Würzen in Deutschland

Gestern wollte ich mein Lieblingskürbisgericht zubereiten. Dazu benötige ich Kräuter – frische Kräuter. 

Bereits im Mai als ich hier noch nicht gewohnt habe, sondern nur Gast war, bin ich an der Frischkräuterauswahl in Niederbayern verzweifelt. Damals benötigte ich frisches Zitronengras und hab sogar die asiatischen Restaurants angebettelt mir eines zu verkaufen…. besonders das im Shoppingcenter am Busbahnhof, das groß mit Zitronengras in jeder Speise wirbt – die haben gemeint sie haben keines und das so laut, dass sie an dem Tag drei Kunden verloren haben….

In Wien ging ich zum Diskonter meines Vertrauens und der hatte meist eines – wenn nicht ging ich halt zum nächsten. Dann hatte ich spätestens das Gewürzkraut meiner kulinarischen Träume erstanden.

Not in Germany. 

Gestern benötigte ich frischen Salbei. Hahahahaha. Zwei Supermärkte vis à vis, zwei weitere in Gehdistanz – kein frischer Salbei. Weder als Pflanze noch das Laub solo verpackt. Nicht mal tiefgefroren!!! Dafür überall Petersilie, Schnittlauch, Dill und Basilikum. Einer hatte auch noch Koriander – der Ausreißer-Supermarkt. Da frag ich mich ob die deutsche Küche wirklich mit nur vier frischen Kräutern auskommt (gibts da nicht irgendsoeine berühmte deutsche Sauce die nach 7 verschiedenen Kräutern verlangt? Ist die mittlerweile ausgestorben?) und wo Frau in Deutschland einkaufen muss wenn sie mal was „exotisches“ kochen will – mit Salbei oder Thymian.  Ich glaube der Ekel stand mir ins Gesicht geschrieben, als ich zum Trockenprodukt – fein geschnitten, 2.49€ für 10g – griff. Das schlimmste: Meine Kürbisnudeln schmeckten nicht nach Salbei – gar nicht. Nicht mal einen Hauch konnte ich erahnen obwohl die halbe Dose draufging. Das Kraut in der Dose roch ja nicht mal nach irgendwas. Ich wittere den nächsten Food-Skandal in Deutschland – „mit Gras gestreckte Gewürze“ (Nicht das das man rauchen kann, sondern das wo du im Sommer aufpasst dir keinen Zeck zu holen). 

Für meine anscheinend urexotische Kürbisnudelpfanne benötigte ich auch noch eine frische Chili – nach einer ganzen Schote mit Kernen war das Futter noch immer nicht scharf und ich half mit afrikanischem Cayenne-Pfeffer von meiner allerliebsten Iris nach – finally scharf genug.  

Was es aber in Deutschland zu Hauf gibt, sind Gewürzmischungen. Als Salar und ich uns kennenlernten konnte er nicht kochen – musste er auch nicht, Mutter, Tanten und Schwestern kochten gut genug. Also wollte ich ihn in die zauberhafte Welt der Gewürze einführen und wir sind zum größten Supermarkt gefahren: das erste, das er von mir lernte war: „Würze selbst, verwende keine Gewürzmischungen.“ Das war für ihn erstmal unverständlich. Deutschland ist das Land der Gewürzmischungen: Pizza-Gewürz, Pommes-Gewürz, Grillhähnchen-Gewürz, Hackbraten-Gewürz, you name it, they have it – alles so super bequem. Dose auf und schütteln.  Bahaa…. Ich würze meine Pommes zum Beispiel mit einer einzigen Zutat: Salz. Was zum Henker ist ein Pommes-Gewürz??? Also haben wir uns die Dose genauer angesehen – wenn man eine Zutat weder flüssig lesen noch richtig aussprechen kann und nicht weiß was das ist, dann hat es in einem Essen nichts verloren! Das selbe gilt für jede andere Gewürzmischung…. da ist immer mindestens ein Ding dabei, das da nicht hingehört. Mach dir deine eigenen Mischungen und sei kreativ.  Scheitert halt in Germany nur daran, dass die Kräuterecke aus vier Produkten besteht und das Gewürzregal aus fünfzehn von sechs verschiedenen Herstellern.  

In Minute eins der Entscheidung nach Deutschland zu ziehen war mir klar: wir werden hier einen eigenen Kräutergarten anlegen. Der wird uns und den Bienen beim Überleben helfen. Und die Samen dafür werde ich online bei einem Biosaatgutverteiber kaufen und dann werden wir mal sehen ob wir hier eventuell doch irgendwann mal mit frischen Zutaten kochen können. Challenge accepted.

2 Gedanken zu “Würzen in Deutschland

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