben bei einer anderen Firma. Ich versuche schon seit letztem Freitag meine Erwartungshaltung auf Normalmaß zu korrigieren und neutral dort mal alles so aufzunehmen wie es ist… wünscht mir Glück. 

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