Beamte sind keine Menschen

Montags bin ich voller Elan und schmerzender Glieder aufgewacht und dachte mir: „Heute kann es nichts schöneres geben als mich anzumelden!“ 

Ich habe in den Wochen vor meinem Umzug zwei Ordner angelegt: einen mit allen Unterlagen, die ich in Wien benötigte und einen mit allen Unterlagen, die ich in Passau benötigen werde. Diese zwei Ordner lagen in der alten Wohnung bis zuletzt am Küchentisch neben der Espressomaschine und waren wirklich die letzten die ich schnappte als wir die Wohnung verließen – um sicher sein zu können, dass sie greifbar sind wenn ich sie brauche. 

Ein paar Tage bevor wir umgezogen sind, habe ich nochmals beim Bürgerservice in Passau angerufen und nachgefragt ob sie die Wohnungsgeberbescheinigung physisch benötigen oder ob es elektronisch – also auf meinem Smartphone – reicht. Man teilte mir mit, elektronisch sei völlig OK.

Frohen Mutes bin ich an diesem sonnigen Montag losgezogen in die Innenstadt. Am Weg zum Rathaus dachte ich mir, wenn ich schon mal hier bin kann ich auch gleich die Jahreskarte für den Bus beantragen. 

– „Grüß Gott,  ich möchte bitte eine Jahreskarte beantragen.“

– „Homma ned.“

-„Auf Ihrer Homepage habe ich eine andere Information erhalten.“

-„Joahreskoartn homma K-A-A-N-E.“

Okay, denke ich mir, probier es anders…

-„Ich würde gerne 12 Monate mit dem Bus fahren ohne jede Fahrt einzeln bezahlen zu müssen – haben sie da was im Angebot?“

-„Wia hom a 12-Monate-ABONNEMENT.“

-„Na wunderbar! Ich glaube das kommt nahe ran an eine Jahreskarte! Ich würde gerne ein 12-Monate-ABONNEMENT beantragen.“

-„Do. Füllens aus. Do sans eh scho knapp draun für November. Heit is da letzte Tog.“

-„Danke, sehr freundlich. Man kann sich nicht aussuchen, wann man umzieht.“

Ich dachte, die größte Hürde wäre geschafft.

Nope.

Rein ins Rathaus. Massive Traube vor der Türe. Nach mir mehr Leute. Dann große Diskussion wer nach wem an der Reihe ist. Ich sag „Wir könnten ja eine Schlange bilden, dann wäre es einfacher.“ Die schauen mich an als wäre ich geistesgestört. Ich: „Sorry, ich bin nicht von hier.“

Endlich. Ich bin dran. Meine Unterlagen in der Hand. Die Wohnungsgeberbescheinigung am Smartphone. 

-„Grüß Gott, ich möchte mich gerne anmelden. Hier sind alle Unterlagen.“

-„Was soll ich damit?“

-„Das weiß ich nicht. Ich würde gerne eine Anmeldung vornehmen lassen.“

-„Jo oba so geht des ned.“

-„Warum? Alle Unterlagen sind da. Ich habe mich mehrfach telefonisch und im Internet erkundigt.“ 

-„Na oba wos is des do?“  und deutet auf mein Telefon.

-„Na die Wohnungsgeberbescheinigung.“

-„Wie stellen Sie sich vor, dass das funktioniert?“

-„Ich denke, sie lesen die Daten ab?!?“

-„Hören Sie, die brauche ich.“

-„Okay, was genau wollen Sie jetzt von mir? Am Telefon hat man mir gesagt, das reicht so aus. Und ich habe HIER IN DIESEM BÜRO angerufen.“

-„Do. Mailnsas mia.“

-„Haben Sie hier W-Lan?“

-„Na.“

-„Wo gibt es denn das nächste W-Lan?“

-„Waß i ned. Mochns es afoch vun dahoam.“

-„Schauns. Ich bin gestern aus Österreich umgezogen. Glauben S‘ im Ernst, dass wir schon ein Internet haben?“

-„No dann druckens es aus.“

-„Ich ergänze um:und den Drucker ausgepackt?“

-„Dann kommens halt wann anders wieder. Sie haben zwei Wochen Zeit.“ 

-„Guter Mann, ich komme aus Österreich, wie Sie meinem Pass entnehmen können. Ich bin seit 5 Tagen offiziell obdachlos. Ich habe von ihrem Arbeitsplatz die Info bekommen es funktioniert so.“

-„Nein. – NÄCHSTER!“

Ich habe das Büro mit einem „Scheiß Piefke!“ verlassen. Sehr lange war ich schon nicht mehr so angefressen wie an dem Tag. 

Am Abend haben wir dann auf gut Glück mein österreichisches W-Lan angesteckt und es funktioniert einwandfrei. 

Am Dienstag hab ich dem Beamten-Heinzi meine Wohnungsgeberbescheinigung gemailt mit der Info diese im Bürgerzentrum Passavia verfügbar zu machen – ums Verrecken wollte ich nicht mehr ins Rathaus zu den Sautrotteln und ausserdem wollte ich auschecken ob das dort auch funktioniert.

– „Grüß Gott. Ich würde mich gerne Anmelden lassen. Hier sind alle meine Unterlagen.“

-„Wo ist die Wohnungsgeberbescheinigung?“

-„Die müssen Sie schon längstens haben, die habe ich heute morgen an Herrn XY gemailt.“

-„Wer ist das?“

-„Ihr Kollege.“

-„Wo?“

-„In der Arbeit.“

-„Kenne ich nicht. So geht das nicht.“

-„Hier ist die Visitenkarte. Also ich denke schon, dass der fürs Rathaus arbeitet.“ (immerhin ist der genausodrauf wie Sie)

-„Na.“

-„Wie bitte?“

-„Bringens mir das im Original.“

-„Das Original ist auf meinem Handy“

-„Na dann drucken S‘ es aus.“

Aus dem Off:

-„San Sie die Frau XY?“

-„Jaaaaaaaa!“

-„Do is wos kumman.“ und bringt ein Fax.

-„Nau do homs no amoi Glück ghabt.“

-„Oder Sie.“

– tipp tipp tipp

-„Können Sie die bitte gleich für meinen Lebensgefährten verfügbar halten? Der kommt in den nächsten Tagen.“

-„Den Zettl kennans mitnehmen. Den brauch I ned.“

WHAAAAAAAT THE FUCK?!?

-„Aha, danke.“ – „Wissen Sie vielleicht ob ich den Meldezettel immer bei mir haben muss? Wegen der Ausweispflicht? Auf dem deutschen Personalausweis steht ja die Adresse…“

-„Weiß ich nicht.“

-„Wissen Sie wer das wissen könnte?“

-„Nein.“

-„Danke.“

OIDA! Da frag ich mich ernsthaft was in deren Jobdescription drinnensteht! Ich meine, wer ist hier in Deutschland erste Ansprechsperson für bürokratische Fragen? Gibt es hier irgendjemanden der sich über den eigenen Tellerrand hinaus interessiert? Kennt hier irgendjemand mehrere Begriffe für ein und das selbe Ding? 

UND: Ich bete zu Gott, dass ich NIE NIE NIE so desinteressiert, einfältig und willenlos werde, wie die Menschen hier sind. 

2 Gedanken zu “Beamte sind keine Menschen

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